Cohen, Stuart Archer: Der siebzehnte Engel

21. Mrz. 2008 | von

BuchcoverAus dem Englischen von Regina Rawlinson
Hardcover: Manhattan, 2008
(2003)

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Der Täter ist unschuldig

In gewisser Weise hat man es bei “Der siebzehnte Engel” mit drei Romanen in einem zu tun, besser gesagt: Die drei Teile unterscheiden sich stilistisch sehr stark, wiewohl sie dieselbe Handlung weitertreiben. Grundsätzlich einmal müsste Comisario Fortunato einen Mordfall aufklären, in dem er selbst der Täter ist. Er hat dem Amerikaner Waterbury den Gnadenschuss gegeben, den man bloß einschüchtern wollte, doch dann ist die Situation aus dem Ruder gelaufen.

In “17 Engel aus Stein” lernen wir die Korruption in Form von Buenos Aires kennen. Man kommt zu nichts, ohne zu schmieren, und man nimmt auch gerne – auch Polizisten haben nichts gegen Zusatzeinkünfte. Hier herein platzt die engagierte Menschenrechtsaktivistin Athena Fowler im Auftrag der USA, um den ad acta gelegten Fall Waterbury aufzuklären, und wird von der Polizei an der Nase herumgeführt. Schließlich serviert man ihr einen falschen Täter.

Obwohl nicht überzeugt, will sie heimfliegen, doch Fortunatos Kollege Fabian hält sie davon ab und erzählt ihr und Fortunato in “Waterburys letztes Spiel” in einem fast 100-seitigen Monolog von den letzten Tages des Schriftstellers Waterbury, der in den höchsten Kreisen Buenos Aires für einen Roman recherchiert hat und schließlich von der Frau des mächtigen Pelegrini engagiert wurde, mit ihr gemeinsam ein Buch zu schreiben.

Und dann kommt “Fortunatos Gesetz”. Fortunato ist so etwas wie ein Guter: Er hat etliche Verbrecher geschnappt, er hat sich mit dem korrupten System arrangiert und das Geld vor seiner Frau versteckt, die vor kurzem an Krebs gestorben ist. Er ist müde und ausgebrannt, aber als er dahinterkommt, dass er im Fall Waterbury für die Interessen höchster Kreise ausgenutzt worden ist (die mit der US-Wirtschaft in Verbindung stehen), startet er gemeinsam mit Athena private Ermittlungen und schließlich, anstatt mit seinem gehorteten Vermögen abzuhauen, einen blutigen Privatfeldzug.

Nach so viel realistischer Fiktion wird es am Schluss märchenhaft: Es könnten sogar die korrupten Mächtigen auffliegen. Wer’s glaubt, wird wohl selig. – Jedenfalls hat Cohen mit “Der siebzehnte Engel” einen grandiosen Thriller geschrieben, der Einblick ins Herz von Argentinien gewährt, dessen wahre Schuldige unter den wirtschaftlichen Siegern der Militärdiktatur und den erolfgreichen Verfechtern des liberalisierten Marktes zu finden sind und der in gewisser Weise eine Art Tango ist, also laut dem Komponisten Enrique Santos Discépolo “… ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann”.

Von Werner Schuster

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Über Stuart Archer Cohen bei Randomhouse,
mehr von Manhattan bei “Eselsohren”.

Kategorie: Krimis & Thriller

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