Jandl, Ernst: Die Bearbeitung der Mütze
Luchterhand
von einen sprachen
Wird Ernst Jandl außer von Germanistik-StudentInnen noch gelesen? Immerhin war er einmal so etwas wie ein Dichter-Star, anders gesagt: der meistgelesene und meistgehörte Autor experimenteller Literatur im deutschsprachigen Raum. Und seine Lesungen wurden – nicht zuletzt wegen seiner prägnanten Vortragsweise – gestürmt.
Falls man an ihn erinnern muss, hier ein Buch für Einsteiger: In “die bearbeitung der mütze” sind Gedichte enthalten, die viele wohl für Jandls Stil gehalten haben: verdrehte Sprache (“von zeiten”*), witzig (“das fanatische orchester”**), manchmal obszön (“von frauen”***).
Gewiss, man findet darin auch “aktionsgedichte”, die an die früheren Lautgedichte erinnern, aber ich denke, Jandl war für etwas berühmt und beliebt, was nur einen Teil seines Schaffens ausgemacht hat. Für “wien: heldenplatz” etwa oder das immer wieder zitierte “die rache der sprache/ist das gedicht”.
Wem die “mütze” zusagt, der kann etwa bei “dingfest” und “der gelbe hund” in Ähnlichem schwelgen oder in den “stanzen” im späten, abermaligen “Anwerfen des Dichter-Motors”. Oder bei “Andere Augen” nach Jandl lyrischen Anfängen forschen. – Oder sich seiner “Hardcore”-Phase zuwenden: von “Laut und Luise” bis “flöda und der schwan”. Doch davon ein andermal.
* sein das heuten tag sein es ein scheißen tag
** der dirigent blickt nach oben/das orchester rast gegen himmel
*** nichts können sein besseren einen mann denn onaniste, der lassen/allein denen frauen ihneren stinkenden futten
Von Werner Schuster
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Über Ernst Jandl bei Wikipedia.









