07/07/2010von 463 Views – 0 Kommentare

Hyland, M. J.: Wie ein Mord geschieht

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Buchcover

  • Roman
  • Hardcover (Piper, 2010)
  • Aus dem Englischen von Ingo Herzke
  • Originalausgabe: „This Is How“, 2009


Inhalt:

„Nachdem seine Verlobte ihn verlassen hat, zieht Patrick Oxtoby an einen entlegenen Küstenort. Dort findet der leidenschaftliche Mechaniker Arbeit in einer Autowerkstatt. Er würde sich gerne mit seinem Zimmernachbar anfreunden, dem studierten und gut aussehenden Ian aus London. Doch sobald Ian ihm gegenüber steht, empfindet Patrick nur noch Wut auf ihn. Im Glauben, dass Ian ihm sein kostbares Werkzeug weggenommen hat, schlägt er ihm eines Nachts mit einem Schraubenschlüssel auf die Schläfe.“ (Pressetext)

Kurzkritik:

Dieser Bericht eines Mörders ist lesenswert, auch wenn er in zwei Teile zerfällt und keinen befriedigenden Schluss hat.

Werner gibt  ★★★¾☆  (3,75 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Patricks Wahn

Der Titel dieser Besprechung ist eine Hommage an Patricia Highsmith, an deren „Whydunit“-Stil mich „Wie ein Mord geschieht“ stark erinnert hat. Das Buch ist spannend, auch wenn wir den Mörder kennen und auch wenn es nur kurz darum geht, ihn zu stellen und zu überführen.

Hyland lässt Patrick Oxtoby selbst erzählen, wie er sich – von einer Beziehung enttäuscht – in einen kleinen Küstenort zurückzieht. Von Anfang an spürt man, dass mit ihm etwas nicht stimmt, obwohl man schwer benennen könnte, warum und was. Einerseits wirkt Patrick wie ein verunsicherter Jugendlicher, der sich cool und unantastbar gibt, andererseits wird man den Eindruck nicht los, dass er ständig kurz vor einem Gefühlsausbruch und/oder einer Affekthandlung steht.

Patricks Werkzeug

Er quartiert sich in einer Pension ein, fühlt sich von deren junger Besitzerin und den anderen Gästen angezogen: Die sind etwa gleich alt wie er, allerdings gebildeter und vermögender. Nimmt er ihnen das wirklich übel? Man weiß es nicht.

Sicher weiß man, dass er auf sein Werkzeug aufpasst, als würde er seinen Augapfel hüten.

Er ist ein sehr begabter Automechaniker, nur leider ist sein Job nicht so sicher, wie er angenommen hat. Er will auch nicht sehen, dass die Kellnerin, in die er sich verschaut hat, zu alt für ihn ist. Da er alles „zu persönlich“ nimmt, macht ihm auch deren freundliche Zurückweisung zu schaffen.

Patricks Schraubenschlüssel

Und dann glaubt er, dass sich jemand aus der Pension an seinem Werkzeug zu schaffen gemacht hat, und schlägt auf einen schlafenden Mitbewohner mit einem Schraubenschlüssel ein. Der stirbt.

Patrick benachrichtigt die Vermieterin und läuft davon, aber das kann man kaum Flucht nennen. Er wird von der Polizei gestellt und verhaftet. Wir befinden uns auf Seite 158 des 390 Seiten starken Romans, dessen zweiter Teil in Gefängnissen und vor Gericht spielt.

Patricks Mord

Ich könnte das weiter nacherzählen, ohne zu viel zu verraten. Denn in diesem Buch geht es nicht um Whodunit oder um überraschende Wendungen, sondern um das Psychogramm eines Menschen. Patrick gibt seine Tat zu, glaubt aber nicht, einen Mord begangen zu haben, und fasst es nicht, dass er von einem Geschworenengericht für schuldig befunden wird.

Es wirkt alles folgerichtig in diesem Buch, und dennoch könnte ich nicht sagen, warum Patrick seinen Mitbewohner erschlagen hat, oder was (nicht) passieren hätte dürfen, damit er nicht zum Mörder geworden wäre. Was ist Anlage und was wird vom Zufall bestimmt?

Patricks Gefängnisleben

Patrick jedenfalls muss sich ins Gefängnisleben einfinden, und Hyland lässt ihn dieses auf eine Art beschreiben, dass man es für authentisch hält. Mir war gleichgültig, dass dieses Buch gewissermaßen in zwei disparate Teile zerfällt, die bis zu einem gewissen Grad auch ohne einander auskommen würden.

Weiters treibt das Buch auf kein erlösendes Ende zu und bietet auch keines an. Das ist zwar – angesichts der vielen sich gleichenden Showdowns – wohltuend, nur finde ich den Schluss in diesem Fall nicht wirklich befriedigend. Es hört auf, könnte aber genausogut weitergehen.

Dennoch bleibt „Wie ein Mord geschieht“ ein beeindruckendes, beunruhigendes und empfehlenswertes Werk.

Von Werner Schuster

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Infos:

Eine Leseprobe (PDF).

M. J. Hyland, 1968 in London als Tochter irischer Eltern geboren, studierte Jura und Englische Literaturwissenschaft in Melbourne und ging 2005 zurück nach Großbritannien. „Die Liste der Lügen“, nach „Schlaflos“ ihr zweiter Roman, wurde mit dem Encore Prize 2007 sowie mit dem Hawthornden Prize 2007 ausgezeichnet. Außerdem stand der Roman auf der Shortlist des renommierten Booker Prize, wurde sowohl für den Commonwealth Writers‘ Prize als auch für den Orange Prize nominiert und in über 18 Sprachen übersetzt.

Mehr über M. J. Hyland auf www.mjhyland.com.

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