Hans Christoph Buch: Sansibar Blues
oder: Wie ich Livingstone fand
Roman
Hardcover: Eichborn, 2008
Kleiner als die Summe
Wahrscheinlich hatte ich mir etwas in der Art von Boyles „Wassermusik” erwartet, dass mich „Sansibar Blues” nicht überzeugt hat. Oder die wunderbare Gestaltung des Buches (mit historischen Fotografien) war allzu viel versprechend. Oder es ist die „Dreiteilung” (drei Geschichten werden in je zwei Teilen hintereinander erzählt), die den Zugang zu dem Roman erschwerte. Oder H. C. Buch ist der Mix aus Fakten und Fiktion nicht so recht gelungen.
Denn „Sansibar Blues” ist vorwiegend ein Tatsachenroman – über ein deutsches Jahrhundert auf Sansibar – mit ein wenig Übertreibung oder Erfindung, wobei das Unglaubliche wahrscheinlich oder angeblich wahr ist. Ist dann das Wahrscheinliche erfunden, hab ich mich beim Lesen gefragt – und hätte lieber ein Sachbuch gelesen oder einen historischen Roman (bei dem klar ist, dass er das Historische verfälscht).
Jedenfalls lernen wir ausschließlich phantastische Gestalten kennen: den Sklavenhändler Tippu Tipp (der Stanley und Livingstone durch Afrika führte), die Tochter des Sultans von Sansibar (welche nach ihrer Heirat als Emily Ruete mit einem Deutschen in Hamburg und Berlin als Kuriosität bestaunt wurde) und einen DDR-Diplomat, der auf Sansibar Zeuge eines rassistischen Massakers an Arabern wird.
Ich kann nicht recht sagen, was diese drei Handlungen miteinander zu tun haben, außer dass sie auf Sansibar spielen (oder damit zu tun haben). Jede für sich ist interessant und gekonnt erzählt. Aber das Ganze ist mir gewissermaßen kleiner als die Summe ihrer Teile.
Und das Nachwort hätte sich Buch meiner Ansicht nach schenken sollen: Wenn er mit seinem Roman nicht erzählen konnte, warum sich die Sansibari nach der brutalen Kolonialzeit zurücksehnen, dann hätte er besser doch ein Sachbuch geschrieben.
Sansibar Blues bei Amazon.
Über Hans Christoph Buch bei Wikipedia,
mehr von Eichborn bei „Eselsohren”.


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