15/03/2012von 420 Views – 0 Kommentare

Leipzig: Die Preisträger 2012

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Der Preis der Leipziger Buchmesse 2012 geht an Wolfgang Herrndorf (Belletristik), Jörg Baberowski (Sachbuch) und Christina Viragh (Übersetzung).

Alle Nominierten finden Sie hier.


Belletristik

– Wolfgang Herrndorf: „Sand“ (Rowohlt Berlin)

Über das Buch
September 1972: Während in München Palästinenser des “Schwarzen September” das Olympische Dorf überfallen und Mitglieder der israelischen Delegation als Geiseln nehmen, geschehen in Nordafrika mysteriöse Dinge: In einer Hippie-Kommune werden vier Menschen ermordet, ein Geldkoffer verschwindet, und ein unterbelichteter Kommissar versucht sich an der Aufklärung des Falles. Als Täter wird der junge Amadou Amadou festgenommen. Dazu stolpern ein verwirrter Atomspion, eine attraktive Amerikanerin und zahlreiche weitere Personen in ein absurdes Spiel von Zufall, Irrwegen und Missverständnissen. Im Mittelpunkt aber steht ein Mann ohne Gedächtnis, der zwischen alle Fronten gerät, und der dem Rätsel seiner Existenz auf die Spur kommen will.
Wolfgang Herrndorfs Roman Sand ist voller absurder Komik und geht zugleich existenzphilosophischen Fragen nach. Er nimmt Anleihen aus dem Kino und dem Comic und lässt sich nicht den üblichen Genres zuordnen.

Die Jury
“Ein furioser Abenteuerroman, ein faszinierend verwirrender Antiagenten-Thriller, der so waghalsig wie gekonnt mit verschiedenen Ebenen jongliert.”

Leseprobe

Erhältlich bei Amazon & buch.de.

Der Autor
Wolfgang Herrndorf, 1965 in Hamburg geboren, hat Malerei studiert und unter anderem für das Satiremagazin Titanic gezeichnet. 2002 erschien sein Debütroman In Plüschgewittern, 2007 der Erzählband Diesseits des Van-Allen-Gürtels und 2010 der Roman Tschick, der zum Überraschungserfolg wurde und mittlerweile in 12 Sprachen vorliegt. Wolfgang Herrndorf wurde mit dem Deutschen Erzählerpreis 2008, dem Brentano-Preis 2011 und dem Hans-Fallada-Preis 2012 ausgezeichnet.


Sachbuch/Essayistik

– Jörg Baberowski: „Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt“ (C. H. Beck)

Über das Buch
Stalins Gewaltherrschaft fielen Millionen Menschen zum Opfer. Sie verhungerten, verschwanden im “Archipel Gulag” oder wurden im Laufe der “Säuberungen” von Partei, Staatsapparat und Militär ermordet. In seinem berührenden Buch entwickelt Jörg Baberowski neue Perspektiven auf die stalinistischen Verbrechen und führt den Leser hinab in die paranoide Welt des sowjetischen Diktators.
Die Bolschewiki wollten eine neue Gesellschaft erschaffen und träumten vom neuen Menschen. Doch war Stalins Terrorherrschaft eine notwendige Folge der kommunistischen Ideologie? Baberowski entwickelt eine neue Erklärung der stalinistischen Verbrechen. Das bolschewistische Projekt, so die These des Buches, bot eine Rechtfertigung für den Massenmord. Aber es schrieb ihn nicht vor. Urheber und Regisseur des Terrors war Stalin, ein Psychopath und passionierter Gewalttäter. Er errichtete eine Ordnung des Misstrauens und der Furcht, in der jedermann jederzeit zum Opfer werden konnte. Wer in dieser Weise den inneren Kitt einer Gesellschaft zerstört, der hinterlässt auch in den Seelen der Menschen verbrannte Erde.

Die Jury
“Warum wurde der Traum von einer besseren Gesellschaft in Blut ertränkt? Jörg Baberowski beantwortet diese Frage auf neue Weise in einer packenden Gesamtdarstellung der stalinistischen Gewaltherrschaft.”

Leseprobe

Erhältlich bei Amazon & buch.de.

Der Autor
Jörg Baberowski, geboren 1961, studierte Geschichte und Philosophie und ist seit 2002 Professor für die Geschichte Osteuropas an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist der führende Stalinismus-Forscher im deutschsprachigen Raum und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Aufsätze zur russischen und sowjetischen Geschichte. 2003 erschien Der rote Terror. Die Geschichte des Stalinismus. Seit Oktober 2007 ist Jörg Baberowski Sprecher des Sonderforschungsbereiches “Repräsentationen sozialer Ordnungen im Wandel”.


Übersetzung

– Aus dem Ungarischen von Christina Viragh:
Péter Nádas‘ „Parallelgeschichten“ (Rowohlt)

Über das Buch
20 Jahre nach seinem gefeierten Buch der Erinnerung legt Péter Nádas sein Opus magnum vor. Als die Parallelgeschichten 2005 in Ungarn erschienen, wurden sie als ein “Krieg und Frieden des 21. Jahrhunderts” begrüßt.
1989 findet der Student Döhring beim Joggen im Berliner Tiergarten eine Leiche. Mit dieser kriminalistischen Szene beginnt der Roman, eröffnet zugleich aber auch die Suche nach dem Geheimnis einer Familie. Es ist die Geschichte der Budapester Familie Demén und ihrer Freunde, deren Schicksale mit der ungarischen und deutschen Vergangenheit von der Vorkriegszeit der dreißiger Jahre über den 2. Weltkrieg bis zur ungarischen Revolution 1956 verknüpft werden. Die eine große Metaerzählung des Romans jedoch bilden die Geschichten der Körper. Der Körper und seine Sexualität prägen die Lebenswirklichkeit der Personen, sie sind das “glühende Magma”, das “in der Tiefe ihrer Seele oder ihres Geistes ruhende Zündmaterial”.

Die Jury:
“Eine Herkulesaufgabe für einen Übersetzer: Christina Viragh hat für Péter Nádas’ 1700 Seiten umfassenden Roman Parallelgeschichten eine atmosphärisch sehr dichte und genaue, vom Düsteren ins Helle schwingende Sprache gefunden.”

Leseprobe

Erhältlich bei Amazon & buch.de.

Die Übersetzerin
Christina Viragh wurde 1953 in Budapest geboren. 1960 emigrierte sie mit ihrer Familie in die Schweiz, heute lebt sie als Schriftstellerin und Übersetzerin in Rom. Sie übersetzte neben Werken von Péter Nádas und vielen anderen Autoren auch Sándor Márai, Imre Kertész und Henri Alain-Fournier. Ihr eigenes Werk umfasst mittlerweile fünf Romane, zuletzt erschien Im April (2006). Im Jahre 2003 wurde Christina Viragh mit dem Einzelwerkpreis der Schweizerischen Schillerstiftung ausgezeichnet, 2009 erhielt sie das Zuger Übersetzer-Stipendium.

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