13/05/2011von 710 Views – 0 Kommentare

Juretzka, Jörg: Alles total groovy hier

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Buchcover Juretzka Groovy

  • Taschenbuch
  • 251 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Unionsverlag
  • Hardcover 2009 bei Rotbuch


Inhalt:

Kristof Kryszinski ist mit seinem Kumpel Scuzzi ins sonnige Spanien unterwegs. Sie wollen einen Ort finden, an dem ihr Bikerklub eine Ranch eröffnen kann. Doch Schisser, der bereits eine entsprechende Immobilie gefunden hatte, ist verschwunden – ebenso die 180000 Euro, mit denen er das Objekt erstehen sollte. Auf der Suche nach Freund und Geld stoßen Kryszinski und Scuzzi auf ein Aussteigerdorf berauschter Hippies. (Pressetext)

Kurzkritik:

Was so amüsant als Milieuschilderung einer Hippiekommune aus der Sicht eines Bikers beginnt, fein beobachtet und wunderbar pointiert geschrieben, entwickelt sich zu einer schrecklichen Geschichte über Korruption, Menschenhandel und Sklaverei und wirft ein sehr tragisches Licht auf das Schicksal, der „Boat People“, die aus Afrika flüchten, um in Europa ein neues Leben anzufangen.

Das Schlimme ist: Ich habe das Gefühl, Juretzka weiß ganz genau, wovon er schreibt. Verpackt in einen kurzweiligen, oft witzigen Krimiplot, verloren die geschilderten Tatsachen nicht ihren Schrecken, sondern erwischten mich sozusagen „von hinten“. Das ist für mich hohe Kunst. Denn dieses Buch hat mich gezwungen, mich mit Tatsachen auseinanderzusetzen, denen ich eher aus dem Weg gehe, weil sie – in letzter Konsequenz betrachtet – unzumutbar grausam sind.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Von hinten erwischt

Die Motorradgang Stormfuckers sucht ein neues Domizil und hat den Biker Schisser mit viel Kohle in den Taschen nach Spanien geschickt, um ein Grundstück zu finden und zu kaufen. Als der sich plötzlich nicht mehr, wie ausgemacht, regelmäßig meldet, machen sich Kristof Kryszinski, Privatdetektiv, und Pierfrancesco Scuzzi, beide ebenfalls Mitglieder der Stormfuckers, mit einem Wohnmobil auf die Suche nach dem abgängigen Schisser, der vor nichts auf der Welt Angst – außer vor dem Meer.

„Polytoximane“ Drogenprobleme

Schissers letzter Anruf kam von einem Campingplatz in Südspanien. Fast gesteinigt von den ansässigen Zigeunern, erreichen Kryszinski und Scuzzi das Hippieparadies „Paradise Lodge“. Hier herrscht Handyverbot der schlechten Vibes wegen, es gibt zähe vegetarische Pampe zu essen, der Berieselung mit Flower-Power-Songs aus den 60-ern ist kaum zu entkommen, und Bier ist auch weit und breit keins zu haben. Scuzzi, mit einem „polytoximanen“ Drogenproblem behaftet, fühlt sich hier sofort wohl und zuhause. Kryszinski hingegen würde am liebsten sofort wieder umdrehen, hätte er nicht den Auftrag, Schisser zu finden. Ist er mit der Kohle abgehauen? Wurde er beraubt? Ist ihm etwas zugestoßen?

Beginnt amüsant

Was so amüsant als Milieuschilderung einer Hippiekommune aus der Sicht eines Bikers beginnt, fein beobachtet und wunderbar pointiert geschrieben, entwickelt sich zu einer schrecklichen Geschichte über Korruption, Menschenhandel und Sklaverei und wirft ein sehr tragisches Licht auf das Schicksal, der „Boat People“, die aus Afrika flüchten, um in Europa ein neues Leben anzufangen.

Endet tragisch

Das Schlimme ist: Ich habe das Gefühl, Juretzka weiß ganz genau, wovon er schreibt. Verpackt in einen kurzweiligen, oft witzigen Krimiplot, verloren die geschilderten Tatsachen nicht ihren Schrecken, sondern erwischten mich sozusagen „von hinten“. Das ist für mich hohe Kunst. Denn dieses Buch hat mich gezwungen, mich mit Tatsachen auseinanderzusetzen, denen ich eher aus dem Weg gehe, weil sie – in letzter Konsequenz betrachtet – unzumutbar grausam sind.

Verbale Entgleisung

Dass der Leser/die Leserin auch noch geschickt auf eine falsche Fährte gelockt wird, erhöht den Reiz dieser Lektüre zusätzlich. Der Protagonist Kryszinski ist mir so sympathisch, dass er sich so gut wie jede gesellschaftliche und verbale Entgleisung erlauben darf, und er entgleist, das können Sie mir glauben. Wunderbar plastisch erscheinen auch die restlichen Figuren, die Sprache ist ein Genuss, die Spannung ist zum Schluss hin kaum auszuhalten.

Kein Nachschub mehr

Das ist der dritte Juretzka-Krimi um den Privatdetektiv Kristof Kryszinski, den ich auf einen Zug durchgelesen habe, nach jeder Seite bedauernd, dass der Nachschub nicht schon auf dem Nachtkasterl liegt.

Das lässt sich ändern. Leicht.

Ob allerdings für das Schicksal der Afrika-Flüchtlinge (ein Thema mit hoher Brisanz) je eine humanere Lösung gefunden werden kann, das sei dahingestellt.

Warnung: Bücher wie dieses können Ihr Bewusstsein verändern.

Von Eva Schuster

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Infos:

Jörg Juretzka, 1955 in Mülheim an der Ruhr geboren, ist gelernter Zimmermann und baute Blockhütten in Kanada, bevor er sich aufs Schreiben konzentrierte. „Prickel“, sein Krimidebüt und der erste Fall für den abgerockten Privatermittler Kristof Kryszinski, erschien 1998. Für seine Romane wurde er dreimal mit dem Deutschen Krimi Preis ausgezeichnet

Mehr über Jörg Juretzka bei Wikipedia.

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