22/12/2009von 1.010 Views – 1 Kommentar

Die Eselsohren-Bestenliste 2009

Logo GoldeselAus den 2009 beinahe 200 besprochenen Büchern haben wir jene 20 ausgewählt, an die wir uns am meisten und am besten erinnern konnten.

  • Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten (Droehmer)
    Diese „Bekenntnisse eines Bibliomanen“ seien bibliomanen und andere LeserInnen nachdrücklich empfohlen.
     
  • Burkhardt/Herbold: Es gibt Piraten (kunstanstifter)
    Dieses Bilderbuch für Erwachsene beinhaltet die Schilderung des betrüblichen Lebens von Lili Lillersen. Es geht aber alles gut aus. Nunja, es geht aus; man kann nicht sagen, ob gut oder schlecht. Kommt wahrscheinlich auf das Auge des Betrachters an.
     
  • Michael Chabon: Die Vereinigung jiddischer Polizisten (dtv, KiWi)
    Ich tat mir schwer, dieses herausragende Buch zu loben, weil es aus allen Rahmen fällt. Für einen Krimi ist es zu literarisch, für Literatur zu unterhaltsam, für Unterhaltung zu anspruchsvoll – und dann macht es sich noch, wenn auch liebevoll, über „die Juden“ lustig.
     
  • Daniel Depp: Stadt der Verlierer (C. Bertelsmann)
    Witzig, traurig, großartig, aber noch nicht besprochen. Ein schwarzer Hollywood-Krimi.
     
  • Hans Magnus Enzensberger: Hammerstein oder der Eigensinn (Suhrkamp)
    „An Hand der Geschichte der Familie Hammerstein lassen sich auf kleinstem Raum alle entscheidenden Motive und Widersprüche des deutschen Ernstfalls wiederfinden und darstellen“, meint nicht nur Enzensberger.
     
  • Neil Gaiman: Coraline (Heyne, Arena)
    „Das ist eines meiner Lieblingsbücher“, sagt Flora Schuster. „Es handelt von einem Mädchen, das plötzlich eine zweite Mutter hat. Mit Knopfaugen!“
     
  • Die Geschichte der Kunst (Ueberreuter)
    Für Kinder, Eltern und alle anderen auch. Obwohl nur 125 Seiten schlank, ist dieser Band umfassend informativ – und übersichtlich: Viele Kurztexte und Infokästen vermitteln das Wesentliche, und dennoch bleibt noch genügend Platz für jede Menge Abbildungen und anschauliche Illustrationen.
     
  • Joey Goebel: Heartland (Diogenes)
    Eine Mischung aus (dem jungen) John Irving und Dostojewski mit einer feinen Prise Boyle.
     
  • Annegret Held: Fliegende Koffer (Eichborn)
    Ein poetisches, sehr privates Buch, so als dürft man eine Zeitlang im Kopf und Herzen von Anette sitzen und eine schwierige Phase ihres Lebens detailliert mit allen Gefühlen und Ängsten beobachten.
     
  • Aleksandar Hemon: Lazarus (Knaus)
    Hemon hat sich von einer wahren Begebenheit inspirieren lassen (1908 wurde in Chicago ein vermeintlicher Anarchist vom Polizeichef erschossen) und hat die Möglichkeiten, welche in dieser Idee geschlummert haben, voll ausgeschöpft.
     
  • Toni Jordan: Tausend kleine Schritte (Piper)
    Hier geht‘s um eine Frau, die seit einem einschneidenden Erlebnis alles zählen muss, um sich sicher zu fühlen. Sie ist ein 10er-Typ und sieht sich auch gezwungen, zehn Bananen oder Zahnbürsten und dergleichen einzukaufen. Aufgrund solcher Verhaltensauffälligkeiten hat sie auch ihren Job verloren und zählt sich jetzt so durch ihr einsames Leben. – Ein witziges Buch, das ans Herz geht.
     
  • Hédi Kaddour: Waltenberg – Kapitel 1 bis 6 (Eichborn)
    Ein Meisterwerk, das ich mir in jeweils zwei Kapiteln verabreiche. Thema: Das 20. Jahrhundert.
     
  • Eduardo Labarca: Der köstliche Leichnam (Drava)
    Eine Diktatur in Südamerika, mit – nicht umsonst heißen die Kapitel „Visionen“ – einem magischen Realismus erzählt, der weniger süffig als etwa der von Garc√≠a Márquez ist, aber auch nicht wirklich sperrig.
     
  • Walter Moers: Die 13¬Ω Leben des Käpt‘n Blaubär (Goldmann)
    Die halben Lebenserinnerungen eines Seebären, mit zahlreichen Illustrationen und unter Benutzung des Lexikons der erklärungsbedürftigen Wunder, Daseinsformen und Phänomene Zamoniens und Umgebung von Prof. Dr. Abdul Nachtigaller.
     
  • Paul Nizon: Romane, Erzählungen, Journale (Suhrkamp)
    Der von mir sehr geschätzte Paul Nizon hat immer an einem Buch geschrieben. Jetzt liegt es vor – mit 1.488 Seiten.
     
  • Louise Penny: Der grausame Monat (Limes)
    Dieser typische „Whodunit“-Krimi scheinbar ohne hohen Anspruch (der offenbart sich sehr subtil und erst mit der Zeit) hat großes Suchtpotenzial durch die freundliche Einladung, tief in eine plastisch beschriebene heile Welt (gekonnt gewürzt mit grausamen Verbrechen) einzutauchen.
     
  • José Manuel Prieto: Die kubanische Revolution und wie erkläre ich sie meinem Taxifahrer (Suhrkamp)
    Wer will, kann sich von Prieto fragen lassen, warum man die ohnedies bekannten Fakten (Menschenrechtsverletzungen, ökonomische Dauerkrise, niedriger Lebensstandard etc.) denn nicht als das verstanden hat, was sie sind: Hinweise auf bloß eine weiteres diktatorisch geführtes Dritte-Welt-Land, das allerdings gute medizinische Versorgung und ein hohes Bildungsniveau aufzuweisen hat.
     
  • Matt Ruff: Bad Monkeys (dtv, Hanser)
    Sie töten die Bösen – oder doch nicht? Und: Wie böse sind sie selbst? – Ich habe noch kein Buch mit so vielen tatsächlich überraschenden Wendungen gelesen, mit einer dermaßen haarsträubenden und zugleich überaus unterhaltsamen geschriebenen Story.
     
  • Ferdinand von Schirach: Verbrechen (Piper)
    Paradox: Die distanzierte Sprache Ferdinand von Schirachs erzeugt bei den LeserInnen eine Nähe zu den beschriebenen VerbrecherInnen.
     
  • Hitonari Tsuji: Der weiße Buddha (Piper)
    Alle sterben, Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Alte, auch der Büchsenmacher, die Hauptfigur dieses Romans. Wenige Tage vorher sagt er, der Tod besitze „eine Tiefe, die über das menschliche Denken und Sein hinausgeht. – Er ist auch im Leben immer ganz in unserer Nähe und gehört ebenso zu uns wie das Leben.“ Das ist gewiss nichts Neues, doch mit diesem wunderbaren Buch leichter annehmbar als gewöhnlich.
     

Zeit zum Lesen
wünscht
Werner Schuster

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