Alan Bradley: Flavia de Luce
Mord im Gurkenbeet
Ich wüsste nicht, ob das Thema Briefmarken-Sammeln schon einmal so spannend abgehandelt worden wäre.
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Naseweis und oberfrech
Irgendwann habe ich mir bei diesem Buch gedacht, Alan Bradley ist ein so begnadeter Autor, es sei völlig egal, worüber er schreibt.
Das stimmt natürlich so nicht. Denn auch wenn man nicht weiß, dass Bradley mit seiner Flavia de Luce lange „schwanger“ gegangen ist, ist völlig klar, dass da jemand sein Thema, seinen Stoff, seinen Handlungsort gefunden hat.
„Mord im Gurkenbeet“ spielt im England der 1950er Jahre (– als die Welt also noch anders in Ordnung war als heute), in einem alten viktorianischen Herrenhaus am Rande eines Dorfes. Die Heldin ist ganze elf Jahre alt, naseweis und oberfrech, die jüngste von drei Töchtern, deren Mutter früh verstorben und deren Vater allem Anschein nach ein langweiliger Herr im Hause ist.
Eine elfjährige Chemikerin
Auf Flavia und ihre Schwestern trifft das Sprichwort „Was sich liebt, das neckt sich“ vollends zu (– wobei das mit der Liebe vielleicht über- und das mit dem Necken untertrieben ist). Jedenfalls hat sich Flavia im hauseigenen Labor selbst zur Chemikerin ausgebildet. Als sie eines Morgens im Gurkenbeet einen Toten findet, erwacht auch die Detektivin in ihr.
Herrlich: Ein elfjähriges Mädchen fährt mit dem Fahrrad durch die Gegend und löst ein Rätsel nach dem anderen.
Fein: Dass der Inspektor, welcher den Mordfall aufklären soll, kein Idiot ist, sondern lebensklug.
Großartig: Wie wir in bester, altmodischer Whodunit-Manier mit Flavia nach und nach der Vorgeschichte des Falles und schließlich dem Täter auf die Spur kommen.
Tödliche Briefmarken
Verblüffend: Ich wüsste nicht, ob das Thema Briefmarken-Sammeln schon einmal so spannend abgehandelt worden wäre.
Das alles ist dermaßen selbstverständlich aufgebaut und beschrieben, dass man glauben möchte, so etwa könne doch jede/r. Doch man braucht sich ja bloß ein paar der vielen Krimi-Neuerscheinungen herzunehmen, um alsbald festzustellen: So gut gelingt das nur ganz wenigen.
Und da freut es mich natürlich, dass Alan Bradley weitere Flavia-de-Luce-Krimis angekündigt hat. Wiewohl: Ich würde alles andere von ihm auch lesen.
Infos
Erschienen 2009 bei Penhaligon
Aus dem Englischen von Gerald Jung und Katharina Orgaß
Originalausgabe: „The Sweetness at the Bottom of the Pie”
Über Alan Bradley bei Randomhouse,
mehr von Blanvalet, Limes, Penhaligon bei „Eselsohren“.
„Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ ist erhältlich bei Amazon.



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Meine Muss-auf-den-Lesestapel-Liste wächst und wächst, ein kausaler Zusammenhang mit eselsohren.at ist nicht von der Hand zu weisen.
Wenn das so weitergeht, muss ich die Wohnung über mir wohl anmieten (oder einen zweiten Stapel anfangen).