31/03/2010von 2.163 Views – 1 Kommentar

Shriver, Lionel: Wir müssen über Kevin reden

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Buchcover
Roman
Erschienen als Taschenbuch 2010 bei Ullstein,
als Hardcover 2006 bei List.
Aus dem Amerikanischen von Christine Frick-Gerke und Gesine Strempel
Originalausgabe: „We Need to Talk About Kevin“, 2003
Inhalt:

Evas Sohn Kevin hat eine furchtbare Gewalttat begangen: In der Schule hat er mehrere Menschen getötet. Von allen verurteilt und von jetzt an auf sich selbst gestellt, findet Eva den Mut, sich in aller Offenheit den quälenden Fragen auszusetzen: Hätte sie ihr Kind mehr lieben sollen? Hätte sie das Unglück verhindern können? Hätte sie ihre Ehe retten können? (Pressetext)

Kurzkritik:

Was ist stärker: Charakter oder Erziehung? Im Prinzip läuft das 550-Seiten-Buch in Briefform auf diese Frage hinaus. Und beantwortet sie nicht. Sondern wartet – nach einem vielleicht etwas langatmig geratenen Mittelteil – mit einem Schluss auf, der einem gewissermaßen den Boden unter den Füßen wegzieht.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Wir müssen über Kevin nachdenken

Dieser Roman ist nicht deshalb unangenehm zu lesen, weil er das Thema „Schulmassaker“ abhandelt, sondern weil Lionel Shriver eine Mutter beschreibt, die ihren unausstehlichen Sohn nicht lieben konnte. Aber kann dass der Grund dafür sein, dass Kevin ein paar seiner MitschülerInnen im Turnsaal eingesperrt und sie ermordet hat?

In Briefen an ihren Mann Franklin versucht Eva Khatchadourian den Ursachen des Massakers auf die Spur zu kommen.

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Kevin ist böse, Kevin ist normal

Sie schildert Kevin als Soziopathen mehr oder minder von Geburt an, der mit sich und seiner Umgebung nichts anzufangen wusste außer seine Mitmenschen zu terrorisieren. Franklin (den wir – wie Kevin auch – allerdings nur aus Evas Sicht beschrieben bekommen) dürfte seinen Sohn hingegen als ziemlich normal erlebt und nicht verstanden haben, dass Eva Kevin ständig als bösartig hingestellt hat.

Wir haben es, ähnlich wie bei John Irving (obwohl man Shriver mit ihm ansonsten überhaupt nicht vergleichen kann), mit sehr festen Charakteren zu tun: Eva erlebt Kevin als böse, Franklin erlebt ihn als gut. Die später geborene Tochter Celia wird von beiden als (zu) naiv angesehen.

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Eva und Franklin waren reich

Ansonsten war Eva vor dem Massaker erfolgreiche Leiterin eines Reisebuch-Verlages und ist dementsprechend viel in der Welt herumgereist. Obwohl eine Liberale, war sie von dem an sein Land glaubenden, die Republikaner wählenden Franklin (einem Location-Scout) angetan.

Außerdem waren Eva und Franklin reich, sodass sie sich die Prozesse auch leisten konnten, in denen sie als Eltern des Attentäters zur Rechenschaft gezogen werden sollten. Jetzt allerdings arbeitet Eva als Reisebüro-Angestellte und lebt zurückgezogen, außer wenn sie Kevin im Gefängnis besucht.

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Berühmt werden

Warum hat Kevin getan, was er getan hat? Er selbst behauptet kurz nach der Tat, dass er damit berühmt werden wollte, ist sich dessen ein paar Jahre später aber nicht mehr so sicher.

Shriver spielt gewissermaßen mit den Möglichkeiten: Ist Eva verantwortlich, weil sie Kevin abgelehnt hat? Oder Franklin, weil er ihn idealisiert hat? Was hätte geschehen müssen, damit Kevin seine Tat nicht akribisch geplant und ausgeführt hätte?

Was ist stärker: Charakter oder Erziehung? Im Prinzip läuft das 550-Seiten-Buch in Briefform auf diese Frage hinaus. Und beantwortet sie nicht. Sondern wartet – nach einem vielleicht etwas langatmig geratenen Mittelteil – mit einem Schluss auf, der einem gewissermaßen den Boden unter den Füßen wegzieht.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Lionel Shriver bei Wikipedia (Englisch).

1 Kommentar zu "Shriver, Lionel: Wir müssen über Kevin reden"

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  1. Katja sagt:

    Ich muss gleich zu Anfang an erwähnen, dass ich sehr gemischte Gefühle und Eindrücke durch dieses Buch erfahren habe.

    Anfangs war es sehr zäh zu lesen. Die Sätze schienen endlos lang und in sich verflochten. Es war schwierig den ganzen Satz in seiner vollen Länge und Bedeutung zu erfassen und gleichzeitig zu verstehen.
    Nach einiger Zeit wurde es zwar einfacher, doch ich muss gestehen, dass der Schreibstil der Autorin mir nicht sehr zusagte.

    Zum Inhalt: Es ist ein ohne Frage ein sehr heftiges Buch, welches ich nur in Abschnitten vertragen habe. Immer wieder musste ich es beiseitelegen, um etwas Abstand zu gewinnen und das gelesene verarbeiten und mir Gedanken darüber machen zu können.

    Die gnadenlose Ehrlichkeit, mit der Eva von ihren ‘negativen’ Gefühlen zu Kevin erzählt, war doch etwas erschreckend. Ich habe oft zwischen Verständnis und Abneigung geschwankt. Abneigung gegen sie, gegen Kevin und die Art, wie beide miteinander umgehen. Auch gegen Franklin, der mich mit seinem Beschützerinstinkt für Kevin beinahe wahnsinnig gemacht hat.

    „Wir müssen über Kevin reden“ ist kein einfaches Buch, aber auf jeden Fall ist es eines, welches wahrscheinlich Jeden sehr zum Nachdenken anregt.
    Ich habe mich während des Lesens öfters gefragt ob man es hätte verhindern können oder woran es lag das Kevin so wurde. War es ihm angeboren oder anerzogen? Eigentlich wollte ich Kevins Beweggründe für seine Taten erfahren und den Grund warum Eva ihm verzeiht, obwohl sie ihn eigentlich nie richtig lieben konnte. Leider wurden diese Fragen nie vollkommen beantwortet.

    Letzten Endes musste ich das Buch mit einer Mischung aus Abneigung, Verständnis, Mitgefühl und Verwirrtheit aus der Hand legen.

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