24/09/2011von 755 Views – 0 Kommentare

Weinberger, Eliot: Orangen! Erdnüsse!

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Buchcover Weinberger Orangen Erdnuesse

  • Gebunden
  • 200 Seiten
  • Erschienen 2011 bei Berenberg
  • Aus dem Amerikanischen von Peter Torberg
  • Originalausgabe: „Oranges and Peanuts for Sale”, 2009


Inhalt:

Die Stücke dieser neuen Sammlung nennt Weinberger einmal mehr, mit purem Understatement, Essays. Sie vereinen die klassischen, chinesisch lakonischen Pastiches dieses Autors mit ausgreifenden thematischen und biographischen Essays. Über den Dichter Gu Cheng, den exzentrischen Verleger James Laughlin, den Autobiographen George W. Bush und – Susan Sontag. (Pressetext)

Kurzkritik:

Dies ist ein bereicherndes Buch. Jeden einzelnen dieser Essays kann man sich – inhaltlich und sprachlich – quasi auf der Zunge zergehen lassen. Weinberger nimmt einen bei der Hand, weist auf die Reichtümer dieser Welt hin, und ich frage mich, wie kann man die Götter und die Welten nur so beiläufig unter einen Hut bringen?

Werner gibt  ★★★★¾  (4,75 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Sollte man vorrätig haben

Dies ist ein bereicherndes Buch. Jeden einzelnen dieser Essays kann man sich – inhaltlich und sprachlich – quasi auf der Zunge zergehen lassen. Weinberger nimmt einen bei der Hand, weist auf die Reichtümer dieser Welt hin, und ich frage mich, wie kann man die Götter und die Welten nur so beiläufig unter einen Hut bringen?

Und beinahe jeder Essay gibt einem etwas mit auf die (literarische) Reise. Ob das nun neue AutorInnen sind (oder welche, von denen man bloß immer noch nichts gelesen hat) oder auch Verlage.

New Directions

Mit dem hinreißenden Porträt von James Laughlin legt einem Weinberger etwa den Verlag “New Directions” ans Herz gelegt (auch für Leute, die verdrängt – oder bisher nicht bewusst wahrgenommen – haben, dass in den USA auch avantgardistische Literatur geschrieben wird.

Und der Susan-Sontag-Essay hat mich augenblicklich ein paar Buchhandlungen nach Sontag-Büchern abgrasen und schließlich eines bestellen lassen.

Ergebnis einer Fehlübersetzung

Und für diejenigen, die gerne lesen, schreibt er im Essay „Anonym Quellen (Übersetzer & Übersetzungen)“:
– Jede Lektüre eines jeden Gedichts ist eine Übersetzung in die eigenen Erfahrungen, in das eigene Wissen …,
– Texttreue ist die am meisten überschätzte Qualität einer Übersetzung,
– Es gibt nichts Schlimmeres als Übersetzungen, die sich bemühen, ein fremdes Versmaß oder Reimschema beizubehalten,
– Übersetzen ist die großartigste Schreibübung, wie viele Dichter erkannt haben,
– Es ist kaum bekannt, dass die fatwa gegen Rushdie (…) Ergebnis einer Fehlübersetzung sind.

Klopapier aus T‘ang

Weinberg vermag aber auch – auf bloß 20 Seiten – ein untergegangenes Reich zu beschreiben, dass man das Gefühl hat es zu kennen; wie etwa in seinem Text über die T’ang-Dynastie (618-907), in der u.a. der Buchdruck und das Toilettenpapier erfunden wurden.

Halbwahrheiten

Oder er lässt sich sarkastisch über die George-W.-Bush-Erinnerungen aus: „Jene Teile, die nicht vollkommen verlogen sind, sind die sonnigeren Seiten von Halbwahrheiten.“

Die Nuss ist eine Hülsenfrucht

Dann wieder lässt er einen staunen darüber was man noch alles in „der Welt“ sehen kann (am Beispiel von Epstein-Fotografien oder von der Farbe Blau). Oder man erfährt etwas über Früchte, die man bisher bloß gegessen hat, ohne dass es einen gekümmert hätte, woher sie kommen und was es mit ihnen auf sich hat (wie Orangen und Erdnüsse).

Das Wesentliche

Ich habe mir während der Lektüre nicht nur besagtes Sontag-Buch gekauft, sondern auch ein weiteres von Weinberger („Das Wesentliche“). Nicht um es gleich zu lesen. Jetzt „arbeite“ ich erst einmal das ab, was mir in diesem mitgegeben wurde.

Aber es ist gut zu wissen, dass ich bei Bedarf mehr von solcher Bereicherung vorrätig habe.

Von Werner Schuster

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Infos:

Leseprobe (pdf)

Eliot Weinberger, geboren 1949 in New York, ist Essayist, Dichter und Übersetzer der Werke von Octavio Paz, Vicente Huidobro, Bei Dao und anderen. Für seine Edition der Selected Non Fictions von Jorge Luis Borges erhielt er den National Book Critics Award. 1992 wurde er für seinen Beitrag zur Förderung hispanischer Literatur in den USA zum ersten Preisträger des PEN/Kolovakos Award ernannt. 2000 verlieh ihm die mexikanische Regierung als erstem Nordamerikaner überhaupt den höchsten mexikanischen Staatspreis, den Azteken-Adler.Peter Torberg, geboren 1958 in Dortmund. Er übersetzte u.a. Oscar Wilde, Mark Twain, Raymond Federman, Michael Ondaate, Rudyard Kipling und für DuMont James Coltrane und James Buchan.

Mehr über Eliot Weinberger bei Wikipedia.

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