17/11/2008von 588 Views – 0 Kommentare

Schutting, Julian: An den Mond

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Buchcover
Lyrik
Klappenbroschur: Residenz, 2008
Inhalt:

Sprachgewaltig und mit feiner Ironie widmet sich Julian Schutting den großen Themen der Literatur: Was macht ein Gedicht zu einem Gedicht, wie behandelt man politische Themen, ohne in humanitäre Banalitäten abzugleiten, und wie lassen sich heutzutage noch Naturgedichte schreiben? (Pressetext)

Kurzkritik:

„Tiefsee-tief sei der Schlaf ihm, Stein zu sein
ihm ein und alles seligen Vergessens: fühllos,
taub und blind jedweder Vergehbarkeit erloschen, …“
(Aus „An den Dachstein“)

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Besprechung:

Lyrik über Lyrik

Eigentlich bin ich ja der Meinung, dass man Lyrik nicht kritisch besprechen kann. Ist ein Gedicht schon schlecht, wenn es mir nicht gefällt oder wenn ich damit nichts anfangen kann? Ist dasselbe Gedicht besser geworden, wenn es Tage/Monate/Jahre später mehr zu mir spricht? Oder bin ich es, der „besser“ geworden ist? Selbstverständlich lässt sich Ähnliches auch über Prosa behaupten, aber da gibt es Kriterien abseits von Gefallen/Kalt-Lassen/Missfallen. Bei Lyrik gibt es die für mich kaum.

Gedanken in lyrischem Gewande

Ich könnte jetzt lange über das (Un-)Wesen der Kunstkritik schwadronieren (über den von mir hoffentlich vermiedenen Anschein von Allgemeingültigkeit, über die Tagesverfassung beim Konsumieren und/oder Schreiben, usw. usf.), aber es soll hier ja um Schuttings neue Gedichte gehen. Und die sind … Gedankenlyrik (Gedanken in lyrischem Gewande); souverän gehandhabt (die Sprache, die Form, die Stilbrüche); trotz der „Ungereimtheit“ alt anmutend (im Sinne von: vor mehr als 150 Jahren geschrieben), aber in heutiger (und präziser) Sprache; mit zum Teil aktuellen (oder aktuell gebliebenen) Themen, aber auch Naturgedichte und Nachdenken über das Wesen von Lyrik.

„Worüber man nicht reden kann –
darüber haltets die Goschn“

Wie das klingt?

Mein Kranz aus Wasserlilien und Ratten,
mein von den euch Epigonen ermatteten Versen
durchtränktes Kleid, meine Art-deco-Schwimm-
weste aus schleifenden Trauerweidenzweigen,
mein seit Jugendstiltagen von Schwänen gesäumter
Wasserleichenzug, …
(aus „An Ophelias Echo“)

Oder:

Tiefsee-tief sei der Schlaf ihm, Stein zu sein
ihm ein und alles seligen Vergessens: fühllos,
taub und blind jedweder Vergehbarkeit erloschen, …
(Aus „An den Dachstein“)

Oder so:

Worüber man nicht reden kann –
darüber haltets die Goschn,
darüber redts gefälligst deutsch?
darüber läßt sich trefflich streiten.
(aus „An Wittgenstein“)

Ich hoffe, ich konnte diese Gedichte manchen ein wenig näherbringen.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Julian Schutting bei Wikipedia.

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