28/04/2008von 398 Views – 1 Kommentar

Grän, Christine: Heldensterben

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Buchcover
Roman
Hardcover: Eichborn, 2008
Taschenbuch: dtv, 2010
Inhalt:

In Wien hat Lucie ihren Beruf und ihre Berufung gefunden. Die Melange aus morbidem Weltschmerz und Fleischeslust, die den Geist der Stadt ausmacht, bietet die richtige Atmosphäre für ihr Lebenswerk: Die Literaturliebhaberin arbeitet an einer Porträtsammlung über namhafte Selbstmörder, wenn sie nicht gerade Nekrologe verfasst oder auf dem Zentralfriedhof Grabreden für Konfessionslose hält. Das Herz der Stadt in Lucies Welt ist nicht der Stephansdom oder das Burgtheater, sondern der Zentralfriedhof. Denn wo gestorben wird, wird in Wien auch gelebt! (Pressetext)

Kurzkritik:

Das mit mehr oder weniger resigniertem Lächeln aufgenommene Dauer-Scheitern hat für mich mehr mit Wien zu tun als Tod und (Zentral-)Friedhof. Die Figuren mit ihrer “Mixtur aus glorioser Schönheit und abgrundtiefer Gemeinheit, aus unerschöpflichem Vergnügen an der Intrige und der Lust des Fleisches, aus der unausrottbaren Vitalität und dem morbiden Weltschmerz” könnten einem hier auf Schritt und Tritt begegnen. Und auch der etwas träge und doch nicht spannungslose Roman verströmt mit seinem makabren Aberwitz viel wienerische Atmosphäre.

Werner gibt  ★★★¾☆  (3,75 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Lustvolles Dauerscheitern

Dieser Vergleich hinkt natürlich wie die meisten anderen, aber Christine Gräns “Heldensterben” hat mich ein wenig an Updikes Rabbit-Romane erinnert: Diese fixierten Charaktere, deren Wandlungen eigentlich nur an der Oberfläche passieren, diese undramatischen Zustandsbeschreibungen, bei denen das Forttreiben der Handlung relativ unwesentlich wird …

Nun, Gräns Sprache ist knapper, wenig poetisch als die Updikes, und ihr Wien – denn hier spielt der Roman – wird weniger an seinen sich verändernden Gegenden dingfest gemacht als an der angeblichen Todessehnsucht seiner Bewohner. – Damit hat sich der Vergleich auch schon.

Selbstmörderporträts von A bis Z

Das Personal von “Heldensterben” ist jedenfalls ausgesucht skurril: Die todessüchtige Lucie schreibt ein dickes Buch mit Selbstmörderporträts von A bis Z sowie Drehbücher für die Filme von Ludwig, einem Pornoproduzenten wider Willen, sowie Grabreden für die wunderschöne Anna, anfangs Darstellerin in Ludwigs Filmen. Anna ist eine Lesbierin, die mit einer österrechischen Politikerin liiert war (die Selbstmord begangen hat) und dann eine Beziehung mit dem unter Potenzproblemen leidenden Ludwig eingeht, der/die sich dann Ludovica nennt und über eine Geschlechtsumwandlung nachdenkt. Lucie schließlich kommt mit dem Alkoholiker Ado zusammen, der aus dem Polizeidienst hinausintrigiert wird und sich dann für Asylanten einsetzt. Und dann gibt es noch ein illustres Pensionistenheim-Quartett, das sich seine ohnedies nicht geringe Rente mit dem Verkauf von Sterbehilfen aufbessert (und zu dem die Mutter der Ex-Freundin von Anna gehört).

Vergnügen an der Intrige

Diese Geschichten gehen allesamt nicht gut aus (oder nur kleinteil-weise), und – weil Gräns Buch als “Wien-Roman schlechthin” angekündigt wird – dieses mit mehr oder weniger resigniertem Lächeln aufgenommene Dauer-Scheitern hat für mich mehr mit Wien zu tun als Tod und (Zentral-)Friedhof. Doch die Figuren mit ihrer “Mixtur aus glorioser Schönheit und abgrundtiefer Gemeinheit, aus unerschöpflichem Vergnügen an der Intrige und der Lust des Fleisches, aus der unausrottbaren Vitalität und dem morbiden Weltschmerz” könnten einem hier auf Schritt und Tritt begegnen. Und auch der etwas träge und doch nicht spannungslose Roman verströmt mit seinem makabren Aberwitz viel wienerische Atmosphäre.

Von Werner Schuster

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Infos:

Christine Grän wurde 1952 in Graz geboren. Die Journalistin wurde in den 90er Jahren vor allem durch ihre Krimiheldin Anna Marx bekannt und veröffentlichte unter anderem die Romane ›Dame sticht Bube‹, ›Die Hochstaplerin‹, ›Hurenkind‹ und ›Villa Freud‹.

Über Christine Grän auf ihrer Homepage.

1 Kommentar zu "Grän, Christine: Heldensterben"

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