10/05/2010von 747 Views – 0 Kommentare

Schmidt-Dengler, Wendelin: Bruchlinien

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Erschienen 2010 bei Residenz.
Inhalt:

Die österreichische Nachkriegsliteratur von Ilse Aichinger bis Christoph Ransmayr in beispielhaften Interpretationen ihrer wichtigsten Werke Nie wurde der Zusammenhang von österreichischer Identität und österreichischer Literatur so augenfällig wie nach 1945. Und niemand hat diesen Zusammenhang zwischen Literatur und den mentalitätsgeschichtlichen und politischen Rahmenbedingungen, unter denen sie entstanden ist, so deutlich herausgearbeitet wie Wendelin Schmidt-Dengler. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wendelin Schmidt-Denglers „Vorlesungen zur österreichischen Literatur 1945 bis 1990“ sind auch mehr als ein Nachschlagewerk mit Interpretationen, sie zeigen relativ leicht verständlich, mit welcher Leidenschaft über Literatur (wissenschaftlich) nachgedacht und gesprochen werden kann.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Schlag nach bei Schmidt-Dengler

Nicht nur ehemaligen (Wiener) Germanistik-StudentInnen, die sich anhand dieses Buches an Wendelin Schmidt-Dengler erinnern, hat der Residenz-Verlag mit dieser Publikation eine Freude gemacht (siehe auch hier). Wendelin Schmidt-Denglers „Vorlesungen zur österreichischen Literatur 1945 bis 1990“ sind auch mehr als ein Nachschlagewerk mit Interpretationen, sie zeigen relativ leicht verständlich, mit welcher Leidenschaft über Literatur (wissenschaftlich) nachgedacht und gesprochen werden kann.

Grundsätzlich ging Schmidt-Dengler den Fragen nach, ob es denn überhaupt so etwas wie eine österreichische Literatur gibt und, wenn ja, worin sich diese von der Literatur aus Deutschland und der Schweiz unterscheidet. Eine eindeutige Antwort auf diese – und andere – Fragen wird man in diesem Buch nicht bekommen, aber so nahe wird man an eine solche Eindeutigkeit nirgendwo sonst herangeführt werden.

Die Widerholung

Und selbst wenn jemandem das Wesen der österreichischen Literatur an sich gleichgültig ist, so wird er oder sie kaum wo so viel über die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene in Erfahrung bringen können. Das betrifft auch das politische, kulturpolitische Umfeld sowie die Verlags- und Literaturzeitschriften-Landschaft in dieser Zeit, aber vor allem die AutorInnen und ihre Werke.

Nehmen wir als Beispiel Handkes „Die Wiederholung“ (1986). Schmidt-Dengler: „– nach dem Erscheinen des Buches ,Das Gewicht der Welt‘ (1977) war eines klar: Handke hat mit der Avantgarde, mit einer Poesie, die der Natur ihr Kunstprodukt als Konstruktion nicht nur gegenüber-, sondern hartnäckig entgegenstellt, nichts im Sinn. (–) dass jene radikale Sprachskepsis, mit der Handke früher (vor allem im ,Kaspar‘) operierte, sowie der Versuch, das Erzählen förmlich zu demolieren, überhaupt nicht mehr angesagt ist.“

Eine ganz andere Seinserfahrung

Schmidt-Dengler meint, „die ,Wiederholung‘ als ein Werk über das Erzählen zu lesen, womit ich freilich nicht vorgeben will, ich hätte damit auch annähernd dessen Substanz ausgeschöpft“. Die Hauptleistung Handkes ist für ihn: „Es wird keine Kausalität suggeriert. Wer auf Kausalität verzichtet, erzeugt – mythische – Evidenz, und Handkes Prosa will von solchen Evidenzphänomenen, von solchen Epiphanien leben, die auf eine ganz andere Seinserfahrung hinweisen, als sie jener Diskurs herstellt, der sich rational gibt.“

Und: „Handke preist Jugoslawien, obwohl es ein ,Mangelland‘ ist (–): Es ist ein Land, in dem offenkundig, wiederum durch eine Form der Epiphanie, eine ganz neue Einstellung, eine sehr positive, zum Leben erkennbar und fühlbar wird. Und dies ist, bei allem Respekt, der Punkt, an dem doch die Kritik einsetzen kann. (–) Es ist die Geste des Verfluchens, des Segnens – das sei jedem unbenommen. Aber in solchen Texten wirkt dies – und diesem Eindruck kann zumindest ich mich nicht entziehen – leicht komisch. (–) Dafür ist die Tracht des Propheten zu modern.“

Von Hochwälder bis Kofler

Wem das gefällt: Zwischen 1982 und 1994 hat Schmidt-Dengler außerdem Werke von folgenden AutorInnen ausführlich besprochen: Hochwälder, Aichinger, Doderer, Lebert, Bachmann, Artmann, die Wiener Gruppe, Gütersloh, Bernhard, Haushofer, Bauer, Innerhofer, Canetti, Wolfgruber, Jandl, Roth, Jelinek, Haslinger, Fritz, Mayröcker, Ransmayer und Kofler.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Wendelin Schmidt-Dengler bei Wikipedia.

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Literaturmagazin Eselsohren – 

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