18/05/2012von 724 Views – 0 Kommentare

Nohr, Karin: Herr Merse bricht auf

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Buchcover Herr Merse bricht auf von Karin Nohr
  • Roman
  • Hardcover
  • 288 Seiten
  • Erschienen 2012 bei Knaus

Inhalt:

„Zwei Bläser, das konnte ja nicht gut gehen“ – diese Erklärung seiner Exfrau, einer Flötistin, sitzt dem Hornisten Ingo Merse auch drei Jahre nach der Scheidung wie ein Dorn im Fleisch. Irritierend auch, warum ihm Dagmar beim Auszug Musils »Der Mann ohne Eigenschaften« überließ. Als Beleidigung? Zur Erklärung? Jetzt verbringt Herr Merse eine Sommerwoche in der Ferienwohnung seiner älteren Schwester auf Sylt. Beharrlich verfolgt er seine Urlaubsprojekte: Einstudieren des Brahmsschen Horntrios, Lektüre des Musil-Romans, Ausschleichen aus seiner Tablettenabhängigkeit. Bis am ersten Sonnentag Annemarie Luner vor seinem Strandkorb erscheint – mit ihrem vagen Lächeln, ihrer langen Narbe am Oberschenkel und der Bitte, auf ihren kleinen Sohn aufzupassen. Herr Merse gerät in einen Liebesstrudel und ringt verzweifelt um Überblick. (Pressetext)

Kurzkritik:

Ohne sich über ihn lustig zu machen beschreibt Karin Nohr diesen ein wenig lächerlichen Mann. Nur dass er mit Johannes Brahms persönlich spricht, war mir ein bisschen zu viel.

Werner gibt  ★★★½☆  (3,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Männlich, geschieden, depressiv

Ich sehe sie vor mir, die Männer, die in Kaffeehäusern und Bars an der Theke stehen und so tun, als könnten sie jede Frau kriegen. Vor Sperrstunde machen sie sich noch an die Kellnerinnen ran und wenn es mit denen auch nicht klappt, dann gehen oder wanken sie alleine nach Hause.

Sie unterscheiden sich nur äußerlich von Karin Nohrs Herrn Merse. Der hängt halt nicht in Kaffeehäusern ab. Der hat – wie viele der oben Beschriebenen – eine Trennung nicht verkraftet, aber er tut nicht so, als sei ihm das egal. Er hat es sich in Niedergeschlagenheit und Tablettensucht gerade noch erträglich eingerichtet, geht ansonsten seinem Beruf nach (er ist Hornist) und fährt jedes Jahr in die Ferienwohnung seiner Schwester nach Sylt.

Mit Musil und Tagebuch

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Dort ist er zu Beginn des Romans gelandet und hat beschlossen, seine Antidepressiva abzusetzen. Mitgenommen hat er außer seinem Horn den „Mann ohne Eigenschaften“, den ihm seine Frau bei ihrem Auszug dagelassen hat. Dann lässt er sich auch noch ein Tagebuch seiner Frau nachschicken, das er ihr dereinst gestohlen hat, und entdeckt darin etwas Niederschmetterndes.

Und er begegnet Frau Luner, einer Alleinerzieherin. Er ist ihr sympathisch – auch weil er auf ihre Kinder aufpasst und mit ihren spielt –, und beide erzählen einander aus ihrem Leben. Er verhält sich wie ein romantischer Halbwüchsiger und malt sich schon eine Beziehung aus, während sie nicht einmal in ihn verliebt ist.

Da taucht seine Schwester samt Ehemann auf und vertreibt ihn aus der Wohnung, woraufhin er – Sylt ist ausgebucht – wild am Strand kampiert. Was tut man nicht alles für die Liebe!

Tipps von Brahms

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Ohne sich über ihn lustig zu machen beschreibt Karin Nohr diesen ein wenig lächerlichen Mann. Manches in diesem Roman wirkt auf mich zu gewollt. Dass Herr Merse mit dem „Mann ohne Eigenschaften“ „Bibelstechen“ spielt und die Stellen, die er zufällig aufschlägt, auf sich bezieht, mag ja noch angehen. Aber dass er mit Johannes Brahms persönlich spricht, war mir denn doch zu viel. (Er hat sich in der Inselbücherei zwei Bände über den Komponisten ausgeborgt, und dieser gibt ihm nun Tipps, unter anderem wie Herr Merse seine Frau Luner am besten von sich überzeugen könne.)

Mit oder ohne Brahms: Kann das gut ausgehen? Oder wird Herr Merse lieb, aber einsam bleiben?

Eines steht fest: Mit großer Klappe nachts im Kaffeehaus wird man ihn wohl nie antreffen.

Von Werner Schuster

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Interview mit Karin Nohr

Karin Nohr, geboren in Hamburg, studierte Literaturwissenschaft und Psychologie. Nach zahlreichen Fachveröffentlichungen im Bereich Psychoanalyse, Imagination und Musik ist „Herr Merse bricht auf“ ihr erster Roman. Karin Nohr hat eine Tochter und lebt in Berlin und im Wendland.

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