08/08/2007von 745 Views – 0 Kommentare

Doderer, Heimito von: Die Strudlhofstiege #1

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Cover Doderer Strudlhofstiege
oder Melzer und die Tiefe der Jahre

Roman
C.H.Beck, dtv
(1951)
Inhalt:

Im Mittelpunkt steht der Amtsrat und frühere Major Melzer, bei dem “im Oberstübchen das Licht nicht gerade sehr hell brennt”, der sich jeoch allmählich aus der Bequemlichkeit löst und zu eigenen Einsichten findet. Um diesen Kern gruppieren sich unzählige Gestalten aus der alten k.u.k. Monarchie und der jungen Republik Österreich: Bürger und Adelige, Männer und Frauen, Diplomaten, Offiziere, Beamte, Geschäftsleute, Angestellte und Handwerker aus dem Wien der Jahre 1910/11 und 1923 bis 1925. Scheinbar zufällig aus allen sozialen Schichten zusammengewürfelt und trotz ihrer vielfältigen Lebendigkeit sinnvoll aufeinander bezogen, fügen sie sich zu einem farbigen Panorama des ewig Menschlichen in Vergangenheit und Gegenwart. (Pressetext)

Kurzkritik:

Jedesmal, wenn ich in die Wiener Hadikgasse komme, denke ich daran, dass in Heimito von Doderers “Strudlhofstiege oder Melzer und die Tiefe der Jahre” geschildert wird, wie sich da ein Paar am Abend in den Vorgarten setzt. Das wäre dort heute angesichts des Menschen eigentlich unzumutbaren Autoverkehrs undenkbar.

Undenkbar ist die Welt der “Strudlhofstiege” heute nicht, aber mit der Gegenwart schwer in Zusammenhang zu bringen. Auch das Wienerische, das einem aus den über 900 Seiten entgegenschwappt, gibt es so nicht mehr. Hilde Spiel hat den Großstadtroman treffend beschrieben: Hier ist, wie in einem gewaltigen Spiegel, die letzte mürbe Reife einer jahrhundertealten Kultur eingefangen. Aber der Spiegel maskiert nur eine Tür, die ins Schloß gefallen ist.

Es ist ein Werk, das seine LeserInnen beansprucht. Leicht kann einem der Überblick verloren gehen über die Personenschar einer bürgerlichen, ehemals kleinadligen Gesellschaft, über die mit feiner Ironie ausführlich sezierten Szenen. Aber das macht gar nichts: Von etwas Ausuferndem (das tatsächlich streng komponiert ist) überwältigt, wird man in dieser untergegangenen Welt die conditio humana erkennen können, welche Doderer selbst im oberflächlichen Bildungsbürgertum aufzufinden beliebte.

Werner gibt  ★★★★★  (5 von 5 Eselsohren)

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Über Heimito von Doderer bei Wikipedia.

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