08/10/2012von 459 Views – 0 Kommentare

Deutscher Buchpreis 2012 an Ursula Krechel

Ursula Krechel

Ursula Krechel
© Alexander Paul Englert

Ursula Krechel erhält den Deutschen Buchpreis 2012 und ein Preisgeld von 25.000 Euro für ihren Roman „Landgericht“.

Nicht gewonnen und jeweils 2.500 Euro bekommen haben:
Ernst Augustin: Robinsons blaues Haus
Wolfgang Herrndorf: Sand
Clemens J. Setz: Indigo
Stephan Thome: Fliehkräfte
Ulf Erdmann Ziegler: Nichts Weißes


Ursula Krechel: Landgericht

Jung und Jung, August 2012

Was muss einer fürchten, was darf einer hoffen, der 1947 aus dem Exil nach Deutschland zurückkehrt? Nach ihrem gefeierten, 2008 erschienenen Buch »Shanghai fern von wo« geht Ursula Krechel mit ihrem neuen großen Roman »Landgericht« noch einmal auf Spurensuche. Die deutsche Nachkriegszeit, die zwischen Depression und Aufbruch schwankt, ist der Hintergrund der fast parabelhaft tragischen Geschichte von einem, der nicht mehr ankommt. Richard Kornitzer ist Richter von Beruf und ein Charakter von Kohlhaas’schen Dimensionen. Die Nazizeit mit ihren absurden und tödlichen Regeln zieht sich als Riss durch sein Leben. Danach ist nichts mehr wie vorher, die kleine Familie zwischen dem Bodensee, Mainz und England versprengt, und die Heimat beinahe fremder als das in magisches Licht getauchte Exil in Havanna. Ursula Krechels Roman lässt Dokumentarisches und Fiktives ineinander übergehen, beim Finden und Erfinden gewinnt eine Zeit atmosphärische Konturen, in der die Vergangenheit schwer auf den Zukunftshoffnungen lastet. Mit sprachlicher Behutsamkeit und einer insistierenden Zuneigung lässt »Landgericht« den Figuren späte Gerechtigkeit widerfahren. »Landge-richt«, der Roman mit dem doppeldeutigen Titel, handelt von einer deutschen Familie, und er erzählt zugleich mit großer Wucht von den Gründungsjahren einer Republik.

Begründung der Jury

„Ursula Krechel erzählt in ihrem Roman Landgericht die Lebensverwicklung des aus dem Exil zurückkehrenden Richters Richard Kornitzer. Er ist vom Glauben an Recht und Rechtsstaatlichkeit durchdrungen und zerbricht, als er in der Enge Nachkriegsdeutschlands den Kampf um die Wiederherstellung seiner Würde verliert. Die Sprache des Romans oszilliert zwischen Erzählung, Dokumentation, Essay und Analyse. Bald poetisch, bald lakonisch, zeichnet Krechel präzise ihr Bild der frühen Bundesrepublik – von der Architektur über die Lebensformen bis hinein in die Widersprüche der Familienpsychologie. Landgericht ist ein bewegender, politisch akuter, in seiner Anmutung bewundernswert kühler und moderner Roman-“

Rezensionen (bei Perlentaucher)


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Die Autorin:

Ursula Krechel, geboren 1947 in Trier, lebt in Berlin. Sie studierte Germanistik, Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte und lehrte an verschiedenen Universitäten. Seit ihrem Debüt im Jahr 1974 mit dem Theaterstück „Erika“ erschienen Gedichtbände, Prosa, Hörspiele und Essays. Ihr Roman „Shanghai fern von wo“, erschienen 2009, wurde mehrfach ausgezeichnet.

Infos:

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