04/12/2010von 1.075 Views – 0 Kommentare

Nizon, Paul: Am Schreiben gehen #1

KurzinfoWas meinen Sie?ZusammenfassungInfos

  • Frankfurter Vorlesung Nr. 1
  • Taschenbuch
  • Erschienen 1985 bei Suhrkamp


Inhalt:

Paul Nizon hat, als Gastdozent für Poetik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt im Sommer 1984, seine Vorlesungen unter den Titel gestellt: „Am Schreiben gehen“. Mit dieser Formulierung bezieht er sich auf seine Art „Schreibfanatismus“, seinen „Krückstock“. „Weder Lebens- noch Schreibthema, bloß Matiere, die ich schreibend befestigen muß, damit etwas stehe, auf dem ich stehen kann.“ Er versteht sich als einen „vorbeistationierenden Autobiographie-Fiktionär“. Das Passantische im Wort „vorbeistationieren“ meint ein „vorübergehendes Ansässigsein“. (Pressetext)

Kurzinfo:

Dass Nizons „Jahr der Liebe“ Thema des Zentralabiturs 2011 ist, war ausschlaggebend dafür, „Am Schreiben gehen“ nochmals zu lesen (und für die AbiturientInnen aufzuarbeiten).

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Zusammenfassung:

Vorbemerkung

Ich bin bekennender Nizon-Fan (was mit Facebook überhaupt nichts zu tun hat). Ich taste mich von Buch zu Buch an diesen Autor heran – und ich überprüfe von Rezension zu Rezension meine Ansprüche als Kritiker.

Seit einem Jahr kann ich „den gesamten Nizon“ in Händen halten (in Form der „Romane, Erzählungen, Journale“, die bei Suhrkamp/Quarto herausgekommen sind). Anstatt darin zu lesen, habe ich mir damals Nizons Frankfurter Vorlesungen „Am Schreiben gehen“ gekauft (diese sind im „gesamten Nizon“ nicht enthalten). Einerseits wollte ich Nizon als Schriftsteller näher kennenlernen, andererseits mir ein geeignetes Rüstzeug für meine weiteren Besprechungen aneignen.

Zentralabitur 2011

Jetzt ist ein Jahr vergangen, und dass Nizons „Das Jahr der Liebe“ Thema des Zentralabiturs 2011 ist, war ausschlaggebend dafür, „Am Schreiben gehen“ nochmals zu lesen (und für die AbiturientInnen aufzuarbeiten).

Dann „Am Schreiben gehen“ soll laut Nizon „die Vorgänge des Keimens und mählichen Gestaltannehmens eines Stoffes bis zur Buchwerdung am Beispiel des Romans ,Das Jahr der Liebe‘“ erhellen. Die Lektüre der Vorlesungen könnte meines Erachtens auf jeden Fall den Eindruck entkräften, Nizon habe bei seinem 1981 erschienen Roman einfach drauflos geschrieben. Oder zeigen, mit wie viel Mühe jemand ein Werk erschafft, das nicht nur AbiturientInnen unter Umständen nicht lesen wollen.

Über die erste Vorlesung

Mein van Gogh. Mein innerer Walser

In der ersten Vorlesung „Mein van Gogh. Mein innerer Walser. Über Quellen“ berichtete Nizon 1984 in Frankfurt über seine prägenden Gestalten Robert Walser und Vincent van Gogh. Beiden attestierte er eine „Kompensation fehlender Voraussetzungen, wenn nicht eines richtiggehenden Mankos“. An Walser faszinierte ihn, dass man „auch ohne Anliegen, Inhalt, ohne Botschaft, ja überhaupt ohne nennenswerte Thematik dennoch ein Schreibgeschäft betreiben und am Leben erhalten kann – mit nichts als Sprache!“, an van Gogh das Existentielle, die „mediale, halluzinatorische Pinselschrift“.

„Beide haben sie eines nicht gekannt: die irdische Liebe.“

Nizon beschrieb sein Buch „Stolz“: „Der Protagonist zieht sich mit einer Studienarbeit über Vincent van Gogh in einen Spessarthof zurück, um da von den idealen Klausurverhältnissen zu profitieren. Statt zu arbeiten, verfällt er in eine immer größere Schläfrigkeit. Die bricht sich krankhaft Bahn und lässt ihn im Winterwald erfrieren, verschwinden.“ – Das Buch war „als Zwischenbuch konzipiert, ich wollte für mich endlich das auktoriale Erzählen ausprobieren“.

„Mit Stolz glaubte ich mich von meinem inneren Walser emanzipiert zu haben, aber ich täuschte mich.“ Er fand in sich immer noch „die schläfrige Ichgefangenschaft eines Stolz-Nizon“.

Nizon sprach über das Tagträumen („ist eine Form von Lebensverliebtheit, ein Schwangergehen mit Ahnung“), ihm machte „schreckliche Auseinanderfallen von Kunst und Leben“ in den Künstlervita von Walser und van Gogh zu schaffen. Und: „Es war in meiner ersten Pariser Zeit, einer Zeit des Alleinseins und tiefer Verstörung, und ich ging auf die Fünfzig zu.“

Von Werner Schuster

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Infos:

Paul Nizon ist der Sohn eines russischen Chemikers, seine Mutter stammte aus Bern. Nach der Reifeprüfung studierte er Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Germanistik an den Universitäten in Bern und München. 1957 wurde er mit einer Arbeit über Vincent van Gogh (Der frühe Zeichnungsstil. Untersuchung über die künstlerische Form und ihre Beziehung zur Psychologie und Weltanschauung des Künstlers) zum Dr. phil. promoviert. Anschliessend war er bis 1959 als wissenschaftlicher Assistent am Historischen Museum in Bern beschäftigt. 1960 hielt er sich als Stipendiat am Schweizer Institut in Rom auf. 1961 war er leitender Kunstkritiker der Neuen Zürcher Zeitung. Er gab den prestigeträchtigen Posten für ein unsicheres Leben in der Literatur auf. Der dazugehörige Entscheidungsprozess findet sich literarisch gespiegelt in Untertauchen. Protokoll einer Reise (1972).
Seit 1962 ist Nizon, der seit 1977 in Paris lebt, als freier Schriftsteller tätig. Er hatte verschiedene Gastdozenturen inne, etwa 1984 an der Universität Frankfurt am Main und 1987 an der Washington University in St. Louis.
Paul Nizon gehört seit 1971 dem Autorenverband Autorinnen und Autoren der Schweiz und seit 1980 dem Deutschschweizer P.E.N.-Zentrum an. Nizons Archiv befindet sich im Schweizerischen Literaturarchiv in Bern.

Mehr über Paul Nizon: bei Wikipedia und beim Suhrkamp-Verlag.

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