F. & J. Kellermann: Schwere Schuld
& Der Wächter meiner Schwester
Zwei Krimis in einem Band
Aus dem Amerikanischen von Jochen Stremmel
Taschenbuch: Goldmann, 2008
(„Capital Crimes. Berkeley: My Sister’s Keeper”/„Nashville: Mucic City Breakdown”, Ballantine Books, 2006)
Rocker und Lesbe
Schwere Schuld
Das Setting erscheint viel versprechend: Die Rocklegende Jack Jeffries, eine charismatische Persönlichkeit einerseits und ein ziemliches Schlitzohr andererseits, plant ein Comeback in der Musikstadt Nashville. Leider wird daraus nichts; Jeffries wird kurz vor seinem Auftritt ermordet aufgefunden. Das sorgfältig eingeführte Ermittlerduo Baker Southerby und Lamar van Gundy (natürlich zwei gegensätzliche Charaktere) machen sich an die Aufgabe, unter den vielen, vielen Verdächtigen den Täter/die Täterin herauszufinden.
Dabei erfährt man viel über die turbulente Vergangenheit des Rockstars, dessen umtriebiges Leben die eine oder andere familiäre Katastrophe ausgelöst zu haben scheint, aber auch einiges aus dem Leben der Ermittler, was zwar den Suspense-Faktor erhöht, aber am Ende auch Ratlosigkeit auslöst: Ich fragte mich, warum hat mir Kellerman das jetzt alles erzählt? – da schlängelt sich ein Handlungsstrang ziemlich verloren ins Nichts. Alles in allem ein Krimi mit interessanten Handlungspersonen, aber nicht sehr spannend und ohne große Überraschungen.
Der Wächter meiner Schwester
Was wie ein Frauenroman in munterem Plauderton beginnt, entpuppt sich nach und nach als recht passabler Krimi: Die bekannte progressive Abgeordnete Davida Grayson, bekennende Lesbe und nicht nur deshalb Zielscheibe der rechten Szene in Kalifornien, ist brutal ermordet worden, und, wen wundert es, wieder gibt es einen Haufen Verdächtige, aus dem Schwulen/Lesbenmilieu ebenso wie aus der politischen und natürlich der rechten Szene. Verwickelte Beziehungskisten und Familiendramas fehlen auch nicht.
Auch hier ermittelt ein Duo: die gebildete und reich verheiratete Amanda Isis und der etwas ungeschlachte William Tecumseh Barnes, ein ungleiches Paar mit unterschiedlichen Ermittlungsmethoden – und etlichen Meinungsverschiedenheiten, die die Handlung vorantreiben, die auch hier nicht rasend spannend ist. Aber das Buch ist amüsant, das Milieu ist gut beobachtet, die Personen sind erfrischend „knackig“ beschrieben, und als Frauenroman wär’s sogar ziemlich gut gewesen.
Resümee: Zwei Romane in einem Band, die sich auch gut in einem lesen lassen: kein Bruch in Stil und Mitteln, und im Mittelpunkt die Frage: Wer war’s?
© Eva Schuster
Schwere Schuld. Der Wächter meiner Schwester bei Amazon.
Über Faye Kellerman und über Jonathan Kellerman bei Wikipedia,
mehr von Goldmann bei „Eselsohren”.







