10/10/2012von 541 Views – 0 Kommentare

Grace, Patricia: Potiki

Roman
Broschiert
276 Seiten
Erschienen 2012 bei Unionsverlag
Übersetzt von Helmi Martini-Honus und Jürgen Martini
Originalausgabe: „Potiki”, 1986

KurzkritikAusführliche BesprechungInfos

Inhalt:

Der alte Maori-Holzschnitzer konnte sein größtes Lebenswerk, das Versammlungshaus mit den Ahnenfiguren, nicht vollenden; der letzte Pfosten blieb leer. Und Toko, das Kind mit den hellseherischen Kräften, empfängt eines Tages bedrohliche Visionen von der Zukunft seines Dorfes. So kommt Unruhe in den Kreislauf von Mensch und Natur, Tag und Nacht, Leben und Tod in der Maori-Siedlung an der Küste Neuseelands. Der „Dollarmann“ taucht auf: Ein moderner Freizeitpark an der Küste verheißt Fortschritt und Einkommen. Die Dorfgemeinschaft versucht den Bulldozern und der Verlockung des großen Geldes zu widerstehen. Da wird Tokos Vision wahr: Die Dollarmänner überfluten die Felder und den Friedhof, und eines Nachts steht sogar das Versammlungshaus in Flammen. (Pressetext)

Kurzkritik:

In diesen Maori-Roman bin ich nie ganz reingekommen. Er ist mir zu naiv – oder durchschaubar aufgebaut.

Für mich ist die mythische Ebene mit der realistischen zu wenig verbunden, eine könnte auch ohne die andere funktionieren.

Aber vielleicht habe ich das Buch auch nur zu einem „falschen“ Zeitpunkt gelesen und wäre zu einem anderen empfänglich gewesen für dieses an sich schöne Märchen.

Werner gibt  ★★★¼☆  (3,25 von 5 Eselsohren)

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Besprechung:

Märchen mit Maori

In diesen Maori-Roman bin ich nie ganz reingekommen. Er ist mir zu naiv – oder durchschaubar aufgebaut.

Die Geschichte ist simpel, was mich an sich nicht stört: Die BewohnerInnen einer Maori-Siedlung werden vom Fortschritt bedroht. Sie wurden ohnedies schon von ihrem Land verdrängt und jetzt drohen ihr Friedhof und das Versammlungshaus mit den Ahnenfiguren absichtlich zerstört zu werden – infolge der Errichtung einer Freizeit-Anlage für TouristInnen.

Nach Jahrhunderten der erduldeten Unterdrückung regt sich Widerstand, – und schlussendlich bleiben sie siegreich.

Die Prophezeiung

Rund um diese Handlung ist die Geschichte des Versammlungshauses gesponnen. Die Ahnenfiguren hat ein genialer Holzschnitzer angefertigt – nur eine konnte er nicht vollenden. Und es gibt die Prophezeiung, dass dereinst einer komme, dem dies gelänge, und dass sich dann alles zum Guten wenden würde. – Wie es dann ja auch geschieht.

Der glückende Aufstand

Seltsam. Diese Geschichte illustriert, wie man UreinwohnerInnen weltweit behandelt hat, sie erzählt das Märchen vom glückenden Aufstand, man erfährt viel von den Maori, die Figuren sind anschaulich beschrieben – all das lese ich gerne; und doch konnte ich mich in diesem Fall nicht dafür erwärmen. Und ich kann nur vermuten, warum dem so ist.

Die Vermutungen

Vielleicht: Obwohl Patricia Grace selbst Maori ist, wirkt dieser Roman auf mich, als ob sie bloß gern eine wäre. Oder: Als ob jemand krampfhaft versucht hätte, eine Legende oder einen Mythos zu erschaffen.
Mir ist alles zu vorhersehbar und glatt gesponnen; wie in einem Märchen, nur dass die Story größtenteils realistisch erzählt wird.

Die Guten und die Bösen

Die Maori sind (fast) durchwegs herzensgute Menschen, während die „Kolonialisten“ ohne Ausnahme als lächerlich und böse dargestellt werden. Und so durchschaubar, dass ich mich frage, wie man jemals auf ihre Lügen hereinfallen konnte.

Der Erretter

Und die Holzschnitzer-/Ahnenhaus-Ebene wirkt auf mich aufgepfropft: Die Maori haben das Land, das ihre Vorfahren nahezu verschenkt haben, ohnedies besetzt. Weshalb brauchen sie noch einen mystischen Erretter?

Der Zeitpunkt

Ja, vielleicht ist es das: Für mich ist die mythische Ebene mit der realistischen zu wenig verbunden, eine könnte auch ohne die andere funktionieren.

Aber vielleicht habe ich das Buch auch nur zu einem „falschen“ Zeitpunkt gelesen und wäre zu einem anderen empfänglich gewesen für dieses an sich schöne Märchen.

Von Werner Schuster

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Infos:

Patricia Grace, geb. 1937 in Wellington, Neuseeland, war viele Jahre Lehrerin und lebt heute auf dem Land ihrer Vorfahren in Plimmerton. Ihr Erzählband „Wairaki“ (1975) war die erste Veröffentlichung einer Maoriautorin überhaupt.

Mehr über Patricia Grace bei Wikipedia.

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