16/05/2012von 544 Views – 0 Kommentare

Capek, Karel: Wie ein Theaterstück entsteht

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Buchcover Capek Wie ein Theaterstück entsteht
  • Ratgeber, Kunst, Kultur
  • Mit 47 Zeichnungen von Josef Capek
  • Gebunden
  • 180 Seiten
  • Erschienen 2012 bei Unionsverlag,
    Deutsche Erstausgabe 1933
  • Aus dem Tschechischen von Otto Pick und Vibcy Schwarz
  • Originalausgabe 1925

Inhalt:

„Das Theater ist eine Kunst wie das Kriegführen und ein Hasardspiel wie das Roulette niemals weiß man im Vorhinein, wie es ausfallen wird.“ Wer so schreibt, hat am eigenen Leib erfahren, was es heißt, ein Stück auf die Beine zu stellen. Ist so ein Theatertext erst einmal unter Schweiß und Tränen verfasst, abgeliefert und bis zur Unkenntlichkeit überarbeitet worden, gilt es erst noch, die Eitelkeiten und Querelen bei der Rollenbesetzung durchzustehen. Ganz zu schweigen von den Pannen und Katastrophen, zu denen es bei den Lese- und Stell- bis hin zur Generalprobe offenbar zwangsläufig kommen muss. Ein Wunder, dass es doch erstaunlich oft zu Premieren kommt, die allen Beteiligten den Glanz in die Äuglein treiben und dass danach Abend für Abend der Vorhang hoch geht. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ein vergnügliches und scheinbar zeitloses Brevier.

Autor gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Mit gezückter Axt auf die Bühne stürzen

Ein nettes Büchlein hat der Unionsverlag da wieder aufgelegt: Karel Capek hat beschrieben, wie ein Theaterstück entsteht, und ich bin nicht gleich draufgekommen, dass er dies vor beinahe 90 Jahren getan hat.

Ich habe selbst Theatererfahrung und kann sagen, dass sich vor allem im zwischenmenschlichen Bereich nicht viel verändert hat. Immer noch soll „Herr E auf die männliche Hauptrolle verzichten, weil Herr F sie bekommen muss, den man neulich um die Rolle des Hamlet gebracht hat, um die er sich bemüht hatte, die damals aber Herr G erhielt.” Immer noch merkt man den Premieren nicht an, dass es beinahe an ein Wunder grenzt, dass sie überhaupt stattfinden.

Das Theaterhandwerk und seine Geheimnisse

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Capek ging es weniger um die künstlerische Aneignung von Texten und Rollen als um „das Theaterhandwerk und seine Geheimnisse”. Von der Warte eines Autors aus begleitet er den (wie gesagt: handwerklichen) Prozess des Inszenierens, und dann nimmt er seine LeserInnen bei der Hand und führt sie hinter die Kulissen, in die Intendanz und in die Dramaturgie („Tiefe, geradezu erfrischende Langeweile inmitten der turbulenten Theaterfabrik“), in die Garderoben des Ensembles und zum Inspizienten. Wir betreten die Schneiderei („Die Gewandabteilung ist überzeugt, dass sie den Schauspieler macht“), die Maske („Ähnelt einer melanesischen Menschenfresserhöhle oder einem Indianerwigwam“), die Requisitenkammer („Die realistischen Stücke sind die ,schweren Stücke‘“) usw.

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Und mag sich auch technisch vieles verändert haben, so geht es dort überall immer noch genauso zu wie um 1925. Zum Beispiel bei den Feuerwehrleuten.

Die Feuerwehrleute stehen gleich hinter dem Portal, genau dort, wo sie am meisten im Weg sind. Sie wirken düster und ernst und lachen und weinen nicht; aber sobald auf der Bühne eine ungeschützte Kerze brennt oder ein Schauspieler sich eine Zigarette ansteckt, verfolgen sie das Feuerspiel mit gespanntem Interesse, bereit, mit gezückter Axt auf die Bühne zu stürzen.

Ein vergnügliches und scheinbar zeitloses Brevier.

Von Werner Schuster

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Karel Capek (1890-1938) hat wie kein anderer tschechischer Schriftsteller die geistigen Tendenzen der zwanziger und dreißiger Jahre seines Landes in seinem Werk gespiegelt, auch die politischen und kulturellen Bedrohungen. Capek war ein äußerst vielseitiger Autor: Er schrieb phantastische, satirische und philosophische Romane, und er war in der großen wie in der kleinen Form sowie in der Dramatik zu Hause.

Mehr über Karel Capek bei Wikipedia.

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