Auster, Paul: Mann im Dunkel

8. Okt. 2008 | von

BuchcoverRoman
Aus dem Englischen von Werner Schmitz
Hardcover: Rowohlt, 2008
(„Man in the Dark“, Henry Holt, 2008)

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Wenn schon, denn schon

Es gibt immer ein erstes Mal und so ist „Mann im Dunkel“ der erste Roman, den ich von Paul Auster gelesen habe. Er hat mir nicht Lust auf mehr gemacht, auch wenn mir (im „Standard“) gesagt worden war, dass bei diesem Autor stets das Erzählen statt des Erzählten im Vordergrund steht.

Dabei hat alles so gut angefangen, und zwar mit Seite 1. „Mann, kann der schreiben!“, hab ich mir gedacht. – Ein alter Literaturkritiker lebt gemeinsam mit seiner Tochter und deren Tochter – alle schlafen allein. Der Mann der Enkelin ist im Irak ums Leben gekommen, Tochter und Ex-Schwiegersohn haben sich getrennt, die Frau des Kritikers ist vor kurzem gestorben.

Er kann nicht schlafen und denkt sich in den Nächten Geschichten aus. So etwa die, derentwegen ich diesen Roman lesen wollte: Ein Mann erwacht in einem Amerika, in dem es kein 9/11 gegeben hat. Stattdessen befindet sich das Land in einem Bürgerkrieg.

Nun hat Auster aber anscheinend kein Interesse daran, dass sich die LeserInnen in die Story hineinversetzen, sondern unterbricht deren Handlungsstrom immer wieder, um über den zu schreiben, der sich diese Geschichte ausdenkt, und ungefähr in der Hälfte des Buches lässt er diese jäh enden und die Enkelin ins Bett des Großvaters schlüpfen, damit ihr dieser Konkretes von seiner Ehe berichte.

Ich habe im Prinzip nichts dagegen, dass KünstlerInnen die Umstände und Bedingungen ihrer Kunst öffentlich machen oder gar in diese hineinweben, doch im vorliegenden Fall ist mir die „Rahmenhandlung“ zu rührselig und die Bürgerkriegs-Story eine in sich nicht logische Fantasy. Wenn man so will, hat Austers Verfremdungseffekt bei mir so große Distanz zum Geschriebenen hervorgerufen, dass mich dieses nicht mehr interessiert hat. Und die Methode war jetzt auch nicht so raffiniert angewandt, dass ich ihretwegen in Erstaunen versetzt worden wäre.

Und so denke ich mir zu Auster vorerst: Wenn schon Chaos, dann richtig (wie etwa Achternbusch), und wenn schon Raffinement, dann aber wirklich.

Von Werner Schuster

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Über Paul Auster bei Wikipedia,
mehr von Rowohlt bei „Eselsohren“.

Kategorie: Romane & Erzählungen | Schlagwörter: ,

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