28/11/2012von 837 Views – 0 Kommentare

Jaud, Tommy: Überman

Roman
Hardcover
368 Seiten
Erschienen 2012 bei Scherz (Fischer)

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Inhalt:

Erst in der Tiefgarage begriff ich, was die minus 211,2 Prozent in meinem Portfolio-Report wirklich bedeuteten: Privatinsolvenz, Gosse und Drogensucht mit nachfolgendem Ausfall der Schneidezähne. Nicht mal das Studium meiner Freundin würde ich noch finanzieren können. Der einzige Ausweg lag darin, mich ebenso schnell wie klammheimlich wieder aus dieser unsäglichen griechischen Scheiße zu ziehen – ich musste zum Überman werden! (Pressetext)

Kurzkritik:

Tomy Jaud verknüpft in seinem Roman geschickt die angebliche Apokalypse des 21. 12. 2012 mit dem privaten Untergang des Erzählers Simon Peters, dessen unbezahlbare Rechnungen beim Finanzamt genau an diesem Tage fällig werden. Und er skizziert einen Reigen der betriebsamen Hektik, in die die Hauptfigur Simon Peters zunehmend verfällt.

Doch seine Versuche, sich, seine Beziehung und seine Freunde vor der Apokalypse zu retten, sind bloß niedlich – und irrelevant.

Daniel gibt  ★★½☆☆  (2,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Halblustig – und irrelevant

Bei Tommy Jaud ist es für seine Fans, wie bei Woody Allen; er schreibt alle Jahre einen neuen Roman und man freut sich drauf wie Bolle. Man weiß vorher nur latent, worum es geht, aber witzig wird es wohl schon werden, es ist schließlich ein echter Jaud.

Und nun „Überman“, Tommy Jauds leider nicht besonders gelungener Kommentar zur Weltwirtschaftkrise und zum drohenden Weltuntergang am 21. 12. 2012 (nach dem Maya-Kalender).

Griechanland ist abgebrannt, die Euro-Zone in Gefahr und das merkt der Hobbyspekulant Simon Peters spätetens, als ihm sein griechischer (!) Anlageberater der Bank seines Vertrauens mitteilt, dass seine sorgsam investierten Aktienpakete inzwischen nicht mehr wert sind als ein Jaud-Buch auf der Resterampe bei Woolworth.

Überarschloch

Simon Peters macht sich also auf, seinen finanziellen Arsch zu retten, zumal seine Freundin gerade eben in dem Glauben, einen aktienbepackten Gutverdiener an ihrer Seite zu haben, ihren Job gekündigt hat, um ein teures Zusatzstudium an einer Weinakademie zu beginnen. Ihr das finanzielle Desaster zu gestehen, geht natürlich für den „Überman“ Simon Peters gar nicht und so verstrickt er sich immer mehr in Lügen, Behelfsmaßnahmen und immer groteskere Rettungsmaßnahmen. Bis ihn dann seine entnervte Freundin verlässt und ihm dämmert, dass er anscheinend über seinen gesamten Rettungsaktionismus zum Überarschloch mutiert ist. Und einen Plan entwickelt, wie er aus der Arschloch-Nummer wieder rauskommt und sich, seine Beziehung und seine Freunde über den Weltuntergang am 21. 12. hinaus retten kann.

Tomy Jaud verknüpft in seinem Roman geschickt die angebliche Apokalypse des 21. 12. 2012 mit dem privaten Untergang des Erzählers Simon Peters, dessen unbezahlbare Rechnungen beim Finanzamt genau an diesem Tage fällig werden. Und er skizziert einen Reigen der betriebsamen Hektik, in die die Hauptfigur Simon Peters zunehmend verfällt.

Kleinaktionär auf Wachpillen

Dass sowas nur schiefgehen kann, liegt auf der Hand. Die Vehemenz, die Simon-Überman-Peters an der Tag legt, um es trotzdem hinzubiegen, ist bewundernswert; besonders unterhaltsam ist sie indessen nicht. Und daran krankt der Roman leider trotz seiner durchdachten Dramaturgie; der Countdown bis zum Untergang des peterschen wie universellen Universums funktioniert zwar gut, aber der typische Jaud‘sche Lachfaktor will sich irgendwie nicht einstellen. Zu selbstbezogen sind die Referenzen von Simon Peters zu seinem eigenen schrecklichen Schicksal als blankgebeuteltem Kleinaktionär auf Wachpillen, der aus seinem viel zu hoch gesteckten Universum auf die Erde fällt. Seine Versuche, sich, seine Beziehung und seine Freunde vor der Apokalypse zu retten, sind niedlich, halblustig – und irrelevant.

Das hatten wir doch schon mal

Und natürlich geht das ganze Unternehmen tierisch (!) in die Hose. Nicht zum ersten Mal bei Tommy Jaud. Aber das haben wir vorher alles schon mal in anderen Kontexten wesentlich amüsanter erfahren. Ansätze wären ja da, etwa wenn Jaud die Putzhilfe Lalla über die Apokalypse schwadronieren lässt. Davon würde man gerne mehr lesen und dass in Konfrontation zum „Übermän“ Peters. Aber so verpufft das angelegte Komikmaterial im Kosmos des Überromans und reicht lediglich zu einem Normalroman.

Das ist jauschade. Denn deswegen taugt der „Überman“ lediglich als Übergangslektüre. Zum Beispiel bei einer Bahnfahrt am 21. 12. 2012.

Von Daniel Kasselmann

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Infos:

Tommy Jaud wurde in Schweinfurt geboren und arbeitete dort nach dem Abitur für genau zwei Tage bei McDonald’s (zuständig für Mc Rib). Er begann ein Germanistikstudium in Bamberg und moderierte bei Antenne Thüringen, zog dann nach Köln, wo er für die ›Wochenshow‹ arbeitete und als Creative Producer bei ›Ladykracher‹. 2004 schrieb Jaud seinen ersten Roman ›Vollidiot‹. Warum, weiß er bis heute nicht.
In den folgenden Jahren erschienen ›Resturlaub. Das Zweitbuch‹, die ›Vollidiot‹-Fortsetzung ›Millionär‹ und ›Hummeldumm‹. Tommy Jaud schrieb auch die Drehbücher zu den Komödien ›Vollidiot‹, ›Resturlaub‹ und ›Zwei Weihnachtsmänner‹. ›Überman. Der Roman‹ ist der dritte Teil seiner Simon-Peters-Reihe und wurde vom Autor selbst auch als Hörbuch eingelesen.
Derzeit lebt und schreibt Tommy Jaud als freier Autor vor allem in Köln.

Mehr über Tommy Jaud bei Wikipedia.

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