08/11/2009von 264 Views – 0 Kommentare

(Un)typisch

Nach zwei Wochen hatte ich endlich meinen Postkasten-Schlüssel, und manchmal verdirbt einem nicht nur Recherche eine Geschichte, sondern auch Nachdenken.

Eine Story

Denn ich hab ja jetzt ein Büro und weil das ein Geschäftslokal ist, wo man normalerweise immer anwesend ist, gab’s dazu nicht einmal einen Postkasten. Weil ich aber un(regel)mäßige Bürozeiten habe, wollte ich einen haben.

Anruf bei der Post-Servicehotline. Der Herr nimmt zuerst meine Daten auf, damit mein Wunsch (um ca. 40 Euro) erfüllt werden kann, dann fragt er, ob im Haus alte oder neue Postkästen wären, weil bei den alten bräuchte ich nur den Briefträger nach der Postkasten-Schlüsselnummer zu fragen und mir dann einen Schlüssel anfertigen zu lassen.

Weil ich das Büro ja noch herrichte (siehe hier) und zwischendurch Geld verdienen kann/soll/darf, habe ich den Briefträger länger nicht erwischt, und auf meine netten Zettel („Nehmen Sie bitte Kontakt mit mir auf“), hat er nicht reagiert.

Es waren zwei Wochen ins Land gegangen nach meinem Anruf bei der Servicehotline, als ich den Briefträger schließlich doch antraf. Der liest keine Nachrichten, die auf Postkästen kleben, meinte aber, wenn ich in das zuständige Postamt ginge, würde mir dort ein Schlüssel gratis ausgehändigt, und er würde dann das Schloss austauschen.

Ich ging zum zuständigen Postamt, wo man mir sagt, so ginge das nicht, ich müsse bei der Servicehotline anrufen.

Ich verkniff mir den Ausruf „Ja, bin ich denn der Buchbinder Wanninger!?!“, und fragte mich – und jetzt frage ich Sie: Ist das typisch ist für die Post, für die österreichische Post im Besonderen oder gar für Österreich im Allgemeinen?

Zwischenspiel

Als ich aus meiner Kurzzeit-Depression erwacht war, notierte ich die Postkasten-Schlüsselnummer und ging in ein Schlüsselgeschäft.

Der eine Verkäufer meinte, so was geht nicht, doch der andere mischte sich ein und verkündete, das geht. Das koste 9,10 €, und wäre morgen dann abzuholen.

Am nächsten Tag rief mich der Herr an und sagte, so was geht doch nicht, aber ich könne ein Schloss um 25,– kaufen. Und jetzt kann ich – nach einer verwegenen Montage, ohne dass ich irgendjemanden bei der Post um Erlaubnis gefragt hätte – doch tatsächlich über einen Postkasten verfügen.

Keine Story

Mittlerweile aber habe ich nachgedacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es eigentlich alle gut gemeint haben mit mir: Der Mann von der Servicehotline wollte mir Geld ersparen, der Briefträger wollte mir Geld ersparen und die Männer vom Postamt können ja nichts dafür, dass die Bestimmungen geändert worden sind.

Aber das ist halt leider keine gute Geschichte. – Leute, die es gut meinen? Ich bitte Sie, wer will denn so was lesen!

Werner Schuster

postk

Foto © http://herold.twoday.net

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