09/11/2007von 1.161 Views – 1 Kommentar

O’Brien, Flann: Trost und Rat

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Kolumnen
Deutsch von Harry Rowohlt
Kein & Aber, 2003 ff.
(1940 ff.)
Inhalt:

Unter dem Pseudonym Myles na gCopaleen spendet Flann O’Brien den Lesern seine Kolumne für die Irish Times Trost und Rat in vielen wesentlichen Fragen des Lebens. Ausgewählt und kongenial übersetzt wurden die Texte von Harry Rowohlt. (Pressetext)

Kurzkritik:

Wie viele AutorInnen, die witzig sein wollen, entlocken uns bloß manchmal ein müdes Lächeln? Wie viele sollte man nicht an öffentlichen Orten lesen, wenn man sich dort für lautes Lachen und sonstige vernehmliche Beifallsäußerungen geniert? O’Briens Kolumnen zählen für mich eindeutig zu letzterer Kategorie.

Werner gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

4 Eselsohren 1 Penny

Zum Irland-Jahr 1996 hat der Haffmans Verlag Flann O’Briens “Trost und Rat” als kleines grünes Büchlein herausgegeben (damals um umgerechnet 5 Euro), das ich besser nicht zur Hand nehme, wenn ich etwas Wichtiges zu tun habe. Denn ich bleibe regelmäßig an der Auswahl dieser aberwitzigen Kolumnen hängen, die O’Brien zwischen 1940 und 1966 für die Irish Times geschrieben hat.

Wie viele AutorInnen, die witzig sein wollen, entlocken uns bloß manchmal ein müdes Lächeln? Wie viele sollte man nicht an öffentlichen Orten lesen, wenn man sich dort für lautes Lachen und sonstige vernehmliche Beifallsäußerungen geniert? O’Briens Kolumnen zählen für mich eindeutig zu letzterer Kategorie.

Es gibt keine Entschuldigung für Lyrik

Allein seine Dialoge mit dem “einfachen irischen Volk” (die man leider nicht aus dem Zusammenhang reißen kann, ohne dass sie an Witz verlieren)! Und dann die Erfindung der “Buchhandhabung” für Leute, die ihre Bücher nicht lesen, von “4 Eselsohren 1 Penny” bis hin zu “Le Traitement Superbe” mit handgeschriebenen Anmerkungen sowie falschen Widmungen für 32 Pfund 7 Shilling Sixpence. Oder die (breit ausgewalzte) Idee, Menschen, die zB. in Theaterpausen nichts zu sagen wissen, Bauchredner zur Seite zu stellen. Die herrlichen Beiträge über “Langweiler”. Die erhebenden Zeilen über Kultur und Gesellschaft sowie Literatur (etwa … “bin ich zu der Ansicht gekommen, dass es keine Entschuldigung für Lyrik gibt. Lyrik zahlt sich in Geld nicht angemessen aus, ist wegen der durch ihre Form bedingten Platzverschwendung teuer im Druck und verkündet fast immer illusorische Lebenskonzepte”).

Ach ja: Übersetzt wurde das von Harry Rowohlt, der in O’Brien – unterstelle ich jetzt einmal – so etwas wie einen Seelenverwandten gefunden hat. Das kleine grüne Bändchen ist nur mehr antiquarisch erhältlich, doch es gibt eine O’Brien-Werkausgabe mit einem einzeln kaufbaren “Trost und Rat”-Band (um etwa 16 Euro).

Von Werner Schuster

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Infos:

Flann O’Brien, geboren am 5. Oktober 1911 als Brian O’Nolan in Strabane/County Tyrone, studierte Gälisch, klassische Philologie und Deutsch in Dublin und Köln und wirkte von 1937 bis 1953 als Ministerialbeamter. 1939 begann er mit Auf Schwimmen-zwei-Vögel seine Karriere als Schriftsteller, ab 1940 schrieb er 26 Jahre lang als Myles na gCopaleen (Myles von den Pferdchen) täglich seine »Trost-und-Rat«-Kolumne in der Irish Times. Auf sein Hauptwerk folgten noch weitere Romane und Erzählungen, aber literarische Anerkennung wurde ihm erst posthum zuteil. Er starb am 1. April 1966 in Dublin und gilt mittlerweile als einer der bedeutendsten irischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.

Über Flann O’Brien bei Wikipedia.

1 Kommentar zu "O’Brien, Flann: Trost und Rat"

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  1. geri sagt:

    Lest alles von Flann O’Brien, aber nur in der Übersetzung von Harry Rowohlt. Die anderen Übersetzungen sind großteils katastrophal.

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