19/05/2011von 341 Views – 0 Kommentare

Delius und Roth ausgezeichnet

Der Büchnerpreis 2011 geht an den deutschen Autor Friedrich Christian Delius, „The Man Booker International Prize“ an den US-Schriftsteller Philip Roth.

(apa) Heuer geht der Georg-Büchner-Preis, der wichtigste Literaturpreis Deutschlands, an den deutschen Schriftsteller Friedrich Christian Delius. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am 18. Mai mit. Die Auszeichnung wird am 29. Oktober im Staatstheater Darmstadt überreicht. Delius gilt als ein „Autor der 68er Generation“.

Der 68-Jährige („Mein Jahr als Mörder“, „Der Sonntag, an dem ich Weltmeister wurde“) habe als „kritischer, findiger und erfinderischer Beobachter“ in seinen Romanen und Erzählungen „die Geschichte der deutschen Bewusstseinslagen im 20. Jahrhundert erzählt“, begründete die Akademie ihre Entscheidung. „Seine politisch hellwachen, ideologieresistenten und menschenfreundlichen Texte loten die historischen Tiefendimensionen der Gegenwart aus. Seiner souveränen Erzählkunst gelingt es, eine manchmal satirische Beobachtungsschärfe zu verbinden mit einer humanen Sensibilität, die seine Figuren oft decouvriert, aber nie denunziert.“

Die Akademie feiert in diesem Jahr „60 Jahre Georg-Büchner-Preis“. Das Jubiläum ist mit einer Höherdotierung des Preisgeldes von ehemals 40.000 auf 50.000 Euro verbunden.

Friedrich Christian Delius wurde am 13. Februar 1943 in Rom geboren und wuchs in den hessischen Orten Wehrda und Korbach auf. Noch als Schüler veröffentlichte er 1961 erste Gedichte. Im Anschluss an sein Germanistikstudium an der FU Berlin, später an der TU Berlin, promovierte er 1970 bei Walter Höllerer und arbeitete danach für die Verlage Klaus Wagenbach und Rotbuch. Zudem nahm F.C. Delius an mehreren Tagungen der Gruppe 47 teil: erstmals 1964 im schwedischen Sigtuna, außerdem 1965 in Berlin und in den folgenden beiden Jahren in Princeton/USA und in der Pulvermühle/ Waischfeld. Er las auch auf der letzten Tagung der Gruppe 47 in Dobris bei Prag.

Die Gedichtsammlung „Kerbholz“ war 1965 seine erste Buchpublikation. Bekannt wurde er als „Siemens-Delius“ mit Dokumentarsatiren wie „Unsere Siemens-Welt“, die einen langwierigen Rechtsstreit nach sich zog. Dem folgten unter anderem seine „Aufarbeitung“ des „Deutschen Herbstes“ im RAF-Terrorjahr 1977 mit dem ersten Teil „Ein Held der inneren Sicherheit“. Es folgten zahlreiche weitere Veröffentlichungen, überwiegend Romane und Erzählungen, in denen F.C. Delius sich häufig politisch-historischen Themen der Bundesrepublik Deutschland widmet. Sorgfältige Recherchen für seinen gewählten Stoff waren für Delius dabei immer selbstverständlich.

Seit 1978 arbeitet der vielfach ausgezeichnete F.C. Delius als freier Schriftsteller, heute lebt er in Rom und Berlin. Seine Texte wurden in 17 Sprachen übersetzt. F.C. Delius ist seit 1998 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, ebenso gehört er der Akademie der Künste in Berlin und der Freien Akademie der Künste in Hamburg an.

