06/03/2013von 2.796 Views – 0 Kommentare

Wolf, Armin: Wozu brauchen wir Journalisten?

Vorlesungen, Vorträge
Hardcover
132 Seiten
Erschienen 2013 bei Picus

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Inhalt:

Armin Wolf, ZiB-2-Moderator und stellvertretender Chefredakteur der TV-Information im ORF, beschäftigt sich in seinen drei Theodor-Herzl-Vorlesungen an der Universität Wien mit den dramatischen Umbrüchen in der Mediennutzung, der (neuen?) Rolle von Journalisten und mit seinem Beruf als politischer Interviewer.Ergänzt und abgerundet werden die überarbeiteten und aktualisierten Vorlesungen durch Texte zum Verhältnis zwischen Medien und Politik, unter anderem durch Wolfs legendäre „Robert-Hochner-Preisrede“ über journalistische Freiheit und politischen Druck im ORF. (Pressetext)

Kurzkritik:

Was ist qualitätsvoller Journalismus und wer macht ihn auf welche Art und Weise? – Der beliebte österreichische TV-Moderator Armin Wolf gibt in Vorlesungen und Reden Auskunft über E-, U- und K-Journalismus und über unsere Medienwelt.

Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Der Wolf im Audimax

Was ist qualitätsvoller Journalismus und wer macht ihn auf welche Art und Weise? – Der beliebte österreichische TV-Moderator Armin Wolf gibt in Vorlesungen und Reden Auskunft.

Armin Wolf ist einer der Stars unter den österreichischen TV-Nachrichten-Moderatoren, weil er verhältnismäßig scharfe Live-Interviews führt, auf Twitter und Facebook aktiv ist – und weil er in seiner Dankesrede für den Robert-Hochner-Preis seinen Arbeitgeber, den ORF, angegriffen hat. Beliebt sind auch seine launig-humorvollen Abmoderationen der Nachrichtensendung ZiB2.

Und so mussten seine Theodor-Herzl-Vorlesungen an der Universität Wien von einem kleinen Saal ins Audimax verlegt werden, um die Interessierten alle unterzubringen. Dort hat er nun Vorträge über Politiker-Interviews und die sich verändernde Mediennutzung gehalten – und über die Frage, ob wir JournalistInnen überhaupt noch brauchen.

Auswählen

Diese Frage hat er eindeutig mit Ja beantwortet. Denn er ist der Überzeugung, dass nur Profis die Ausbildung und die nötigen Ressourcen haben, um ihrem Job als KuratorInnen nachgehen zu können: Diejenigen, denen „Sie zutrauen, dass sie für Sie auswählen, welchen Informationen Sie Ihre begrenzte Zeit und Aufmerksamkeit widmen sollten.“ Nachsatz: „Das ist keine Machtposition mehr – sondern eine Dienstleistung.“

Wolf macht sich natürlich auch Gedanken über die Finanzkrise der Medienhäuser: Dass der Anzeigenmarkt eingebrochen ist und dass die Kleinanzeigen ins Internet verschwunden sind. Und er fragt, ob man Qualitätsjournalismus nicht (mehr) subventionieren sollte, weil er „in einer Demokratie tatsächlich ein notwendiges öffentliches Gut ist.“

Trau, schau, wem

In seiner ersten Vorlesung hat er aus zahlreichen gesicherten Quellen zitiert, wie sehr sich die Mediennutzung in den letzten Jahren verändert hat. Dass junge Menschen kaum noch Printmedien lesen und auf dem Standpunkt stehen, „wenn die Nachricht so wichtig ist, wird sie mich finden“. Und dass sie, wenn ihnen die News wichtig sind, den öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten vertrauen, deren Nachrichten ansonsten nur mehr unsere älteren Mitbürger (regelmäßig) anschauen.

Die berühmte „Robert-Hochner-Preisrede“ über journalistische Freiheit und politischen Druck im ORF interessiert hoffentlich nicht nur ÖsterreicherInnen, und Wolfs Festrede für AbsolventInnen einer Journalismus-Fachhochschule ist wohl nicht nur für diese faszinierend. Wolf unterscheidet nämlich zwischen E-, U- und K-Journalismus. Die ersten beiden Begriffe hat er sich aus der Musik ausgeborgt: ernster (oder Qualitäts-) und Unterhaltungs-Journalismus.

Was sich als Journalismus tarnt

Diese Unterscheidung braucht wohl nicht näher erklärt zu werden. Aber was ist K-Journalismus?

K-Journalismus gibt es in unterschiedlichen Varianten: als Kommerz-Journalismus und als Kampagnen-Journalismus. K-Journalismus vertritt nicht die Interessen der Leser, Seher oder Hörer – indem er ihnen hilft, die Welt besser zu verstehen. Sondern das ist etwas, das sich als Journalismus tarnt. Kommerz-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Anzeigenkeilerei, Kampagnen-Journalismus ist als Journalismus verkleidete Politik.

Das kennen wir alle; vielleicht (noch) nicht als Begriffe, aber besonders der Kommerz-Journalismus nimmt – in diesen wirtschaftlich angespannten Zeiten – immer mehr überhand. Das ist in vielerlei Hinsicht eine bedenkliche Entwicklung, und wir sollten uns zumindest im Klaren darüber sein, womit wir es zu tun haben.

„Bitte seien Sie nett zu mir!“

Den Fachhochschul-AbsolventInnen hat es Wolf jedenfalls eindringlich dargelegt – und seine Rede mit einer seiner beliebten Abmoderationen beendet: „Und falls Sie mal mein Chef oder meine Chefin werden sollten: Bitte seien Sie nett zu mir!“

Von Werner Schuster

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Infos:

Armin Wolf, geboren 1966 in Innsbruck, arbeitet seit 1985 für den ORF und moderiert seit 2002 das Nachrichtenmagazin ZiB 2. Der stellvertretende Chefredakteur der TV-Information war politischer Reporter und USA-Korrespondent und wurde vor allem für seine Live-Inteviews vielfach ausgezeichnet, u. a. als „Journalist des Jahres“, mit dem Concordia-Preis und dem Robert-Hochner-Preis. Wolf hat Politikwissenschaft und Business Administration studiert (Dr. phil., MBA) und zwei Bücher veröffentlicht: „Promi-Politik“ (2006) und „Image-Politik“ (2007). Er unterrichtet regelmäßig an Universitäten und Fachhochschulen.

Mehr über Armin Wolf bei Wikipedia.

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