Djian, Philippe: Doggy Bag. Eins
Ich bin wohl nicht die Zielgruppe von Philippe Djians Buch-Soap „Doggy Bag“.
Warum ohne Werbepausen?
Wie man an meinen ca. zwei Buchbesprechungen pro Woche erkennen kann, bin ich nicht der Typ, der vorm Fernseher abhängt und sich Talkshows und Serien ansieht. In der Regel halte ich TV für eine auf Dauer frustrierende Beschäftigungstherapie.
Ausnahme derzeit: „In Treatment“. Denn es macht halt einen Unterschied, ob kamerageile Privatmenschen talken oder brauchbare Schauspieler Schema-F-Serien routiniert darbieten oder ob hervorragende Schauspieler in mehrdimensionale Rollen schlüpfen.
Der langen Rede kurzer Sinn: Ich hätte mir selbst sagen können, dass ich wohl nicht die Zielgruppe von Philippe Djians „Doggy Bag“ bin.
Der Klappentext hätte mir Gewissheit geben können: „Ich versuche mich auf demselben Terrain durchzukämpfen, auf dem sich das Fernsehen bewegt, und ich versuche die zurückzuerobern, die kein Buch mehr aufschlagen und nur noch auf den Bildschirm starren.“ Noch dazu, wo ich nicht Djians Meinung bin. Ich denke, es gibt Leute, die lesen, und Leute, die fernsehen, und dann gibt es noch diejenigen, die mehr oder weniger beides tun.
Dauer-Action und Immer-Sex
Djian jedenfalls imitiert in „Doggy Bag“ das Seriengeplänkel mit seinen zwei parallel geführten Problemchen und den kurzen Szenen und harten Schnitten perfekt. Dazu denken muss man sich nur die Lachkonserve und die Werbepausen (– warum eigentlich? Kleine Werbeflächen wären nicht nur originell, sondern wohl auch einträglich gewesen). Dafür bekommt man Dauer-Action und Immer-Sex und gehässige Dialoge gewissermaßen auf dem Tablett serviert.
Es geht um die Brüder David und Marc, beide Mitte vierzig und Chefs eines Autohauses für eher Betuchte, um ihre Geliebten und um beider Ex-Geliebte Edith, die wieder (und mit missratener Tochter) in ihre Heimatstadt zurückkehrt, sowie um die Nicht-Vorzeige-Eltern der Autobrüder. In Saison 2 wird dem Vernehmen nach geheiratet, in der nächsten gibt‘s eine Entführung, dann geht‘s überraschenderweise um Sexsucht, und im letzten Teil wird Weihnachten gefeiert. Aber: Wer mit wem und wie?
Der ganze „Doggy Bag“ hat jedenfalls ca. 1.800 Seiten und wird in sechs Teilen verabreicht. Wer immer es braucht, wird viel Spaß damit haben.
Von Werner Schuster
Infos
Aus dem Französichen von Uli Wittmann
Taschenbuch: Diogenes, 2009
(„Doggy Bag. Saison 1“, 2005)
Über Philippe Djian bei Wikipedia,
mehr von Diogenes bei „Eselsohren“.
„Doggy Bag. Eins“ ist erhältlich bei amazon.de.










Sorry, aber wer den Stil von Djian mag, der kommt auf seine Kosten. Sicherlich kommt die Soap nicht an einigen vorherig geschrieben Büchern voran.
aber besser als tv ist das buch allemal!