17/02/2011von 860 Views – 0 Kommentare

Stavarič, Michael: Brenntage

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Buchcover Stavaric Brenntage

  • Hardcover
  • Erschienen 2011 bei C. H. Beck


Inhalt:

„Das Ausbleiben der Zukunft ist nichts für schwache Nerven.“ So viel steht für den namenlosen Ich-Erzähler fest, der nach dem Tod der Mutter bei seinem Onkel in einer von Bergen und Schluchten umgebenen Siedlung lebt. Und die Zukunft macht sich rar, denn wegen der Abgeschiedenheit der Siedlung kapseln sich deren Einwohner zusehends ab. So entsteht ein Mikrokosmos mit ganz eigenen Sitten und Gebräuchen, wie etwa den „Brenntagen“ bzw. diversen „Waldriten“. (Pressetext)

Kurzkritik:

Es fällt schwer, über einen Roman, der in einer Parallelzeit oder doch nur im hinterletzten österreichischen Tal spielen könnte, mehr zu wissen, als der Autor selbst.

Die Spannung lässt über die mehr als 200 Seiten immer wieder nach, da durch die örtliche und zeitliche Unbestimmtheit sowie den alterslosen Erzähler ein eindeutiger Bezugspunkt für die LeserInnen fehlt. Das Ende jedoch, das deutlich an Tempo zulegt, führt auf spannende Weise vor Augen, dass eine Ich-Perspektive nur eine Stimme, nicht aber unbedingt eine Person voraussetzt.

Sabine gibt  ★★★½☆  (3,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Parallelzeit oder Hinterwelt?

Es sei schwer, über einen intelligenten Autor zu schreiben, hörte ich vor kurzem vom einem Universitätsprofessor, weil er sehr gut wisse, was er tue und wie er es tue. Und es fällt schwer, über einen Roman, der in einer Parallelzeit oder doch nur im hinterletzten österreichischen Tal spielen könnte, mehr zu wissen, als der Autor selbst.

Die Siedlung, von der das Ich erzählt, hat schon bessere Tage erlebt: eine Bergbau-Hochblüte, in der sämtliche Hänge durchbohrt wurden, sogar die Eisenbahntrasse wurde dorthin verlängert. Doch die Minen sind längst verfallen, die Schienen zum Teil abgebaut. Durch die Wälder irren Soldaten, die auf Bäume schießen, hier treiben sich auch Geister herum, wie man in der Siedlung erzählt. Nicht weniger trostlos das Leben des Ichs: Seine Mutter ist gestorben, er wächst bei Tante und Onkel, nach dem Tod der Tante nur beim Onkel auf. Der Onkel hat sie noch erlebt, die großen Tage der Siedlung, und gibt seinem Neffen sein Wissen über die Berge und Wälder weiter, samt Aberglauben und Ritualen wie etwa den titelgebenden Brenntagen.

Was unlängst geschehen sei, jedoch schon Jahre zurückliegen müsste

Das Ich schildert sein Aufwachsen in dieser apokalyptisch anmutenden Welt, in der Menschen spurlos im Wald verschwinden und in der man auf scheinbar sicherem Boden plötzlich in einen alten Minentunnel einbrechen kann. Zwar gibt es Fernsehen, auch eine Schule wird erwähnt, doch es fehlen etwa trotz der Größe der Siedlung Geschäfte und Krankenhäuser. Zudem scheint im Leben des Ichs keine Chronologie zu herrschen, er spricht von etwas, das gestern passiert sei, was unlängst geschehen sei, jedoch schon Jahre zurückliegen müsste, würde er als Jugendlicher oder (junger) Erwachsener rückblickend erzählen, wie es vordergründig den Eindruck macht.

Subjektive und kindliche Weltsicht

Die rätselhafte Welt und die Erkundungen ihrer Absonderlichkeiten durch das Ich fesseln und zeigen, wie subjektiv und auch kindlich die Weltsicht des Ichs ist. Die Spannung lässt über die mehr als 200 Seiten jedoch immer wieder nach, da durch die örtliche und zeitliche Unbestimmtheit sowie den alterslosen Erzähler ein eindeutiger Bezugspunkt für die LeserInnen fehlt. Das Ende jedoch, das deutlich an Tempo zulegt, führt auf spannende Weise vor Augen, dass eine Ich-Perspektive nur eine Stimme, nicht aber unbedingt eine Person voraussetzt.

Von Sabine Schönfellner

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Infos:

Michael Stavarič wurde 1972 in Brno (CZ) geboren und lebt in Wien. 1979 Emigration nach Österreich. Studium der Bohemistik/Publizistik an der Universität Wien. Vormals lange Jahre Lehrbeauftragter an der Sportuniversität Wien. Freier Schriftsteller, Übersetzer und Ghost-Writer. Zahlreiche Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien. 2008 wurde er mit dem „Adelbert-von-Chamisso-Preis, Förderpreis“ geehrt und 2009 mit dem „Literaturpreis Wartholz 2009“.

Mehr über Michael Stavarič bei Wikipedia.

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