Canon, James: Der Tag, an dem die Männer verschwanden

30. Mai. 2008 | von

BuchcoverRoman
Aus dem Amerikanischen von Sky Nonhoff
Hardcover: Ullstein, 2008
(“Tales from the Town of Widows & Chronicles from the Land of Men”, HarperCollins, 2007)

Haben Sie dieses Buch gelesen? Bewerten Sie es mit nur einem Klick!
schlechthalbwegsmittelgutsehr gut (Noch keine Bewertung)
Loading ... Loading ...

Eine freudvolle Alternative

Dieser Roman ist eine Entdeckung – mit kleinen Einschränkungen: Guerillakämpfer verschleppen sämtliche Männer eines kolumbianischen Dorfes, das diese bis dahin dominiert haben. Die Frauen sind anfangs wie gelähmt und lassen das Dorf verkommen, doch nach einem schrecklichen, kathartischen Erlebnis organisieren sie gemeinsam ihr Überleben und führen schließlich eine Art Matriarchat ein, das James Canon nicht als Paradies auf Erden, aber doch als (arbeits- und) freudvolle Alternative zu patriarchalen Strukturen schildert. – Parallel dazu beschreibt er das Leben von Männern im Bürgerkrieg außerhalb dieses Dorfes.

Er tut dies mit einer hinreißenden Erzählfreude, welche die Personen und Geschehnisse sehr plastisch darstellt, – und mit einem magischen Realismus, bei dem allerdings das Realistische überwiegt, sodass für mich manche magische Episode unglaubwürdig bleibt. Vor allem das wohl als Wendepunkt gemeinte Kapitel “Die Heimsuchung von Mariquita”, in welchem vier jungen Männern, die den Guerillas einst zu jung waren und jetzt zur Nachwuchssicherung herangezogen werden sollen, über Nacht die Zeugungsfähigkeit unter höchst sonderbaren Umständen abhanden kommt.

Auch ist der Roman nicht souverän aufgebaut (– was man von einem Erstling allerdings auch nicht ernsthaft verlangen kann), die einzelnen Kapitel verweisen manchmal zu wenig aufeinander und viele der in diesen Kapiteln angerissenen Themen ziehen sich nicht durch den Roman, sondern tauchen an späterer Stelle eher unvermittelt wieder auf. So wird man etwa auf das In-Kraft-Treten “kommunistischer” Eigentumsverhältnisse im Kapitel 11 nicht vorbereitet – auch wenn das Thema “Privat- versus Gemeinschaftseigentum” im 5. Kapitel (“Die Witwe, die ein Vermögen unter ihrem Bett fand”) am Rande behandelt wird. Und die Einführung einer weiblichen Zeitrechnung in Kapitel 10 kommt überhaupt wie aus heiterem Himmel.

Doch von mir aus sind das Beckmessereien, die mein Vergnügen an diesem Buch so gut wie gar nicht getrübt haben. Und meine kritischen Anmerkungen bedeuten nicht, dass ich den zweiten Roman von James Canon nicht freudig erwarte.

Von Werner Schuster

Haben Sie dieses Buch gelesen? Bewerten Sie es mit nur einem Klick!
schlechthalbwegsmittelgutsehr gut (Noch keine Bewertung)
Loading ... Loading ...

Der Tag, an dem die Männer verschwanden bei Amazon.

Über James Canon auf seiner Homepage,
mehr von Ullstein bei “Eselsohren”.

Kategorie: Romane & Erzählungen | Schlagwörter: ,

Schreiben Sie einen Kommentar

Trackback URL | RSS Feed für diesen Beitrag