Philip Roth erhält International Booker Prize

(apa) Mit dem Nobelpreis will es trotz Favoritenposition nicht klappen, aber US-Autorenlegende Philip Roth kann Preise gewinnen: Dem Schriftsteller wurde am Mittwoch in Sydney der mit 60.000 Pfund (68.736 Euro) dotierte Man Booker International Prize zuerkannt. Die Auszeichnung wird alle zwei Jahre für ein Gesamtwerk vergeben, bisher wurde sie erst vier Mal verliehen. Formell gefeiert wird die Auszeichnung an Roth am 28. Juni bei einem Festbankett in London.

„Für über 50 Jahre haben Philip Roths Bücher eine ständig größer werdende Leserschaft stimuliert, provoziert und amüsiert. Seine Kreativität hat nicht nur unsere Vorstellung von jüdischer Identität verändert, sie hat auch die fiktionale Erzählung wiederbelebt – nicht nur die amerikanische“, begründete Juryvorsitzender Rick Gekoski die Wahl.

„Eine der besonderen Freuden, die mir als Autor zuteilwerden, ist, dass mein Werk weltweit gelesen wird – ungeachtet der Herzschmerzen, die mit Übersetzungen verbunden sind“, sagte Roth. „Ich hoffe, dass der Preis mir mehr Aufmerksamkeit bei den Lesern verschafft, die mit meinem Werk noch nicht vertraut sind.“

Neben dem US-Autor waren unter anderen auch der Spanier Juan Goytisolo, der Libanese Amin Maalouf, die Italienerin Dacia Maraini und mit Wang Anyi und Su Tong erstmals auch zwei chinesische Autoren nominiert.

Für Aufsehen hatte im Vorfeld der Brite John le Carre gesorgt, der auf der Liste stand, jedoch gestrichen werden wollte. Nach Bekanntwerden der Nominierung im März hatte der Agententhrillerexperte über seinen Verlag verlauten lassen: „Ich fühle mich sehr geehrt, als Finalist für den Man Booker International Prize 2011 nominiert worden zu sein. Ich bewerbe mich jedoch nicht um Literaturpreise und habe deshalb darum gebeten, meinen Namen von der Liste zu streichen.“

Diese Bitte war vom Juryvorsitzenden Gekoski allerdings zurückgewiesen worden. „John le Carres Name wird natürlich auf der Liste bleiben. Wir sind enttäuscht, dass er nicht weiter berücksichtigt werden will, denn wir sind große Bewunderer seiner Arbeit.“

Die Preise

Der Georg-Büchner-Preis gilt als renommierteste Auszeichnung für deutschsprachige Literatur. Er wird seit 1951 jährlich von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt vergeben.

Geehrt werden Schriftsteller und Dichter, „die in deutscher Sprache schreiben, durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben“. Namensgeber ist der Dramatiker und Revolutionär Georg Büchner (1813 – 1837). In diesem Jahr wurde der Preis mit 50.000 Euro ausgestattet.

Im vergangenen Jahr ging der Georg-Büchner-Preis an den Berliner Schriftsteller Reinhard Jirgl. Frühere Preisträger sind neben anderen Friedrich Dürrenmatt, Heinrich Böll, Erich Kästner, Günter Grass, Wilhelm Genazino, Brigitte Kronauer und Martin Mosebach.

Der Booker Prize ist der wichtigste britische Literaturpreis. Er wird seit 1969 jährlich für einen englischsprachigen Roman eines Schriftstellers aus Großbritannien, Irland oder dem Commonwealth vergeben. Der Preisträger erhält 50.000 Pfund Sterling. – Im Jahr 2005 wurde außerdem erstmals der neugeschaffene Man Booker International Prize verliehen (Preisgeld 60.000 Pfund), mit dem ein Autor beliebiger Nationalität für sein auf Englisch verfügbares Gesamtwerk ausgezeichnet wird. Dieser Preis wird alle zwei Jahre vergeben.

Die bisherigen Preisträger sind Alice Munro, Chinua Achebe und Ismail Kadare.


Infos:

Bei Wikipedia:
Friedrich Christian Delius
Philip Roth
Georg-Büchner-Preis
Booker Prize


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