26/10/2009von 555 Views – 0 Kommentare

Enzensberger, Hans Magnus: Über Literatur

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Buchcover Über Literatur
Erschienen 2009 bei Suhrkamp
Inhalt:

Jahrzehntelang blieben sie unveröffentlicht: Hans Magnus Enzensbergers Frankfurter Poetikvorlesungen aus dem Wintersemester 1964/65. Ausgehend von diesem umfangreichen Text, werden Enzensbergers Schriften zur Literatur aus einem halben Jahrhundert erstmals in einem Band zusammengeführt. Lückenlos versammelt sind seine Essays und die vielen freundlichen, traurigen und bösen Auseinandersetzungen mit Klassikern und Zeitgenossen – manches davon bisher ungedruckt. Aus der Vielzahl der Rezensionen hat der Autor selbst eine Auswahl getroffen. (Pressetext)

Kurzkritik:

Beinahe hätte mir Enzensberger das Bücher-Kritisieren ausgetrieben.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Rezensenten-Dämmerung

Er sagt es ja selber: „Fast eintausend Seiten Schriften zur Literatur? Ist das nicht zuviel des Guten?“ – Aber nein, Herr Enzensberger, das wäre es nur für Leute, die ein Buch wie dieses entweder auf einmal oder nie lesen. Und für solche ist die wunderbare Reihe Quarto im Suhrkamp-Verlag ohnedies nicht gemacht.

Und weil Ausnahmen angeblich die Regel bestätigen („Klappentexte abschreiben kann bald jemand. Die hier besprochenen Bücher wurden wirklich gelesen. Das beweisen die vielen ,Eselsohren‘.“), schreibe ich diese Empfehlung, obwohl ich erst sechs Seiten gelesen habe.

Vor dem Enzensberger-Schock

Diese hatten es allerdings in sich. Enzensberger rezensierte 1959 Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“, und dagegen, dachte ich, nimmt sich meine Besprechung (siehe hier) einigermaßen bescheiden aus. Eigentlich erging es mir beim Enzensberger-Lesen wie einem eifrigen Klavierspieler, der ein Konzert von, sagen wir, Horowitz besucht hat und danach mit dem Spielen aufhören wollte.

Ich lasse meine Ausrede nicht gelten, dass man online keine langen Texte schreiben soll. Weil Enzensberger gelang es bereits kurz nach Erscheinen des Romans, diesen in einen größeren Zusammenhang zu stellen. Er behauptete, dass es im getrennten Deutschland sehr wohl eine gesamtdeutsche Literatur gegeben habe, und bewies dies an Hand eines Romans, der gerade beide Deutschland zum Thema hat.

Während des Enzensberger-Schocks

Und er hat die „Mutmaßungen” treffsicher beschrieben. Z.B.: „Ein dummer Lektor hätte ihn (Johnson; Anm.) abfangen und das Buch leicht auf den doppelten Umfang bringen können. Er hätte nur die entbehrlichen Glieder, das unsichtbar Mitgedachte, auszuschreiben brauchen, um den Text zu einer Eigenschaft zu verhelfen, die er sich verbittet: Glätte.“ Und: „Das Drittel der Lebenszeit, das im Beruf des Menschen aufgeht, wird hier nicht achselzuckend abgetan und zur Seite geschoben, um Platz fürs allein erzählenswerte Private zu schaffen.”

Doch dann: Nachdem ich dies (ab-)geschrieben hatte, las ich meine eigene Kritik („Schon im Titel drückt Johnson seine Zweifel aus, einen Menschen ,wirklich‘ beschreiben zu können, und liefert stattdessen so etwas wie Bruchstücke eines zersplitterten Spiegels. Man darf sich auch keine allgemein gültige Beschreibung der DDR erwarten. Selbst wenn Johnson in seinem Werk stets die ,beiden Deutschland‘ thematisiert hat, so dürfte er doch nie die Absicht gehabt haben, der Nachwelt nett zu lesende historische Romane zu hinterlassen.“) und dachte, so schlecht ist die doch gar nicht.

Nach dem Enzensberger-Schock

Und da ich mich also von meinem Schock erholt habe, werde ich mir nach und nach andere Beiträge aus diesem voluminösen Band zu Gemüte führen. Enzensbergers Frankfurter Poetik-Vorlesungen etwa sind bisher nicht veröffentlicht worden. Es gibt „Überlegungen zur Lage“ (z.B. die „Rezensenten-Dämmerung“ mit den Einleitungssätzen „Seit wann gibt es Kritiker? Seit wann gibt es keine Kritiker mehr?“), Klassiker-Besprechungen, „Tages Kritik“, sog. „Albumblätter“, „In eigener Sache“ und zum Abschluss die „Einladung zu einem Poesie-Automaten“ aus dem Jahre 2000.

Frage nicht, was mir zu den restlichen 918 Seiten alles einfällt!

Von Werner Schuster

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Infos:

Über Hans Magnus Enzensberger bei Wikipedia.

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