15/06/2012von 445 Views – 0 Kommentare

Mars, Kettly: Wilde Zeiten

KurzkritikWas meinen Sie?Infos

Buchcover Mars Wilde Zeiten
  • Roman
  • Taschenbuch
  • 216 Seiten
  • Erschienen 2012 bei litradukt
  • Aus dem Französischen von Ingeborg Schmutte
  • Originalausgabe: „Saisons Sauvages”, 2010

Inhalt:

Haiti zu Beginn der Sechzigerjahre: Um ihrem inhaftierten Mann zu helfen, lässt die schöne Mulattin Nirvah sich auf eine Affäre mit dem Staatssekretär Raoul Vincent ein. Nach und nach ergreift der Emporkömmling Besitz von ihr und ihren Kindern und wird zur Metapher für die Herrschaft der Duvalier Diktatur über ein gelähmtes Land. Eine intimistische Schilderung von Situationen, in denen Gewissheiten und die Begriffe von Gut und Böse zerfallen, und zugleich ein spannender Politthriller. (Pressetext)

Kurzkritik:

Dies ist quasi ein Insider-Bericht, auch wenn „Wilde Zeiten“ nicht autobiografisch ist. Mit „Wilde Zeiten“ hat Kettly Mars jedenfalls einen packenden Roman über das Leben in einer Diktatur geschrieben.

Mars holt uns gleich zu Beginn mitten ins Geschehen in Haiti zu Beginn der Sechzigerjahre: Nirvahs Ehemann Daniel ist als Journalist gegen Papa Doc aufgetreten und wurde verhaftet. Sie weiß nicht, ob er noch am Leben ist. In ihrer Verzweiflung sucht sie den Staatssekretär Raoul Vincent auf. Der verspricht ihr zu helfen, weil er sie begehrenswert findet.

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Er hält sie mit spärlichen Informationen über Daniel hin, während er die staubige Straße, in der sie wohnt, asphaltieren lässt und ihr teure Geschenke macht. Während sie seine Geliebte wird, findet Nirvah ein Tagebuch Daniels und erfährt so, dass er auch im Widerstand tätig gewesen ist.

Die sexuelle Komponente der Macht

Bald glaubt sie nicht mehr daran, dass sie Daniel jemals wiedersehen wird. Und als sie dahinter kommt, dass der Staatssekretär sowohl ihre Tochter als auch ihren Sohn verführt hat, beschließt sie mit ihren Kindern zu fliehen.

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Dies wird abwechselnd aus der Sicht von Nirvah und des Staatssekretärs erzählt, eingeschoben sind Auszüge aus Daniels Tagebuch. Auch indem Mars den Focus stark auf die sexuelle Komponente der Macht legt, gelingt es ihr, das anormale Leben in einer Gewaltherrschaft aus unterschiedlichen Perspektiven einzufangen.

Ein beeindruckendes und aufwühlendes Buch.

Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Kettly Mars, geboren 1958 in Port-au-Prince, Haiti erhielt eine klassische Bildung und arbeitete als Verwaltungsangestellte. Ab den 90er Jahren wurde sie in Haiti als Lyrikerin bekannt. Als Prosaautorin machte sie sich durch die Romane „Kasalé“ (2003) und „L‘heure hybride“ (2005) einen Namen. Das Zweideutig-Unbestimmte, das in diesem Titel zum Ausdruck kommt, kennzeichnet auch ihren 2008 erschienenen Roman „Fado“. In Deutschland wurde sie durch ihren Artikel über das Erdbeben in Haiti bekannt („Ich habe überlebt“, Die Zeit vom 21.1.2010).

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