23/06/2010von 1.009 Views – 0 Kommentare

Irving, John: Garp und wie er die Welt sah

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Buchcover
Erschienen bei Rowohlt
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Abel
Originalausgabe: „The World According to Garp“, 1978
Inhalt:

“Ich wurde geboren mit einem sonnigen Gemüt und der Gewißheit, daß die Welt verrückt ist.” Die Welt des Schriftstellers Garp ist bevölkert von Lehrern und Huren, Spießern und Randexistenzen, Verlagslektoren und Mördern, Transsexuellen und Sittenstrolchen, Männern, Frauen und Kindern – grotesk, brutal, banal, perfide. Ein Pandämonium: unsere Welt. Diese Geschichte ist so absurd, so komisch, so tränenreibend, so kühl und sachlich, so wirklich und genau, daß man das Buch nicht mehr los wird. (Pressetext)

Kurzkritik:

Warnung! Tragikomische Unfälle! – Dieser Hinweis sollte auf dem Buchrücken aufgedruckt sein, denn zugegeben: Irvings Humor ist ein eigenwilliger, und an tragischen, absurden Szenen wird nicht gespart. Das beginnt schon bei der Zeugung des Titelhelden Garp durch die resolute Krankenschwester Jenny Fields mit einem im Sterben liegenden Bomberpiloten und endet nach einigen Katastrophen schließlich mit einem Schussattentat. Wer realistische Schilderungen und Wendungen bevorzugt, dem ist dieser Roman bestimmt nicht ans Herz zu legen.

Sabine gibt  ★★★★½  (4,5 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Ein ungewöhnlicher Romane über starke Frauen

Die derzeit zahlreich erscheinenden Rezensionen zu „Last Night in Twisted River“ haben mir den Roman in Erinnerung gerufen, der für mich immer Irvings bester war, weil er klar aus dem Irving-Universum heraussticht und dessen englischer Titel – „The World According to Garp“ – mir schon immer sehr viel besser gefallen hat als die behelfsmäßige deutsche Übersetzung.

Warnung! Tragikomische Unfälle!

Warnung! Tragikomische Unfälle! – Dieser Hinweis sollte auf dem Buchrücken aufgedruckt sein, denn zugegeben: Irvings Humor ist ein eigenwilliger, und an tragischen, absurden Szenen wird nicht gespart. Das beginnt schon bei der Zeugung des Titelhelden Garp durch die resolute Krankenschwester Jenny Fields mit einem im Sterben liegenden Bomberpiloten und endet nach einigen Katastrophen schließlich mit einem Schussattentat. Wer realistische Schilderungen und Wendungen bevorzugt, dem ist dieser Roman bestimmt nicht ans Herz zu legen.

Autobiografische Fantasie

Irving spielt in dem Roman mit Versatzstücken seines eigenen Lebens, wenn er von einem langsam erfolgreich werdenden Schriftsteller schreibt, der von einem Aufenthalt in Wien geprägt wird und zudem noch leidenschaftlich boxt. Aus diesen Versatzstücken findet er jedoch auch zu der Geschichte einer gewöhnlichen Mittelstandsfamilie, die mit gegenseitigen Verletzungen und mit Verlusten zurechtkommen muss, deren Mitglieder immer wieder von Neuem lernen müssen, aufeinander aufzupassen und einander zu vertrauen.

Lasst die Frauen los!

Auffällig ist die weitgehende Absenz von (starken) Männerfiguren, abgesehen von Garp. Seine Mutter Jenny Fields wird durch ihre Wünsche – ein Kind zu haben, aber nicht an einen Mann gebunden zu sein – zur Feministin, ohne sich bewusst dafür zu entscheiden. Im Verlauf der Geschichte gewinnt die Frauenbewegung immer mehr Raum, die unterschiedlichen Ziele der Untergruppierungen führen zu Konflikten, denen sich auch der mittlerweile erfolgreiche Autor Garp nicht entziehen kann. Zweifelsohne in Erinnerung bleibt einem zu diesem Thema etwa die Gruppe der „Ellen Jamesianerinnen“, die sich im Andenken an das vergewaltigte und verstümmelte Mädchen Ellen James ihre Zungen herausschneiden, während Ellen jedoch nur in Ruhe gelassen werden möchte.

Da es dem Roman nicht gerecht werden könnte, den verwickelten und aufregenden Plot hier in Kürze wiederzugeben, am Ende schlicht und einfach eine Leseempfehlung an alle, die Romane über ungewöhnliche Schriftsteller und ungewöhnliche Romane über starke Frauen mögen.

Von Sabine Schönfellner

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Infos:

Über John Irving bei Wikipedia.

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