31/03/2011von 2.000 Views – 1 Kommentar

Depner, Hanno: Kant für die Hand

Buchcover Depner Kant für die Hand
  • Hardcover
  • 48 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Knaus
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Inhalt:

Kants „Kritik der reinen Vernunft“ ist ein Meisterwerk der Philosophie, seit Erscheinen 1781 auf den Lektürelisten von Generationen von Gebildeten. Und leider auf Anhieb kaum zu verstehen. Deshalb empfiehlt es sich, zuerst eine Einführung zu lesen. Oder sich selbst eine zu basteln. Der Bausatz „Kant für die Hand“ des Philosophen Hanno Depner ermöglicht einen überraschenden und einzigartigen Zugang zu einem Hauptwerk der Geistesgeschichte.

Kurzkritik:

Vielleicht sollte man Depners Buch ab sofort im Unterricht verwenden. Ich zumindest habe innerhalb von sechs Stunden in etwa begriffen, warum Kant die Vernunft „kritisiert“ hat (mit „Kritik“ ist eine kritische Untersuchung gemeint) und was dabei herausgekommen ist.

„Kant für die Hand“ besteht aus einem leicht verständlichen theoretischen Teil – und einem Bastelbogen. Ja! Mit diesem Buch kann man sich einen Würfel basteln, der die „Kritik der reinen Vernunft“ veranschaulicht.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Spaß mit Immanuel Kant

Ich kenne nur zwei Reaktionen auf dieses Buch: Begeisterung und Unverständnis. Ich gehöre zu den Begeisterten.

Denn ich habe mich bisher gescheut, gewissermaßen in die Nähe von Immanuel Kant zu kommen. Sicher habe ich in der Schule von transzendentaler Logik, synthetischen Urteilen a priori und von Phänomena und Noumena gehört, wahrscheinlich wurde mir das als etwas präsentiert, das ich niemals auch nur annähernd verstehen könnte.

Kritik basteln

Vielleicht sollte man Depners Buch ab sofort im Unterricht verwenden. Ich zumindest habe innerhalb von sechs Stunden in etwa begriffen, warum Kant die Vernunft „kritisiert“ hat (mit „Kritik“ ist eine kritische Untersuchung gemeint) und was dabei herausgekommen ist.

„Kant für die Hand“ besteht aus einem leicht verständlichen theoretischen Teil – und einem Bastelbogen. Ja! Mit diesem Buch kann man sich einen Würfel basteln, der die „Kritik der reinen Vernunft“ veranschaulicht.

Beides hat mich fasziniert: Zum einen endlich über ein grundlegendes Werk grundsätzlich Bescheid zu wissen (bis heute unterscheidet man, so Depner, „mit ,vorkantianisch‘ und ,nachkantianisch‘ zwei geistesgeschichtliche Epochen“), zum anderen der aberwitzige Versuch, Philosophie mittels Bastelarbeit begreifbar zu machen.

Kritik übersetzen

Depner „übersetzt“ die Fachbegriffe und Wörter, deren Bedeutung vom alltäglichen Sprachgebrauch abweicht, und gibt erläuternde Beispiele (worauf Kant in seinem über 850 Seiten langen Buch verzichtet hat). Man bekommt so eine jeweils kurze Einführung in die transzendentaler Ästhetik, Analytik, Dialektik und so weiter und eine – für Ungeübte – schwierig zu bewerkstelligende Aufgabe für Hirn und Feinmotorik.

Und jetzt bilde ich mir nicht nur ein, endlich auch persönlich in die nachkantianische Epoche eingetreten zu sein, – ich habe sogar den Würfel ziemlich gut hinbekommen. Und ich hatte dabei viel Spaß:

Text von Werner Schuster,
Video „Eselsohrenbuchbesprechung“ von Flora Schuster


Mehr Infos:

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Autor:
Hanno Depner, 1973 in Kronstadt geboren, studierte Philosophie und Literaturwissenschaft in Berlin und Norwich/England. Er leitete fünf Jahre lang das Lektorat des Internationalen Literaturfestivals Berlin, schreibt derzeit für Kulturinstitutionen sowie Print- und Onlinemedien und lebt in Berlin. Aus Leidenschaft für die großen Gedankengebäude der Geistesgeschichte erfand und entwickelte er sein erstes Buch „Kant für die Hand“.

Mehr über Immanuel Kant und „Die Kritik der reinen Vernunft“ bei Wikipedia.

Mehr von Knaus bei den Eselsohren.

1 Kommentar zu "Depner, Hanno: Kant für die Hand"

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  1. Marius Eder sagt:

    Ich wollte während des Bastelns eigentlich Fotos machen und einen ausgewachsenen BAubericht auf Facebook stellen. Allerdings muss ich gestehen, dass mich nach ein paar Seiten der Bastelwahn übermannt hat und ich die Begleitlektüre weitestgehend überblättert hab.

    Das Würferl hat mir aber (beim Bau und auch danach beim “So, was hab ich da jetzt eigentlich gebastelt?…”) schon so manches Verständnis für den alten Manni ermöglicht, muss mir in Bälde UNBEDINGT auch den Rest einverleiben.

    Basteltechnisch war’s – nunja – interessant:
    Ich habe in meinem Leben schon so manches Kartonmodell gebaut, bin also in Sachen Kartonbau nicht ganz “unvorbelastet”.
    Sehr gefreut hab ich mich über die optische und haptische Hochwertigkeit des Kartons. Leider war er halt schon vorgeschnitten (was aber für die meisten Käufer wohl eher ein Vorteil sein wird).
    Passgenauigkeit – hm – passt. Hinreichend zumindest.
    Das Material ist wegen seiner Dicke oft ein bisserl störrisch (weil steif), lässt sich aber mit sanfter (!) Gewalt zu so manchem “Stunt” überreden. Ich hoff nur, dass sich die Steifheit des Kartons nicht negativ auf die Klebestellen auswirkt (z’weng’s der Spannung warat’s nämlich). Zum “Nachkleben” eignet sich das fertige Ding nämlich nur sehr beDINGt. (Ha. Ha. Ha.)

    Ich war ein paar Mal schon recht froh, dass ich schon “ein paar” Kartonmodelle gebaut hab. Falz- und klebetechnisch um die Ecke zu denken bin ich von diversen Flugzeugen, Häusern und Teddybären (!) schon gewohnt (Oder heißt das “g…ewöhnt”? Fix, des is ma jetzt wuascht!), von daher hatte ich keine Probleme mit der Anleitung.

    Ein oder zwei Mal hab ich mich aber schon gefragt, ob diesen oder jenen Schritt auch ein blutiger Anfänger derwutzeln würd (vor allem bei diesen “Transzendentalitäts-Fransen”, die oben raus schauen).

    Optisch und haptisch ist auch das fertige Würferl eine wahre Freud, macht sich echt gut auf’m Wohnzimmertisch und verleitet immer wieder zum In-die-Hand-nehmen.

    Zur Basteldauer kann ich nur bedingt Auskunft geben: Gebraucht hab ich bis kurz bevor’s Essen fertig war :-D
    In Zeiteinheiten kann ich’s nur grob schätzen. Aber die drei Stunden klingen realistisch, das müsste ziemlich genau hinkommen.

    Fazit: Kant für d’Hand ist auf alle Fälle einen Versuch wert. Kost’ ned viel, schaut gut aus und macht Spass UND g’scheit.

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