02/09/2011von 1.024 Views – 0 Kommentare

Melville, Herman: Meistererzählungen

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Buchcover Melville Meistererzählungen

  • Taschenbuch
  • 368 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Diogenes (Neuauflage von 1993)
  • Aus dem amerikanischen Englisch von Günther Steinig


Inhalt:

Als man Herman Melville (1819-1891) nach langer Vergessenheit um 1920 wiederentdeckte, wurde er auf einen Schlag zu einem der großen Autoren der Weltliteratur. Moby Dick mutet als frühe Vorwegnahme des postmodernen Romans an, von seiner Erzählung Bartleby führt eine direkte Linie zu Kafka. Daß seine Kurzprosa ebenso meisterhaft ist wie sein Hauptwerk ‘Moby Dick’, beweisen auch die Erzählungen ‘Die Veranda’, ‘Benito Cereno’, ‘Der Blitzableitermann’, ‘Die Encantadas’ und ‘Der Glockenturm’. (Pressetext)

Kurzkritik:

Sie glauben, hohe Literatur kann nicht unterhaltsam sein? – Lesen Sie Melville!

Auf jeden Fall beschäftigt einen diese und die anderen Geschichten über das unmittelbare Lesen hinaus. Um es mit Camus zu sagen: „Melvilles bewundernswerte Bücher gehören zu den seltenen Werken, die man auf verschiedene Art lesen kann; sie sind einleuchtend und geheimnisvoll zugleich, klar wie das hellste Sonnenlicht und doch dunkel wie ein tiefes Gewässer.“

Werner gibt  ★★★★★  (5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Sie möchten lieber nicht?

Dies ist das ideale Buch für Menschen, die nur wissen, das Melville „Moby Dick“ geschrieben hat, oder die immer wieder an dessen langer Einleitung scheitern. Es ist aber auch für alle geeignet, die das Vorurteil abbauen wollen, dass hohe Literatur nicht unterhaltsam sein kann.

Nehmen wir „Die Veranda“: Ein Mann hat sich eine abgelegene Hütte gekauft, entdeckt eine weitere Hütte oben in den Bergen. Dort, denkt er, müssten wahrlich zufriedene Menschen wohnen! – Eines Tages macht er sich auf den Weg dorthin und findet eine trübsinnige Frau, die denkt, die in der Hütte dort unten müssten zufriedener sein. (Es ist natürlich die Behausung des Mannes.)

Amüsant

Noch amüsanter ist „Der Blitzableitermann“: Dieser dringt während eines heftigen Gewitters in ein Haus ein und warnt den dort Wohnenden eindringlich vor all den Gefahren, die von Blitzen ausgeht. Dagegen könne man eigentlich nur seine Blitzableiter kaufen. Nach einigem Hin und Her wirft ihn der Hausherr hinaus. – „Aber obgleich ich ihn auf diese Weise behandelt und meine Nachbarn vor ihm gewarnt habe, ist der Blitzableitermann noch immer im Lande, reist zur Unwetterzeit umher und schachert mit der Furcht der Menschen.“ (Schon vor etwa 150 Jahren hat man also vor den Machenschaften fliegender und sonstiger Händler gewarnt.)

Formal überraschend modern

Mit „Die Encantadas oder Verwunschenen Inseln” können wir den vielleicht nicht sprachlich, aber formal überraschend modernen Melville kennenlernen. Diese längere Erzählung besteht aus zehn Skizzen, beginnt wie eine literarische Reportage (die Wikipedia standhält) und berichtet dann aus verschiedenen Blickwinkeln vom Schicksal einer auf den Inseln gestrandeten Frau.

„Bartleby“ funktioniert als „ganz normale“, witzige Erzählung, geht aber tiefer. Vordergründig gehts um einen Schreiber, der Aufforderungen/Befehlen seines Chefs nicht nachkommt mit der Aussage „Ich möchte lieber nicht“. Er lässt sich auch nicht hinauswerfen, ohne dass man sein Vorgehen tatsächlich als passiven Widerstand bezeichnen könnte.

Einleuchtend und geheimnisvoll

Und: Das muss man einmal zusammenbringen: ein langweiliger Rechtsanwalt als trockener Ich-Erzähler und trotzdem ist „Bartleby“ interessant zu lesen.

Auf jeden Fall beschäftigt einen diese und die anderen Geschichten über das unmittelbare Lesen hinaus. Um es mit Camus zu sagen: „Melvilles bewundernswerte Bücher gehören zu den seltenen Werken, die man auf verschiedene Art lesen kann; sie sind einleuchtend und geheimnisvoll zugleich, klar wie das hellste Sonnenlicht und doch dunkel wie ein tiefes Gewässer.“

Von Werner Schuster

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Infos:

Herman Melville (1819 bis 1891) stammte aus einer verarmten New Yorker Familie. Er ging früh zur See und verdingte sich als Matrose, unter anderem auch auf Walfängern. Seine Reisen führten ihn bis in die Südsee. 1844 kehrte er in die USA zurück, lebte als freier Schriftsteller und war von 1866 bis 1885 als Zollinspektor in New York tätig. Der Romancier und Autor von Kurzgeschichten und Lyrik gilt als einer der bedeutendsten amerikanischen Schriftsteller. Sein Meisterwerk „Moby Dick“ zählt zu den Klassikern der Weltliteratur.

Mehr über Herman Melville bei Wikipedia.

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