05/10/2007von 475 Views – 0 Kommentare

Magris, Claudio: Blindlings

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Buchcover Magris Blindlings
Roman
Aus dem Italienischen von Ragni Maria Gschwend
Hanser, 2007
dtv, 2009
Inhalt:

Claudio Magris erzählt vom Untergang der Illusionen und dem blinden Eingreifen des Schicksals: Der dänische Abenteurer Jorgen Jorgensen und der italienische Kommunist Salvatore Cippico waren in unterschiedlichen Jahrhunderten zu Hause. Beide haben für ihre Ideale gekämpft, beide sind von den Ideologen ihrer Zeit betrogen worden. Magris verknüpft ihre Schicksale zu einer fulminanten Reise über die Meere und durch die Weltgeschichte. (Pressetext)

Kurzkritik:

Claudio Magris macht es einem in “Blindlings” sehr schwer. Die Handlung ist zersplittert, der Protagonist belässt einen im Unklaren, wer er nun eigentlich sein könnte, und noch dazu nimmt er auch fremde Identitäten an. Man kann überall in das Buch einsteigen und findet sich im gleichen Irgendwo wieder. Es ist nicht zu fassen.

Werner gibt  ★★★½☆  (3,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Im Irgendwo

In viele Bücher muss man sich erst “hineinlesen”. Manchmal dauert’s bloß den ersten Absatz lang, manchmal 20, manchmal auch 50 Seiten. Natürlich gibt es auch AutorInnen oder Werke, die einem verschlossen bleiben, weil man sie zu früh, zu spät, auf jeden Fall zum falschen Zeitpunkt liest. Oder man hat den Eindruck, die KünstlerInnen scheinen einen auf Distanz oder gar draußen halten zu wollen.

Claudio Magris macht es einem in “Blindlings” zumindest sehr schwer. Die Handlung ist zersplittert, der Protagonist belässt einen im Unklaren, wer er nun eigentlich sein könnte, und noch dazu nimmt er auch fremde Identitäten an. Man kann überall in das Buch einsteigen und findet sich im gleichen Irgendwo wieder. Es ist nicht zu fassen.

Spanischer Bürgerkrieg, Dachau,
Todesinsel Goli Otok

Ein gewisser Salvatore Cippico erzählt einem Doktor Ulcigai sein(e) Leben, die Stationen – unter anderen Australien, spanischer Bürgerkrieg, Dachau, Todesinsel Goli Otok – werden wie in einem unruhigen Wasser ständig hochgewirbelt und verschwinden sofort wieder unter der Oberfläche, zwischendurch taucht Cippico auch als dänischer Abenteurer Jorgen Jorgenson auf, und zum Festhalten gibt es Anspielungen auf die Argonautensage, Goldenes Vlies inklusive.

Geschrieben ist das stilistisch souverän – als Monolog Cippicos in einer herrlich kraftvollen und poetischen Sprache –, aber doch sehr exklusiv: Schwer zu sagen, wie viele sich mit diesem Buch für eine gute Weile in ein Refugium begeben würden, damit es sich ihnen dort nach und nach erschließe.

Von Werner Schuster

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Infos:

Claudio Magris, geboren 1939 in Triest, ist einer der bedeutendsten Germanisten und Schriftsteller Italiens. Nach seinem Studium in Turin und Freiburg/Breisgau war er bis 2006 als Professor für Deutsche Sprache und Literatur an der Universität Triest tätig. Als Essayist und Kolumnist für die italienische Tageszeitung ‘Corriere della Sera’ äußert er sich immer wieder zu Fragen unserer Zeit. Magris gehört zu den besten Kennern der mitteleuropäischen Literatur. Für sein literarisches Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Manès-Sperber-Preis (1987), den Premio Strega (1997), den Leipziger Buchpreis für Europäische Verständigung (2001), den Prinz-von-Asturien-Preis (2004), den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur (2005) sowie 2008 den Kythera-Preis und den Walter-Hallstein-Preis. 2009 wurde Claudio Magris mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt, 2010 wird er mit dem Europäischen Essay-Preis Charles Veillon ausgezeichnet. Er lebt in Triest.

Über Claudio Magris bei Wikipedia.

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