20/10/2008von 903 Views – 0 Kommentare

Denis, Ariel: Stille in Montparnasse

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Buchcover
Ein Romanbericht
Aus dem Französischen von Regine Hermannsdörfer
Taschenbuch: btb, 2008
Hardcover: Atrium, 2007
(„Récital. Une interprétation“, Rocher, 2002)
Inhalt:

Ein Mann spaziert durch Paris. Der Lärm des Alltags stürmt auf ihn ein, das Handygequassel, die hämmernde Musik aus den Cafés und aus den Kopfhörern der Skateboardfahrer. Er steigert sich in einen furiosen Monolog hinein, in eine Schimpftirade gegen die Lärmverschmutzung der modernen Welt und in eine Liebeserklärung an die schöne, gehaltvolle, konzentrierte Musik. Doch in Wahrheit ist es ein Gespräch mit dem geliebten, zu früh gestorbenen Freund … (Pressetext)

Kurzkritik:

Wenn ich auch selbst einige Jahre am Staatsopern-Stehplatz „gewohnt“ und später als (Ernste-Musik-)Kritiker gearbeitet habe, so ist mir diese Welt doch ein wenig fremd geworden, diese Welt mit ihren meistens harmlosen Fanatikern, für die es anscheinend nichts anderes gibt als wunderbare und grottenschlechte Interpretationen von romantischer und klassischer Musik, nicht anderes gibt als LieblingssängerInnen und Nicht-LieblingssängerInnen (und -PianistInnen und -DirigentInnen und -GeigerInnen …).

Der Autor Ariel Denis scheint zu diesen Menschen zu gehören – oder es ist ihm das völlig stimmige Porträt von zweien solcher Menschen gelungen, die sich gegenseitig und sich im anderen und sich in der kleinen großen Welt der Opern und Konzertsäle gefunden haben.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Kreativ-DJs für hippe Analphabeten

Dieses Buch war nicht ganz das, was ich mir erwartet hatte, aber das macht nichts. Erwartet hatte ich mir die am Cover angekündigte Schimpftirade gegen die Lärmverschmutzung der modernen Welt, welche aber für den Ich-Erzähler nur der Anlass ist, sich an seinen Freund zu erinnern, einen ebenfalls bildungsbürgerlichen Musikliebhaber.

Und wenn ich auch selbst einige Jahre am Staatsopern-Stehplatz „gewohnt“ und später als (Ernste-Musik-)Kritiker gearbeitet habe, so ist mir diese Welt doch ein wenig fremd geworden, diese Welt mit ihren meistens harmlosen Fanatikern, für die es anscheinend nichts anderes gibt als wunderbare und grottenschlechte Interpretationen von romantischer und klassischer Musik, nicht anderes gibt als LieblingssängerInnen und Nicht-LieblingssängerInnen (und -PianistInnen und -DirigentInnen und -GeigerInnen …).

Schnöselig

Der Autor Ariel Denis scheint zu diesen Menschen zu gehören – oder es ist ihm das völlig stimmige Porträt von zweien solcher Menschen gelungen, die sich gegenseitig und sich im anderen und sich in der kleinen großen Welt der Opern und Konzertsäle gefunden haben. Und Daniel schreibt blitzgescheit über die moderne sog. ernste Musik (die niemand hören mag, weil sie in ihrer radikalen Form nicht aus sich hinausweist und auch auf nichts außer sich Bezug nimmt, und wer hat schon dafür Zeit und oftmals masochistische Muße) und er schreibt mir zu schnöselig über alles, was nicht „große Musik“ ist.

Obwohl er ja auch wieder recht hat damit, dass „große Kunst“ die KonsumentInnen in höhere Sphären mitnehmen kann und dass alles andere bloß Freizeitbeschäftigung ist. Nur: Es leben halt außerhalb dieser elitären Kreise so viele, denen „große Kunst“ schlicht zu anstrengend ist und die zufrieden sind, wenn man sie bloß – in allen Abstufungen von Anspruch – unterhalten will (– was für mich allerdings auch eine große Kunst ist).

Stimmlose Woodstockschreihälse

Und neben vielen kleinen Seitenhieben auf die „ahnungslose Masse“ gibt es nach einem Drittel des 140-Seiten-Buches doch auch die angekündigte Schimpftirade:

Und jetzt Ruhe, ihr Mikrophonlutscher, Heulbojen aus den Tonstudios, ihr faden Wisperer, Playbacksänger, ihr Bercy-Großkonzertpilger, ihr Kreativ-DJs für hippe Analphabeten und abgedrehte Snobs durchgemachter Nächte, ihr abgewrackten Rocker, ihr abgerissenen Rapper, ihr geblufften Bluffer, Kuschelmusiksänger ohne jeden Charme und ihr vollgedröhnten stimmlosen Woodstockschreihälse, ihr Hitparadensieger von Radio-Kakerlake …

Schön gesagt. Und wieder hat Denis’ Ich-Erzähler recht. Und wiederum auch nicht.

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Ariel Denis bei Randomhouse.

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