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Sten Nadolny: Die Entdeckung der Langsamkeit

Piper (1983)

Speziell für jede/n

Bei diesem Buch weiß ich sogar noch, wo ich es 1983 gekauft habe: Es lag in einer Buchhandlung in Basel, der Titel hat mich fasziniert und nach kurzem Durchblättern glaubte ich zu wissen, ein Werk für mich gefunden zu haben.

Mein Instinkt hat mich damals nicht getäuscht: Es enthielt, für einen 21-jährigen, die Botschaft “du erreichst nur etwas, wenn du genau so bist, wie du bist”. Denn schließlich entdeckt der englische Seefahrer John Franklin, aus Sicht von Sten Nadolny, die Nord-West-Passage nur, weil er langsam ist. Doch es dauert, bis er diese seine Langsamkeit annehmen kann.

In guter Erinnerung von damals ist mir auch die Beschreibung der Schlacht von Trafalgar geblieben – wie Franklin da alles zu schnell geht, wie er einfach nicht mitbekommt, was da an Schlachtgetümmel um ihn herum geschieht.

Beim Wiederlesen ist mir aufgefallen, dass Franklin auch lernt, mit seiner “Behinderung” zu leben, wie er sich einen starren Blick antrainiert, mit dem er rasche Vorgänge ignorieren kann, wie er beim Sprechen Floskeln einsetzt, während er nachdenkt, wie er sich ein Ordnungssystem angewöhnt und Aufgaben nach ihrer Dringlichkeit sortiert. Und dass sich Nadolnys Franklin mit seiner Langsamkeit nicht dafür geeignet hat, eine Strafkolonie zu leiten.

Wahrscheinlich entdeckt man in der “Entdeckung” immer wieder neue, andere Aspekte, je nachdem, in welchem Alter oder Zustand man dieses herrliche, in knappen Sätzen geschriebene Buch liest. Und das ist das Schöne an großer Kunst: Sie scheint für jede/n einzelne/n und für jedes Alter speziell geschaffen zu sein.

“Die Entdeckung der Langsamkeit” in der Geburtstagsausgabe (zum 65. von Sten Nadolny im Juli 2007) und als Taschenbuch bei Amazon.

Über Sten NADOLNY bei Wikipedia.

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