05/12/2010von 828 Views – 2 Kommentare

Sonnenschein

Das ist keine bezahlte Anzeige und ich bekomme auch sonst keine Vergünstigungen. Dies zu schreiben, ist mir vielmehr ein Anliegen.

Liebe LeserInnen,

meine Lieblings-Zeitschriften sind das GEA-Album und der „Brennstoff“. Ich freue mich jedes Mal, wenn diese mit der Post kommen. Keine andere Firma legt mir dermaßen sympathisch nahe, ihre Produkte zu kaufen.

Gleichzeitig geben mir keine anderen Print-Produkte das Gefühl, dass man das Rat Race nicht mitspielen muss und trotzdem wirtschaftlich erfolgreich sein kann.

GEA steht nicht nur für ökologische Produkte. Geschäftsführer Heini Staudinger hat nicht nur eine Schuhfabrik zu einer Zeit eröffnet, als die Schuhproduktion allgemein in für die Produktion günstigere Länder ausgelagert wurde. Er hat dies nicht nur im schönen Waldviertel mit seinen vielen PendlerInnen und seiner hohen Arbeitslosenrate getan. Seine wachsende Firma (es werden auch Möbel und anderes angeboten) gibt sich – davon bin ich überzeugt – nicht nur zu Marketingzwecken einen menschlichen Touch. GEA ist allem Anschein nach ein Betrieb, in dem es – trotz Erfolgs und Expansion – menschlich zugeht, vom Einkauf über die Fertigung bis zum Verkauf.

„Mit jedem/r muss man nicht“

Herr Staudinger kann immer noch davon überzeugt sein, dass „profit“ nicht „over people“ stehen muss, und das teilt er mir regelmäßig mit dem Album und dem „Brennstoff“ mit.

Zum Tee-Geschenk-Set-Abverkauf heißt es zum Beispiel, „Wir wissen, dass diese Sets zu diesem Preis sofort weg sein werden. Bitte gleich … und sonst bitte nicht ärgern. Wir werden ganz sicher nicht nachbestellen, denn wir wollen mit diesem arroganten Lieferanten nicht mehr. Die Ware ist super, er, der Herr Lieferant ist … (Lebensweisheit: ,Mit jedem/r muss man nicht‘).“

„Wir brauchen LehrerInnen und ProfessorInnen mit Herzenskompetenz“

Über die Bulgarische Schafwolldecken erfährt man: „Der Wiener Universitätsprofessor Peter Filzmoser zeigte uns die Schafwolldecken aus Belozem, einem Dorf in Zentralbulgarien, wo es neben drückender Arbeitslosigkeit und hungernden Kindern gar nichts gibt – außer dieser kleinen Wolldeckenerzeugung. Dort fertigen sie in einzigartiger Technologie so starke Schafwolldecken, dass der Winter ruhig kommen kann. Sie sind so dick gewoben, dass man sie sogar als Teppich verwenden kann. Warum schreib ich das so ausführlich? Weil ich es super finde, dass sich ein Universitätsprofessor für die Menschen in Belozem einsetzt. Oft bin ich entsetzt, wohin diese superausgebildete Schicht der Manager die Welt gebracht hat und … Drum brauchen wir LehrerInnen und ProfessorInnen mit Herzenskompetenz. Denn ohne Herzensbildung wird Ausbildung schnell zur gefährlichen Einbildung. Danke, Peter!“

Außerdem gibt es Gedichte und kleine Geschichten zu lesen, die manche Leute als „gutmenschentümlich“ bezeichnen würden. Und: sie sind es ja auch.

So wie das Editorial vom letzten „Brennstoff“:

Ich bin in Schwanenstadt in einer Familie mit fünf Kindern aufgewachsen. Meine Eltern hatten ein kleines Geschäft. Es gab dort alles. Körbe, Sensen, Kuhketten, Nägel, Lebensmittel, einfache Kleidung. Alles, was man braucht. Das Geschäft war mehr als ein Geschäft. Es war Lebensraum für die Eltern, die Großmutter, die Kinder und die Kunden.« So schrieb ich das vor etwa 10 Jahren ins Heftl zum 20jährigen GEA-Jubiläum.
In unserer Nachbarschaft wimmelte es von Kindern. Neben den Erlebnisräumen mit Eltern und Erwachsenen (Nachbarhäuser und Werkstätten waren offen) gab es viele Räume, wo wir Kinder unter uns waren. „Um ein Kind zu erziehen braucht es ein ganzes Dorf“, sagt ein afrikanisches Sprichwort. In meiner Kindheit war das so. Dafür danke ich dem Himmel.
Nun, gut 50 Jahre später, gibt es in unserem Teil der Welt dramatisch wenige Kinder. Kinderreichtum gibt’s in den ärmeren Gegenden dieser Welt. Obwohl wir hier reich sind, kippen immer mehr kinderreiche Familien und alleinerziehende Mütter in die Armut.
Steve Biddulph schreibt in seinem Buch „Das Geheimnis glücklicher Kinder“ (siehe Seite 20): „Unter dem Aspekt der Lebensfreude gesehen, ist die Situation in den reichen Ländern echt triste. Denn in unseren Breiten hat das Unglücklichsein fast epidemische Ausmaße angenommen.“ Er appelliert an die große Bedeutung der Freude in allen menschlichen Beziehungen, besonders im Zusammenleben mit Kindern. Kinder haben, neben vielen anderen Potentialen, auch das Potential, Sonnenschein zu sein.
An das wird Jesus wohl gedacht haben, als er meinte, „wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen“. Kinder sind weltoffen, neugierig, sie sind immer lernbereit und für Veränderungen offen. Fast immer sind sie an Gemeinschaft interessiert und lassen sich gern zum Lachen bringen. Geld interessiert sie normalerweise nicht. Sie wollen den Himmel auf Erden. Den Himmel jetzt.
Das ist der einzig interessante Wegweiser.

Das meint im Ernst
Ihr
Heini Staudinger

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Advent
– und natürlich Zeit zum Lesen
Werner Schuster


Infos:

Radio-Niederösterreich-Interview mit Heini Staudinger (mp3)

GEA (inklusive Links zum letzten Album und zur „Brenntstoff“-Site)

2 Kommentare zu "Sonnenschein"

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  1. heini staudinger sagt:

    werner schuster,

    danke danke, du hast da ja wahnsinnig sympathisch über uns geschrieben. super.

    herzlich,

    dein heini

    • Brigitte sagt:

      jo, die gea-post find ich auch super. eine freundin von mir schwört übrigens seit jahren auf die schuhe aus dem waldviertel. „die san wie patschn, sowas von bequem, wenn du die einmal angehabt hast, ziehst keine anderen mehr an”. letzte woche war ich dann einmal mit ihr im geschäft, mehr wegen der bunten decken und socken denn wegen der schuhe, hab aber dennoch – nur mal so, und weil sie sehr schick aussahen, und weil die athmoshäre so einladend war, und weil man nie genug schuhe haben kann – ein paar probiert. und was soll ich sagen? sie hat recht. eindeutig.

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