17/02/2012von 476 Views – 0 Kommentare

Koenigs, Tom: Machen wir Frieden …

KurzkritikIhre MeinungAusführliche BesprechungInfos

Buchcover
  • … oder haben wir Krieg?
    Auf UN-Mission in Afghanistan
  • Sachbuch Politik, Erinnerungen
  • Hardcover
  • 272 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Wagenbach

Inhalt:

Afghanistan – Geschichte von Wiederaufbau und Befriedung oder Beispiel des Scheiterns westlicher Einmischung? Tom Koenigs‘ Aufzeichnungen als höchster UN-Vertreter in den entscheidenden Jahren erlauben einen bisher unbekannten – und ungeschönten – Blick hinter die Kulissen. Und sie sind eine stilistische Seltenheit: Frisch, witzig, fast literarisch und vollkommen unbefangen.

Kurzkritik:

Für mich ist dies nicht nur ein Buch über Afghanistan und über eine UN-Mission, sondern auch über politisches und wirtschaftliches (Krisen-)Management. Der deutsche grüne Politiker Tom Koenigs hat von 2006 bis 2007 die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) übernommen und in Mails über sich und seine Funktion, über die UN und die Lage in Afghanistan nachgedacht.
Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Ein Insider

Für mich ist dies nicht nur ein Buch über Afghanistan und über eine UN-Mission, sondern auch über politisches und wirtschaftliches (Krisen-)Management. Der deutsche grüne Politiker Tom Koenigs hat von 2006 bis 2007 die United Nations Assistance Mission in Afghanistan (UNAMA) übernommen und in Mails über sich und seine Funktion, über die UN und die Lage in Afghanistan nachgedacht.

Diese Mails waren zwar ursprünglich nicht zur Veröffentlichung bestimmt, doch darf man sich von dem, was in seinem Buch abgedruckt wurde, keine brisanten Interna erwarten.

Entscheidungen ohne Überblick

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Es gibt vielmehr Einblick darin, wie man auch in scheinbar ausweglosen Situationen wenigstens ein bisschen von dem erreicht, weswegen man mit einer Funktion beauftragt worden ist. Wie man versucht an hilfreiche Informationen heranzukommen. Wie man versucht Entscheidungen zu treffen, auch wenn man kaum einen Überblick über die Lage haben kann. Wie man mit internen und externen Schwierigkeiten und Widerständen umgeht. Wie man zwischen ständiger Lebensgefahr und dem rutschigen diplomatischen (oder journaistischen) Parkett hin- und herpendelt.

Koenigs Afghanistan

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So ähnlich – wenn auch ohne Selbstmordattentäter – stelle ich es mir vor, einen großen Betrieb oder auch einen Konzern zu managen. Oder PolitikerIn in leitender Position zu sein.

Doch selbstverständlich handelt „Machen wir Frieden oder haben wir Krieg?“ vor allem von Afghanistan, über das, was Koenigs davon mitbekommt, und über dessen Geschichte sich in diesem Buch auch eine Chronik findet. Wer weiß schon (noch), dass England in den 1830er-Jahren in Afghanistan einen Pufferstaat gegen Russland etablieren wollte, dass es bis 1919 es drei Anglo-Afghanische Kriege gab, was sich ab der Unabhängigkeit bis zur Einmarsch sowjetischer Truppen 1979 ereignete?

Herrschaft der Taliban

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Wahrscheinlich erinnert man sich an die Herrschaft der Taliban von 1996 bis zur Offensive der Nordallianz 2001, wahrscheinlich weiß man nichts vom derzeitigen politischen System, dafür von den Selbstmordanschlägen durch die Taliban. Dass bei denen hauptsächlich Zivilisten verletzt werden oder ums Leben kommen, habe ich erst in diesem Buch bewusst wahrgenommen.

Zivile Todesopfer

Ich habe darin auch zum ersten Mal erfahren, dass durch Einsätze internationaler Soldaten mehr Zivilisten getötet wurden als durch die terroristischen Anschläge. (Zumindest während Koenigs Anwesenheit – laut einem Bericht der Vereinten Nationen waren die Taliban in den Jahren 2009 und 2010 für über 3/4 der zivilen Todesopfer verantwortlich.)

Beruhigend oder beunruhigend?

Zumindest in seinen Mails tat Koenigs nicht so, als wüsste er über alles Bescheid. Und er war nach seinem Abschied von der Mission relativ zufrieden mit dem – je nach Standpunkt – Wenigen oder Vielen, das er erreicht hatte. Ist das nun beruhigend oder beunruhigend in Bezug auf Afghanistan, andere Krisenherde, (Welt-)Politik und (Welt-)Wirtschaft?

Von Werner Schuster

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Mehr Infos:

Das meinen andere (Perlentaucher-Rezensionsnotizen).

Tom Koenigs, 1944 geboren, absolvierte eine Banklehre und studierte dann BWL in Berlin; war Mitglied der Roten Zelle Ökonomie, arbeitete bei Opel in Rüsselsheim als Schweißer und spendete sein Erbe den Befreiungskämpfern in Vietnam und Chile. Später wurde er Elektromechaniker, arbeitete als Buchhändler, Taxifahrer und Übersetzer in Frankfurt und ist seit 1983 Mitglied der Grünen, von 1989 1999 Dezernent für Umwelt, von 1993 1997 außerdem Stadtkämmerer in Frankfurt. 1999 2002 stellvertretender Sondergesandter der UN im Kosovo, 2002 2004 Leiter der UN-Mission in Guatemala, 2005 Menschenrechtsbeauftragter im Auswärtigen Amt, 2006 und 2007 Leiter der zivilen UN-Mission in Afghanistan. Seit 2009 Abgeordneter der Grünen im Bundestag und dort Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses.

Mehr über Tom Koenigs bei Wikipedia.

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