Lianke, Yan: Dem Volke dienen
Aus dem Chinesischen von Ulrich Kautz
Ullstein
(2007)
Amour fou mit Mao
Es verwundert ja nicht, dass Yan Liankes “Dem Volke dienen” in China nicht publiziert werden darf, denn schonungsloser und hinterhältiger kann man das System Volksrepublik wohl nicht der Lächerlichkeit preisgeben. Vordergründig geht es um die Amour fou zwischen einem Soldaten und der Gattin seines Divisionskommandanten. Beinahe 80 Seiten spannt uns Lianke auf die Folter und lässt dieses Liebespaar nicht und nicht zusammenkommen. Aber dann.
Dann befielt sie ihm, “zieh dich aus, um dem Volke zu dienen”, und es wird sinnlich, später kreatürlich, schließlich zerstörerisch – und bleibt stets amüsant. Dieses Liebesdrama verflechtet Lianke allerdings ironisch-sarkastisch mit der real existierenden Volksrepublik, in der die Masse es sich im blinden Gehorsam einrichtet und in der man sich gegenseitig dabei beobachtet, wie jede/r versucht, es sich innerhalb der Grenzen dieses autoritären Systems gemütlich zu machen oder diese auch leicht auszudehnen.
Unser Liebespaar negiert diese Grenzen für kurze Zeit, spielt sich sogar gegenseitig konterrevolutionäres Verhalten vor (aber nicht ernsthaft, sondern nur, um sich bei Stimmung zu halten). Anschließend gliedern sich beide wie selbstverständlich wieder ins System ein, der private Widerstand führt nicht zu einem öffentlichen, und auch die mit dieser verrückten Liebe verbundenen Tragödien bleiben Privatsache.
Schließlich lautet die Parole doch “dem Volke dienen”.
Von Werner Schuster
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Über Yan Lianke bei Wikipedia.









