27/09/2007von 512 Views – 0 Kommentare

Müller, Walter: Schräge Vögel

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BuchcoverRoman
Jung & Jung
(2007)
Inhalt:

Eine seltsame Truppe trifft sich da im virtuellen Raum, Leidens-Genossen, die zwar nicht viel zu genießen haben, dafür aber auf einmal entdecken, wie freundlich man zueinander sein kann.Wie man überhaupt ein schräger Vogel wird? Indem es einen erwischt. Und die, um die es in diesem Buch geht, hat es ziemlich heftig erwischt, mit Krankheiten, mit denen sich mancher gar nicht mehr recht vor die Tür traut. Postings aber kann man immer schreiben, und wenn man erst mal die Foren gefunden hat, wo sich die austauschen, denen es ähnlich geht, dann kann das Schreiben auch über die unlustigsten Dinge bisweilen sehr lustig werden. (Pressetext)

Kurzkritik:

Würde man einer Aufforderung wie “Lesen Sie doch dieses großartige Buch über Krebskranke!” nachkommen? Ich habe da so meine Zweifel. Andererseits hat Walter Müller ein großartiges Buch über Krebskranke geschrieben, das sich eines raffinierten Tricks bedient. (Obwohl: Ist es ein Trick? Und ist “bedient” das rechte Wort?)

Werner gibt  ★★★★¼  (4,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Und dann hat der Krebs

Würde man einer Aufforderung wie “Lesen Sie doch dieses großartige Buch über Krebskranke!” nachkommen? Ich habe da so meine Zweifel. Andererseits hat Walter Müller ein großartiges Buch über Krebskranke geschrieben, das sich eines raffinierten Tricks bedient. (Obwohl: Ist es ein Trick? Und ist “bedient” das rechte Wort?)

Jedenfalls schreibt Müller über ein Online-Forum, in welchem sich Krebskranke austauschen. Besser gesagt: Er schreibt 250 Seiten lang nichts als Foren-Einträge, und das ist nicht nur – auch auf die Dauer – nicht langweilig, sondern ein geradezu geniales Mittel, um nicht rührselig zu werden und wenn doch, dann sind es ja die Krebskranken selber, oder um intim (oder auch witzig oder bösartig oder humanistisch-weise usw. usf.) werden zu können, denn es schreiben ja die Krebskranken selber, oder um nicht voyeuristisch zu wirken, denn es sind ja die Leser selber, die da im Forum herumschnüffeln.

Paradox

Mit diesem Trick (wenn es denn einer ist) gelingt es Müller, ein gerne beiseite geschobenes Thema konsumierbar zu machen, mit vielen verschiedenen Schicksalen und Stimmen und mit (schließlich ist es ja doch ein Roman) einer Hauptstory über einen Mann, der nicht wusste, dass er einen Halbbruder hat, und dann hat der Krebs.

Und es ist paradox: Gerade weil es ja nur ein Buch ist und gerade weil sich das alles ja nur im Internet abspielt, gelingt es einem von Seite zu Seite immer weniger, auf Distanz zu gehen. Man leidet mit. Man denkt nach. Ein großartiges Buch.

Von Werner Schuster

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Infos:

Walter Müller, Jahrgang 1950, lebt als freier Schriftsteller in Salzburg. Er hat bislang Romane, Erzählungen, Essays, Theaterstücke, Hörspiele und Kinderlieder veröffentlicht. Seine Arbeiten wurden mit vielen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Ingeborg-Bachmann-Förderpreis, dem Literaturförderpreis des Kulturfonds der Stadt Salzburg und dem Georg-Trakl-Arbeitsstipendium. Von 1990 bis 1997 war er Rauriser Stadtschreiber.Im Frühjahr 2003 erschien im Argon Verlag der Roman “Die Häuser meines Vaters”.

Über Walter Müller bei Wikipedia.

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