Chobot, Manfred: Genie & Arschloch
Biografien
Hardcover: Molden, 2009
Nicht oberflächlich genug
Selbstverständlich wollen wir wissen, was für Arschlöcher die Genies (gewesen) sind, vielleicht nicht so sehr bei jenen Genies, deren Werke wir mögen, doch ansonsten ergötzen wir uns gewiss gerne an den weniger netten Zügen von Menschen, die in Elfenbeintürmen und sonstigen Schlössern leben können. Hundertprozentig, also Revolverblatt-artig, befriedigt dieses Buch unsere niederträchtige Sehnsucht nicht, denn es hätte bestimmt abscheulichere Charaktere gegeben, die Gutes und Schönes (oder auf jeden Fall Kunst) hervorgebracht haben.
Doch Herausgeber Manfred Chobot scheint an den niedersten Niederungen nicht interessiert gewesen zu sein und ließ eine illustre Schar von AutorInnen und SchriftstellerInnen Abrisse u.a. über Brahms, Brecht, Hemingway, Kandinsky, Mansfield, Picasso und Wagner verfassen, welche mit jeweils ca. 20 Seiten vielleicht zu kurz geraten sind, als dass sie eine fundierte Auseinandersetzung mit den Genannten zulassen würden, aber auch nicht oberflächlich genug sind, dass man sich als LeserIn einfach eine Gaudi machen könnte wie mit dem „Grünen Blatt“ o.ä..
Wer sich für einzelne KünstlerInnen gesteigert interessiert, wird in diesem Buch, das andere Sekundärliteratur ausschlachtet, nichts Neues erfahren. Alle anderen werden u.U. überrascht darüber sein, dass etwa Karl Valentin außer ein Komiker auch ein Sadist gewesen sein soll.
Von Werner Schuster
Über Manfred Chobot bei Wikipedia.









