Zier, O. P.: Tote Saison

25. Sep. 2007 | von

Residenz
(2007)

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Sittenbild

Bertrand Russell hat über Aldous Huxleys “Brave New World” gemeint, “It is all too likely to come true”, und bei der Lektüre von O. P. Ziers “Tote Saison” ist mit immer wieder eingefallen, “It is too likely to BE true”.

Denn das politische Bild, das der Salzburger Schriftsteller von seinem Heimatland zeichnet, erinnert an Zeiten tiefster Parteibuchwirtschaft, die ich – in dieser Dimension zumindest – als vergangen erachtet habe. Wie eifrig da an die Macht gedrängt wird, wie unglaublich selbstverständlich diese Macht zu ihrem Erhalt und für sonstige persönliche Vorteile missbraucht wird! Und was für ein erbärmliches Los jene erwartet, die da nicht mitspielen wollen.

Zier packt dieses Sittenbild aus der Provinz in einen Kriminalfall: Die Kulturpolitikerin Barbara Lochner wurde ermordet, jede Menge Indizien sprechen gegen den Ich-Erzähler Werner Burger selbst, aber so viele hätten viel mehr Gründe gehabt, sie umzubringen.

Hinter einer spannenden “Whodunit”-Ebene zeigt Zier, dass Globalisierung und EU-Beitritt der österreichischen (politischen) Mentalität (noch) nicht viel anhaben konnten. Und dadurch, dass sich der Fall Lochner nicht in höchsten Kreisen ereignet, die man bloß vom Hörensagen kennt, sondern sich quasi mitten unter den LeserInnen abspielt, kommt einem das alles sehr bekannt vor. Man will es vielleicht nicht wahr haben, wie sehr einem der Protektionismus auf Schitt und Tritt begegnet, aber von einem Buch wie “Tote Saison” lässt man sich “gerne” wieder daran erinnern.

Von Werner Schuster

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Über O. P. Zier bei Wikipedia,
mehr von Residenz bei “Eselsohren”.

Kategorie: Romane & Erzählungen | Schlagwörter:

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