Stefan Mühldorfer: Tagsüber dieses strahlende Blau
Roman
Taschenbuch: dtv, 2009
Zuviel Zufall
Wollte ich „Tagsüber dieses strahlende Blau” vergleichen, so fiele mir – auch wegen der Männerperspektive – Richard Fords „Sportreporter” ein. Stefan Mühldorfers Roman gibt sich allerdings souveräner, als er ist. Beschrieben wird ein 37-jährigen Mann, der früher einmal nicht davon geträumt hat, Versicherungsmakler zu werden, sich jedoch in seinen Job ähnlich eingefügt hat wie in die routinierte Ehe mit seiner Frau Kala: nicht desillusioniert oder gar zynisch, aber doch vernünftig dem Schicksal ergeben.
Das Buch spielt an einem einzigen Tag, an dem Robert Ames zufällig einer Jugendliebe begegnet (nachdem er deren Sohn zufällig verletzt hat, ihn heimbringt und dort draufkommt, dass er dessen Familie in seiner Funktion als Versicherungsmakler ohnedies aufsuchen wollte). Gleich darauf erwischt er seine Frau zufällig mit einem anderen Mann in einem Lokal, woraufhin sie ihm seine Eifersucht übel nimmt und mit dem gemeinsamen Sohn vorübergehend zu ihren Eltern zieht. Schließlich schläft er mit einer Kollegin, nachdem beide das Gartenfest ihres Chefs gemeinsam besucht haben (wo sich dessen Frau in betrunkenem Zustand über ihres Gatten Affäre ausgelassen hat).
Auf den letzten sechs Seiten fasst der Ich-Erzähler Robert die Ereignisse der zwei Monate nach diesem ausführlich (und mit Rückblenden in die Jahre davor) beschriebenen Tag zusammen, was für mich dramaturgisch ein wenig enttäuschend war: So als hätte Mühldorfer einen dicken Entwicklungsroman konzipiert, dazu dann keine Lust oder Zeit gehabt und die Handlung auf einen Tag verdichtet und mit einem Nachspiel versehen.
Aber ich war von der beschaulichen, lyrischen Prosa angetan, wollte stets wissen, wie es weitergeht, selbst wenn mich das dann nie wirklich überrascht, sondern eher durch die Anhäufung von Zufällen stutzig gemacht hat; doch ich habe auch keine Szene überflogen. Bis zum Schluss ungelöst blieb für mich allerdings die Frage, warum sich Mühldorfer für dieses Buch den Schauplatz Nordamerika ausgesucht hat, weil es ebenso gut in Deutschland spielen könnte. Es sei denn, er wollte sozusagen über den Atlantik gerufen haben: Ford? Updike? Das können wir hier auch! – Nunja, beinahe.
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Über Stefan Mühldorfer bei dtv,
mehr von dtv bei „Eselsohren”.


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