14/12/2012von 550 Views – 0 Kommentare

Sachslehner, Johannes: 365 Schicksalstage

Sachbuch
Hardcover
456 Seiten
Erschienen 2012 bei Styria

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Inhalt:

Ein Blick auf helle und dunke Tage in Österreichs Geschichte, kein patriotisches Heldenlied, sondern eine kritische Darstellung. Tag für Tag, vom 1. Januar bis zum 31. Dezember, erzählt Johannes Sachslehner von jenen Ereignissen, die dem rot-weiß-roten Nationalmythos Inhalt und Kontur verleihen. (Pressetext)

Kurzkritik:

Das ist jetzt natürlich ein Buch, das ich (noch) nicht zu Ende gelesen habe. Ich habe „Stichproben“ genommen und mir vorgenommen, das nächste Jahr damit zu verbringen. Wie geplant, werd‘ ich‘s wohl nicht machen, aber mir jeden Tag einen Schicksalstag Österreichs zu vergegenwärtigen, das hätte schon was.

Werner gibt vorläufig  ★★★¾☆  (3,75 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Stichproben vom Schicksal

Das ist jetzt natürlich ein Buch, das ich (noch) nicht zu Ende gelesen habe. Ich habe „Stichproben“ genommen und mir vorgenommen, das nächste Jahr damit zu verbringen. Wie geplant, werd‘ ich‘s wohl nicht machen, aber mir jeden Tag einen Schicksalstag Österreichs zu vergegenwärtigen, das hätte schon was.

Der Verlag schreibt: „Johannes Sachslehner stimmt kein patriotisches Heldenlied an, er sondiert kritisch, nennt auch Ereignisse, die verdrängt und vergessen sind und nicht mehr erinnert werden möchten. Historisches Erinnern schafft Identität: ein Buch zum Schmökern und Nachlesen – und Nachdenken für alle, die über der Hektik des Heute das Gestern nicht vergessen wollen.“

Nazis

Auf die Schnelle ist mir aufgefallen, dass Sachslehner so viele Ereignisse ausgewählt, die mit der Nazizeit und dem Zweiten Weltkrieg zusammenhängen, dass ich mich frage, ob an dem einen oder anderen Tag nicht doch auch etwas anderes Wichtiges geschehen sein könnte. Vielleicht vergleiche ich Sachslehners Auswahl bei Gelegenheit einmal mit den Einträgen im sog. „Kleindel Österreich“ (Daten zur Geschichte und Kultur). Oder sollte ich Harenbergs Deutschland-lastiges „Was geschah am …?“ heranziehen und überprüfen, ob dessen Redaktion ebenfalls so „fixiert“ ist wie unser Autor?

Keine Nazis

Aber es kann gut sein, dass schon eine zufällige Auswahl meinem oberflächlichen Eindruck widerspricht. – Tatsächlich: Für heute (14. 12.) hat Sachslehner den UNO-Beitritt Österreichs im Jahr 1955 ausgewählt, morgen erinnert er an die Eröffnung der Kaiserin Elisabeth-Bahn 1858, übermorgen an den Überfall auf Schlesien 1740.
17. 12.: Belehnung der Söhne Rudolfs I. mit Österreich und der Steiermark 1282
18. 12.: Die Ausweisung der Juden aus Prag 1744
19. 12.: Entscheidung in der Hainburger Au 1984 (Protest gegen ein geplantes Donau-Kraftwerk)
20. 12.: Das Schilling-Rechnungsgesetz 1924

Geschrieben ist das beispielsweise folgendermaßen:

Am Höhepunkt der Hyperinflation. 1922/23, hatte man das Geld in Waschkörben transportiert und wer Lust hatte, zündete sich mit einem wertlosen Geldschein seine Zigarre an – irgendwie wollte man das wertlose Zeug loswerden. Doch nun geht es der Inflation endgültig an den Kragen: Mit dem Schilling-Rechnungsgesetz wird eine neue Währung eingeführt: der Schilling. Der Umrechnungskurs zur seit 1892 im Umlauf befindlichen Krone: 1 Schilling für 10.000 Kronen (…)

Nazis

Aber jetzt lässt mir mein eventuell falscher Vorwurf (der Nazivergangenheit-Fixiertheit) keine Ruhe und ich nehme noch probeweise den Jänner her. Also doch!
5.: Die Ermordung der burgenländischen Sinti und Roma in Kulmdorf
7.: Die Hinrichtung von Herbert Eichholzer
9.: Die Hinrichtung Walter Caldonazzis
20.: Die Wannseekonferenz
24.: Der „Herrgott von Auschwitz“ und die „Bestie“ (Walter Grabner und Maria Mandl)
27.: Der Internationale Holocaust-Gedenktag
29.: Der Auschwitz-Erlass

In einem Jahr wissen wir mehr

Und nur noch, um Missverständnissen vorzubeugen: Ich bin wahrlich kein politisch Rechter und ich halte das Erinnern an die Nazizeit für unabdingbar. Allerdings meine ich, dass ein Zuviel auch in dieser Sache kontraproduktiv ist. – Und jetzt hoffe ich nur, dass ich Herrn Sachslehner nicht Unrecht getan habe. In ca. einem Jahr wissen wir mehr, auch (und vor allem) über Österreich.

Von Werner Schuster

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Infos:

Johannes Sachslehner, geboren 1957 in Scheibbs, studierte an der Universität Wien Germanistik und Geschichte (Dr. phil.) und unterrichtete von 1982 bis 1985 an der Jagiellonen-Universität Krakau als Gast- lektor für deutsche Sprache und Literatur, danach im Archiv- und Verlagswesen tätig, seit 1989 Verlagslektor. Zahlreiche Publikationen, zuletzt erschienen bei Styria Premium seine beiden Bände über die „Schicksalsorte Österreichs“ und „Schicksalsorte des Sports“ sowie bei Pichler „Anno 1683. Die Türken vor Wien“ und “Wien – Porträt und Poesie”. Zuletzt: “365 Schicksalstage”.

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