20/06/2008von 591 Views – 0 Kommentare

Meinhof, Ulrike Marie: Die Würde des Menschen ist antastbar

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Buchcover
Sachbuch (Politik und Geschichte)
Aufsätze und Polemiken
Taschenbuch: Wagenbach, 2008
(1980)
Inhalt:

Diese Ausgabe sammelt alle wichtigen Texte Ulrike Meinhofs aus den Jahren 1959 bis 1969: Beispiele eines entschiedenen Journalismus, der nicht von den Höhen der Macht skandiert, sondern den politischen Widerspruch aufzufinden versteht. Diese Analysen und Polemiken lesen sich heute als ein Abriß deutscher Nachkriegsgeschichte und ihrer Deformationen: Sie analysieren die Unfähigkeit wirklicher Verarbeitung des Nazismus und die eilige Rekonstruktion der Macht, sie beschreiben das Verkümmern der Demokratie am Fall des Einzelnen – seine Würde wird antastbar. (Pressetext)

Kurzkritik:

Meinhof weist immer wieder auf die postnationalsozialistischen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland hin und stellt Aussagen und Handlungen mit viel Scharfblick in einen größeren Kontext. Meinhofs Sprache ist vielschichtig und pointiert, ihre Texte sind fundiert argumentiert und wohl komponiert. Die Autorin bezieht Stellung, sie wird als Sprecherin sichtbar, sie verbirgt sich nicht hinter einem vermeintlich objektiven Journalismus – Qualitäten, die in aktuellen Feuilletons schwer zu finden sind. Die neu aufgelegte Artikelsammlung ist ein beeindruckendes Zeitdokument und unbedingt lesenswert.

karo gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Bevor sie Terroristin wurde

Ulrike Meinhof ist ein klingender Name. Bei manchen klingelt’s, bei anderen schrillt’s: Meinhof polarisiert und zieht einen Rattenschwanz von Mythen nach sich. Der vorliegende Sammelband erscheint in einer Reihe wieder aufgelegter Bände zu Politik beim Verlag Wagenbach.

Die Essays und Reportagen geben Einblick in Ulrike Meinhofs journalistische Tätigkeit, vorwiegend bei der monatlich erscheinenden Zeitschrift konkret (die in ihrer besten Zeit eine Auflage von mehr als 200.000 Exemplaren hatte) und geben somit auch eine Vorstellung ihres intellektuellen Hintergrunds.

Kennedy und Springer

In den ursprünglich zwischen 1959 und 1969 erschienen Aufsätzen kommentiert Meinhof zeitgenössische politische Ereignisse, wie die Ermordung J. F. Kennedys und den Vietnamkrieg, in anderen Artikeln analysiert sie beispielsweise die Dominanz des Springer Verlags oder Adenauers Deutschland. Heute weniger bekannte Namen und Ereignisse werden vom Verlag kurz erläutert.

Pointiert, fundiert

Meinhof weist immer wieder auf die postnationalsozialistischen Strukturen der Bundesrepublik Deutschland hin und stellt Aussagen und Handlungen mit viel Scharfblick in einen größeren Kontext. Meinhofs Sprache ist vielschichtig und pointiert, ihre Texte sind fundiert argumentiert und wohl komponiert. Die Autorin bezieht Stellung, sie wird als Sprecherin sichtbar, sie verbirgt sich nicht hinter einem vermeintlich objektiven Journalismus – Qualitäten, die in aktuellen Feuilletons schwer zu finden sind. Die neu aufgelegte Artikelsammlung ist ein beeindruckendes Zeitdokument und unbedingt lesenswert.

Von Karo Rumpfhuber

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Infos:

Der Wagenbach-Verlag hat als Hintergrund-Information zu “40 Jahre 1968” fünf weitere Bücher (wieder) aufgelegt (– weitere Informationen hier):
– Peter Brückner: Ungehorsam als Tugend. Zivilcourage, Vorurteil, Mitläufer
– Erich Fried: Politische Gedichte. Vietnam, Israel, Deutschland
– Paul Ginsborg: Wie Demokratie leben
– Albrecht Lucke von: 68 oder neues Biedermeier. Der Kampf um die Deutungsmacht
– Christoph Möllers: Demokratie – Zumutungen und Versprechen

Über Ulrike Meinhof bei Wikipedia.

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