28/01/2011von 1.210 Views – 1 Kommentar

Gerstäcker, Friedrich: Die Flusspiraten des Mississippi

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  • Broschiert
  • Erschienen 2010 beim Unionsverlag
  • Erstmals 1848 erschienen


Inhalt:

In den Jahren, als noch keine Dampfboote den mächtigen Mississippi aufwühlten, setzt sich auf einer der zahlreichen Inseln dieses Stromes eine Räuberbande fest. Sie überzieht die ganze Region mit Raub und Mord und unterhält in ihrem Versteck sogar eine Falschmünzerei. Von dort aus überschwemmt sie mit ihren Banknoten das ganze westliche Land. Das Gesetz ist machtlos, also müssen sich die Bewohner selbst helfen. Sie gründen ein Regulatorenbündnis und ziehen gegen die Flusspiraten in den Krieg. (Klappentext)

Kurzkritik:

In „Die Flusspiraten des Mississippi“ geht es – anders als etwa in Karl Mays „Winnetou“ – nicht hauptsächlich um tollkühne Männer, sondern vor allem um „einfache“ Bürger und Bauern, deren Frauen ihnen in der Regel nicht untertan sind. Weiters kommen keine edlen IndianerInnen vor, „dafür“ von den Figuren als minderwertig betrachtete Schwarze und Mulatten.

Jedenfalls mindert es das Lesevergnügen nicht, dass einige dieser Figuren etwas grob und klischeehaft gezeichnet sind und dass die Story (für heutige Verhältnisse) bloß mäßig spannend und auch ein bisschen unglaubwürdig ist. Denn den Handlungshintergrund gibt das Werden einer Südstaaten-Kleinstadt ab, wodurch man den „Wilden Westen“ einmal nicht von der „Cowboy“-Warte aus beschrieben bekommt.

Und das Treiben in Helena wirkt authentisch. Man merkt, dass Gerstäcker – im Gegensatz zu Karl May – tatsächlich in Nordamerika gewesen ist.

Werner gibt  ★★★★☆  (4 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Keine „Cowboys“

Dort, wo der Wabash die beiden Bruderstaaten Illinois und Indiana voneinander scheidet und seine klaren Fluten dem Ohio zuführt, wo er sich bald zwischen steilen Felsufern, bald zwischen weiten Prärien oder unter dem ersten Schatten des dunklen Urwaldes hin durch tausend stille Buchten drängt – dort lagen im Frühling des Jahres 1840 zwei mit Büchsen bewaffnete Männer auf einer dicht bewaldeten Anhöhe.

Mit solch einer Landschaftsbeschreibung und dann mit einem Zoom auf Menschen beginnen viele Romane des 19. Jahrhunderts. Meistens sind die Landschaftsbeschreibungen viel, viel länger. Friedrich Gerstäcker aber ging in seinen „Flusspiraten des Mississippi“ gleich in medias res.

Die beiden Männer gehören zu einem Flatboot, der ältere ist Farmer und will seine Produkte in New Orleans „oder irgendeinem der weiter oben gelegenen Landungsplätze“ verkaufen. Während ihrer Rast nach einer erfolgreichen Jagd finden sie ein menschliches Skelett, das der Farmer bald als das seines Sohnes identifiziert. – Wir werden noch erfahren, wer die Täter sind.

Doppelleben

Der Rest der Handlung spielt in der aufstrebenden Kleinstadt Helena am Mississippi. Erzählt wird die Geschichte einer Bande von Piraten, die – angeführt von ihrem Kapitän Kelly – auf einer Insel in der Nähe der Kleinstadt Helena ihren geheimen Stützpunkt errichtet hat, von wo aus sie Raddampfer und Floße überfallen. Einige der Bandenmitglieder führen ein Doppelleben: tagsüber sind sie ehrbare Bürger von Helena. Deshalb kommt man ihnen auch lange Zeit nicht auf die Schliche.

Keine edlen IndianerInnen

Unser Abenteuerroman handelt selbstverständlich von ihrer Enttarnung: gegen Ende zu verbünden sich die Bewohner von Helena und ziehen gegen die Flusspiraten in den Kampf.

Doch in „Die Flusspiraten des Mississippi“ geht es – anders als etwa in Karl Mays „Winnetou“ – nicht hauptsächlich um tollkühne Männer, sondern vor allem um „einfache“ Bürger und Bauern, deren Frauen ihnen in der Regel nicht untertan sind. Weiters kommen keine edlen IndianerInnen vor, „dafür“ von den Figuren als minderwertig betrachtete Schwarze und Mulatten.

Lesevergnügen

Jedenfalls mindert es das Lesevergnügen nicht, dass einige dieser Figuren etwas grob und klischeehaft gezeichnet sind und dass die Story (für heutige Verhältnisse) bloß mäßig spannend und auch ein bisschen unglaubwürdig ist. Denn den Handlungshintergrund gibt das Werden einer Südstaaten-Kleinstadt ab, wodurch man den „Wilden Westen“ einmal nicht von der „Cowboy“-Warte aus beschrieben bekommt. (Dessen Image eines sehr männlichen, harten und wilden Mannes entstand außerdem erst in den 1930er-Jahren.)

Und das Treiben in Helena wirkt authentisch. Man merkt, dass Gerstäcker – im Gegensatz zu Karl May – tatsächlich in Nordamerika gewesen ist.

Von Werner Schuster

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Infos:

Friedrich Gerstäcker (1816-1872) führte ein bewegtes Leben. Als Sohn eines gefeierten Tenors wurde ihm die Reiselust quasi in die Wiege gelegt. So war er in Amerika unter anderem als Holzfäller, Viehtreiber, Heizer und Koch auf einem Missisippidampfer, Lehrer und vor allem als (Großwild-)Jäger unterwegs. Er durchstreifte Nord- und Südamerika, die Inselwelt des Stillen Ozeans, Australien …
In Deutschland nahm Gerstäcker regen Anteil am politischen Geschehen der 48er-Jahre, er verlor seine geliebte Ehefrau und war Kriegsberichterstatter im Deutsch-Französichen Krieg. Friedrich Gerstäcker veröffentlichte eine Vielzahl von Erzählungen, Romanen und vor allem Berichte über seine verschiedenen Reisen, die ihn zu einem der meistgelesenen und bekanntesten Autoren Deutschlands machten.

Mehr über Friedrich Gerstäcker bei Wikipedia.

1 Kommentar zu "Gerstäcker, Friedrich: Die Flusspiraten des Mississippi"

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  1. Jolanda sagt:

    Das ist mal ein gut zu lesender Artikel, besten Dank. Muss man sich nochmal in Ruhe durchlesen. Generell finde ich die Seite leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

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