Julia Gäbel: Pittys Blues
Ein zauberhafter Roman über das Geheimnis einer Dorfgemeinschaft.
Erschienen 2010 bei Knaus (Hardcover).
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Einmal kopfüber gehalten
Dieser Roman ist zauberhaft. Julia Gäbel beschreibt einen amerikanische Dorfgemeinschaft (ohne Handys und Internet) mit einem Kinderblick, wie er bis zu einem gewissen Grad Richard Brautigan eignet.
Es ist allerdings keine kindliche Welt, sondern wir befinden uns bei größtenteils sympathischen Hinterwäldern. In Rickville geht alles seinen geordneten Gang, man arbeitet gemächlich vor sich hin und besucht mittags das eine und abends das andere Lokal.
Das Dorfgeheimnis
Aber es gibt so etwas wie ein Dorfgeheimnis, das mit dem gewaltsamen Tod von Dicks Buder Elliot zu tun hat, und als eines Tages Dicks verschwundener Pickup auftaucht, in welchem Elliot tot aufgefunden worden war, scheint es an der Zeit, dass dieses Geheimnis endlich gelüftet werden soll.
Nun steht dieser Pickup auf eine Art und Weise in eine Einfahrt eingepfercht, dass man ihn so eigentlich gar nicht hingestellt haben kann. Und niemand schafft es, das Auto dort wieder herauszubekommen.
Eine seltsame Frau
Außerdem liegt eine seltsame junge Frau namens Pitty drinnen, die von daheim weggegangen ist und sich in den Pickup schlafen gelegt hat und die folgendermaßen beschrieben wird: „Menschen sind so. Wenn jemand langsam ist, denken sie, macht er das mit Absicht“.
Darüber hinaus schneit es drei Tage lang so heftig, wie es in Rickville vorher und nachher niemals wieder vorgekommen ist.
Verzaubert
Dick ist nun gleichzeitig – und widerwillig – damit beschäftigt, sich in Pitty zu verlieben und sich an Elliot zu erinnern. Er glaubt nämlich, dass er seinen Bruder bei einer Prügelei umgebracht hat. Nahezu alle im Dorf wissen, dass dem nicht so war, doch aus relativ triftigen Gründen hat ihm das keiner von ihnen bisher mitgeteilt.
Erzählt wird uns das von einem abgeklärten 80-jährigen, der noch ein Junge war, als sich in Rickville einiges veränderte. Und der schließlich schreibt: „Jeder hatte die drei Tage anders in Erinnerung. Aber jeden hatte der Schnee an den Füßen gegriffen und einmal kopfüber gehalten, und keiner wollte gern zugebene, dass Pitty die Stadt auch ein wenig verzaubert hatte.“
Von Werner Schuster
Infos
Zum Video: Julia Gäbel über ihren Debütroman „Pittys Blues“ und das Schreiben
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