17/04/2013von 429 Views – 0 Kommentare

Simmons, Kristen: Artikel 5

Roman, Jugendbuch
Broschiert
432 Seiten
Erschienen 2013 bei ivi (Piper)
Aus dem Amerikanischen von Frauke Meier
Originalausgabe: „Article 5”, 2012

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Inhalt:

Wer nach Einbruch der Dämmerung sein Haus verlässt, Bücher liest oder uneheliche Kinder zeugt, wird im Amerika der Zukunft hart bestraft. Denn die sog. Moralmiliz entmündigt mit ihren totalitären Artikeln die Bürger der Vereinigten Staaten. Ember ist eines der unzähligen Opfer jener neuen Gesetze und muss für ihre Freiheit kämpfen … (Pressetext)

Kurzkritik:

„Plötzlich“ ist es verboten, Händchen haltend durch die Straßen zu gehen. Oder sich dort nach der Ausgangssperre aufzuhalten. Und dann gibt es auf einmal Moralstatuten. Und eine Polizei mit mehr Befugnissen. Schließlich verschwinden Menschen. Die werden schon etwas angestellt haben. Wer rechnet denn damit, dass es auch eine/n selbst treffen könnte?

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Polizeistaat USA

„Plötzlich“ ist es verboten, Händchen haltend durch die Straßen zu gehen. Oder sich dort nach der Ausgangssperre aufzuhalten. Und dann gibt es auf einmal Moralstatuten. Und eine Polizei mit mehr Befugnissen. Schließlich verschwinden Menschen. Die werden schon etwas angestellt haben. Wer rechnet denn damit, dass es auch eine/n selbst treffen könnte?

Zur Zeit, so kommt mir vor, werden viele Jugendbücher geschrieben, die vor den negativen Auswirkungen aktueller Entwicklungen in der Zukunft warnen. Geht es in Sonntags „Die Scanner“ um den Zugriff zu digitalen Informationen und in Zevins „Bitterzart“ um Ressourcenknappheit, so handelt Simmons in „Artikel 5“ von religiösem Fanatismus: Aus den USA ist ein Polizeistaat mit strengen Moralstatuten geworden:

Artikel 1: Die Vereinigten Staaten erkennen die Amerikanische Kirche als offizielle Religion an.
Artikel 2: Literatur und andere unmoralische Medien sind verboten.
Artikel 3: Eine vollständige Familie besteht aus einem Mann, einer Frau und mindestens einem Kind.
Artikel 4: Die traditionellen Geschlechterrollen müssen eingehalten werden.

Artikel 5

Die 17-jährige Ember lebt allein mit ihrer Mutter und versucht, möglichst wenig aufzufallen. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen wird ihre Mutter verhaftet. Sie hat gegen Artikel 5 der Moralstatuten verstoßen, weil sie nicht mit Embers Vater verheiratet war. Gleichzeitig wird Ember in einer Besserungsanstalt für Mädchen gebracht und lernt dort Hass, Gewalt und fanatische Moralisten kennen.

Nach einem Fluchtversuch soll sie gefoltert werden, doch da steht plötzlich ihre Jugendliebe Chace in der Tür. Er ist Polizist geworden und soll sie zu einem Prozess transportieren.

Chase lügt

Der Prozess ist eine Lüge – von Chase. Er will Ember zur Flucht verhelfen und sie wieder mit ihrer Mutter zusammenbringen. Die Flucht gestaltet sich äußerst schwierig. Zum einen gibt es kaum noch Privatfahrzeuge auf den Straßen und Zonen, für deren Durchquerung man eine Genehmigung braucht. Zum anderen ist Ember von Chase enttäuscht, weil er zur Polizei gegangen ist und weil er bei jenem Einsatz dabei war, bei dem ihre Mutter verhaftet wurde. Sie begreift erst spät, dass er alles riskiert, um ihr zu helfen.

Ein verwahrlostes Land

Auf der Suche nach einer Untergrund-Gruppe, die Ember über die Grenze nach Kanada bringen könnte, durchqueren sie ein verwahrlostes Land mit verängstigten und/oder brutalen Menschen. Nach vielen gefährlichen Abenteuern begegnen sie schließlich einer Widerstandsgruppe, der sich Chase anschließt. Und dann wird Ember gestellt und verhaftet. Kann ihr eine zweite Flucht gelingen?

Außer einem sehr spannenden Buch ist Simmons auch ein sehr beunruhigendes gelungen. Schlimmer noch als die Schreckensvision der Autorin ist, dass diese im Bereich des Vorstellbaren ist. Wirtschaftlicher Niedergang in Verbindung mit einem Erstarken von religiösem Fanatismus können durchaus zu einem brutalen Überwachungsstaat führen.

Verräter aus Not oder aus Überzeugung

Und so ist die Handlung ebenso glaubwürdig wie die Figuren, ob das nun Polizisten, Aufseher, gestrandete Existenzen, Verräter aus Not oder aus Überzeugung, Untergrund-Aktivisten sind oder Menschen, die sich mit dem System zu arrangieren versuchen.

Der Prozess dorthin war sicher ein schleichender. „Plötzlich“ ist es verboten, Händchen haltend durch die Straßen zu gehen. Oder sich dort nach der Ausgangssperre aufzuhalten. Und dann gibt es auf einmal Moralstatuten. Und eine Polizei mit mehr Befugnissen. Schließlich verschwinden Menschen. Die werden schon etwas angestellt haben. Wer rechnet denn damit, dass es auch eine/n selbst treffen könnte?

Von Werner Schuster

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Infos:

Kristen Simmons lebt in Tampa, Florida. Sie studierte Psychologie und Sozialarbeit an der University of Nevada und arbeitet heute als Psychotherapeutin mit Traumapatienten und Missbrauchsopfern. Weil sie süchtig nach Schokolade ist, betätigt sie sich zum Ausgleich als Jazzercise-Lehrerin. „Artikel 5“ ist Kristen Simmons erster Roman.

Mehr über Kristen Simmons bei www.kristensimmonsbooks.com.

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