25/07/2012von 513 Views – 0 Kommentare

Dönhoff, Marion: Zeichen der Zeit

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Buchcover Dönhoff-Lesebuch
  • Ein Lesebuch
  • Hardcover
  • 400 Seiten
  • Erschienen 2012 bei Diogenes

Inhalt:

Die wichtigsten Artikel und Reportagen, die Deutschlands prominenteste Journalistin im Lauf von 60 Jahren veröffentlichte. Anschaulich und klug vermittelt Marion Gräfin Dönhoff ihren Standpunkt zu Themen, die uns damals wie heute beschäftigen: Macht und Moral, die Auswüchse des Kapitalismus sowie die Verantwortung des Einzelnen gegenüber der Gesellschaft. (Pressetext)

Kurzkritik:

Mit diesem Lesebuch bekommt man nicht nur einen Ausschnitt aus dem journalistischen Werk von Marion Gräfin Dönhoff geboten, sondern auch einen Überblick über das Geschehen und die Veränderungen in Deutschland und der Welt zwischen den 1940er-Jahren und 2001. „Zeichen der Zeit“ eignet sich als kluge Ergänzung zu unseren Geschichtsbüchern.

Aus Dönhoffs analytischen Artikeln erfahren wir zum Beispiel etwas über den ersten Schulbeginn nach dem Krieg, das Problem der Vertriebenen, Kriegsverbrecher vor Gericht, den bau der Berliner Mauer, die Studentenunruhen, die Energiekrise, den Terrorismus in Deutschland, das Wettrüsten, die Niederlage des Marxismus, den Golfkonflikt, das Ende der Apartheid in Südafrika, Gorbatschows Perestroika.

Und wir sehen ein praktisches Beispiel für Liberalismus „als Geisteshaltung, als Lebensauffassung, als Verhalten im Alltag“.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Liberalismus als Geisteshaltung

Mit diesem Lesebuch bekommt man nicht nur einen Ausschnitt aus dem journalistischen Werk von Marion Gräfin Dönhoff geboten, sondern auch einen Überblick über das Geschehen und die Veränderungen in Deutschland und der Welt zwischen den 1940er-Jahren und 2001. „Zeichen der Zeit“ eignet sich als kluge Ergänzung zu unseren Geschichtsbüchern.

Dönhoff, geboren 1909 in Ostpreußen, studierte Volkswirtschaft und leitete den ostpreußischen Familienbesitz bis 1945. Nach ihrer Flucht in den Westen begann ihr Leben als Journalistin. Sie prägte die Wochenzeitung Die Zeit als Autorin, Chefredakteurin und Herausgeberin bis zu ihrem Tod 2002.

Demokratie und Ethik

Neue Rezensionen

Das Gesamtwerk Marion Gräfin Dönhoffs besteht aus über 2.000 Artikeln, Reportagen und Glossen. Ihre persönliche Mitarbeiterin Irene Brauer und ihr Sohn Friedrich haben dieses Lesebuch herausgegeben. Der Inhalt bietet einen Querschnitt durch ihr Werk und wird von ihren großen Themen – Demokratie und Verantwortung, politischer Widerstand, Ostpolitik, Kapitalismus und Ethik – bestimmt.

Ebenfalls abgedruckt ist Dönhoffs Rede anlässlich zur Verleihung des Heinrich-Heine-Preises 1988, in welcher sie Einblick in die Redaktion der Zeit gab und dabei über ihr journalistisches und politisches Credo sprach.

Lassen Sie mich zunächst einmal kurz umreißen, was mit „liberal“ gemeint ist. Nicht gemeint ist liberal im Sinne einer politischen Partei; gemeint ist vielmehr Liberalismus als Geisteshaltung, als Lebensauffassung, als Verhalten im Alltag.
Im Liberalismus steckt immer auch ein Element des Kontradiktorischen, denn alles Geistige existiert im Widerspruch, nur durch Widerspruch lässt sich die Wahrheit finden. Widerstand ist notwendig, nicht nur gegen die Macht einer absolutistischen Regierung, sondern im Gegenhalten gegen die herrschenden Moden der Zeit; auch gehört das Relativieren der sich absolutistisch gebärdenden jeweiligen Ideologien dazu – gleichgültig, ob es sich nun um kirchliche Orthodoxien, Freud‘sche Monokausalität oder um einen verspäteten Neomarxismus handelt. (…)

Zwischen allen Stühlen

News, Storys & Meinungen

Für einen Liberalen kann nicht, wie für den Konservativen, der Wille zum Bewahren an erster Stelle sthen; er muss, im Gegenteil, immer wieder alles von neuem durchdenken, es verwandeln, einiges ergänzen, manches weglassen, um im Einklang mit der Geschichte zu bleiben, die ja ein Prozess ist und kein Zustand. (…) Im Grunde gibt es nur eine legitimen Platz für den Liberalen: den zwischen allen Stühlen.

In diesem Sinne erfahren wir aus Dönhoffs analytischen Artikeln zum Beispiel etwas über den ersten Schulbeginn nach dem Krieg, das Problem der Vertriebenen, Kriegsverbrecher vor Gericht, den bau der Berliner Mauer, die Studentenunruhen, die Energiekrise, den Terrorismus in Deutschland, das Wettrüsten, die Niederlage des Marxismus, den Golfkonflikt, das Ende der Apartheid in Südafrika, Gorbatschows Perestroika.

„Zivilisiert den Kapitalismus!“

Aktuelle Tipps & Bestseller

Zusätzlich sind einige von Dönhoffs Porträts (etwa über Helmut Schmidt) und Reisereportagen und einige wenige Briefe und Tagebuchaufzeichnungen in dieses Lesebuch aufgenommen worden. Und Reden. Zum Beispiel die zur Verleihung des Erich-Kästner-Preises 1994 mit dem Titel „Zivilisiert den Kapitalismus!“:

(…) nicht nur im Osten, auch im Westen sehen wir die Folgen einer Lebensweise, die nur auf den Eigennutz gestellt ist, ohne Verantwortung für das Ganze. Eine Entfesselung der Begierden ist unvermeidlich.

Von Werner Schuster

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Infos:

Marion Gräfin Dönhoff, geboren 1909 in Friedrichstein/Ostpreußen, studierte in Frankfurt und Basel Volkswirtschaft und leitete den ostpreußischen Familienbesitz bis 1945. Nach ihrer Flucht in den Westen begann ihr Leben als Journalistin. Sie prägte die Wochenzeitung Die Zeit als Autorin, Chefredakteurin und Herausgeberin bis zu ihrem Tod 2002. 1971 wurde sie mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet.

Mehr über Marion Gräfin Dönhoff bei Wikipedia.

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